Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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denn nur dadurch wird die Bildung eine harmonische. Freilich kann der sogenannte orthodox« jüdische Religionsunterricht hier noch mehr Schaden anrichten, als gar keiner, da er geeignet ist, die Jugend eher vom Judentum abzulenken als demselben zu erhalten. Nur ein im Geist der Reform und Wissenschaft des Judentums erteilter Unterrick t kann hier helfen und solchen Schäden unter denen alle Juden später leiden, Vorbeugen. — Die Stadtgemeinde in Kiedrich hat der israelitischen Gemeinde ein an len christlichen Friedhof angrenzendes Grundstück zur Anlegung eines Friedhofes unentgeltlich überlassen. — In Katibor wurde beim Graben eines Brunnens auf ü,m jüdischen Friedhofe ein Braunkohlenlüger aufgedeckt. — Bei den Ausgrabung, n der römischen Grenzfestungen Kovaefi«m, wurden u. a. eine größere Anzahl von Münzen gefunden. Interessant ist eine derselben, welche auf der Vorderseite l as mit Lorbeer geschmückte Brustbild des Kaisers Vespansians, auf der Rückseite die ganze Figur des Kaisers in vollem Waffenschmucke zeigt, während vor der elben sich eine unter Palmen hockende weibliche Gestalt erkennen läßt. Durch die Unterschrift IVDAEA GAPTA (das eroberte Judäa) ist die Bedeutung des Fu idstückes leicht zu errathen. Bekanntlich ließ Vespansian im Jahre 70 zur V irherrlichung seines Sieges über die Juden und die Zerstörung Jerusalems diese Münzen schlagen. Wie man sieht, war die Kunde von der Zerstörung des j idischen Reiches schon am Rhein verbreitet, als die ersten Flüchtlinge hier eine neue Heimat suchten. — Herr Dr. Ephraim hat der jüdischen Gemeinde in Be lin ein Vermögen von über einer Million Mark für Wohlthätigkeitszwecke etztwillig bestimmt. — Herr Julius Levifohn aus Hamburg hat seiner Vaterstadt zur Erinnerung an seinen verstorbenen Vater 100000 Mark für Errichtung v)n Freiwohnungen überwiesen. — Frau Henriette Ladenburg in Mannheim hat a s Zustiftung zu der bereits bestehenden Ladenburg-Stistung anläßlich ihres 65. Geburtstages dem Stadtrathe 25000 Mk. überwiesen. — Der jüngst in Wiesbc den verstorbene Herr Phil. Zimmer, ein evangelischer Christ, hat die beiden israel tischen Cultusgemeinden daselbst mit je einem Legate von je 500 Mk. bedacht — Der Aufsatz „Gabriel Rießer" in unseren „Monatsblätteru" ist im „Hamelih' in die hebräische Sprache übersetzt erschienen. — Der jüngst in Kudapest verstorbene Niederländische Generalconsul War Kitter Krüll de Domony hat für wohlthätige Zwecke die Summe von 20000 fl. hinterlassen —• Am 21. Juli starb in Wien der einer. Rabbiner und Prediger, der früher in Habern, Gaya und Krakau gewirkt hatte Herr Dr. Worih Duschak, geb.zu Welsch. Er war ein Mann von hervorragendem allgemeinen und theologischen Wissen und verdankt die jüdische Litteratur ihm viele sehr wertvolle Arbeite» von denen wir besonders, „das mosaische talmudische Eherecht mit besonderer Rücksicht auf die bürgerlichen Gesetze," „das mosaisch-talmndische Strafrecht. Ein Beitrag zur historischen Rechtswissenschaft." „Zur Botanik des Talmud" und „Die Moral der Evangelien und des Talmud" hervorheben. Auch wir werden irnserem treuen Mitarbeiter ein ehrendes Andenken stets bewahren. — I» Wie» starb Herr S. Gottlieb, der im Vorstande der israelitischen Allianz das Amt eines Schriftführers mit seltener Hingebung führte. Herr Rabbiner Dr. Güdemann widmete dem Hingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. — In Hitzing starb der bekannte Pistolenschütze Josef Schulhof. Er hat das Repetiergewehr-System lind vieles Andere auf dem Gebiete der Technik erfunden. — Herr Dr. Woritz Könnt wurde zum ordentlichen Professor an der medicinitchen Facultät in Innsbruck ernannt. — Die medicinische Facultät in Wien hat Herrn, Professor Dr. Zuckerkand! zum Dekan erwählt. — I» Aeghalom wurde am 4. Juni der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt.