Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
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Fest der goldenen Hochzeit feierte am 2. Juni unser verehrter Mitbürger Herr Kernhard Ullmarm mit seiner Gattin in Marien bäd, wohin sie sich zum Knrgebrauche begeben haben. Herr Ullmann nahm von jeher den wärmsten Anteil an den Interessen der Stadt und der Kultusgemeinde und widmete ihnen jahrelang seine Kraft und Zeit, teils als Vorsteher, teils als Mitglied- Möge dem Jubelpaare eil» heiterer Lebensabend beschicken sein! — In Moschin und in Hetnsheim wurden neue Synagogen eingeweiht. — In Frohbnrg hielt am 5. Juli Herr Schriftsteller Wiesenthal aus ßeipzig einen Vortrag über „Gesundheitspflege bei den alten Juden." — In Dürnberg hielt der bekannte Prediger der freireligiösen Gemeinde Herr Karl Scholl einen Vortrag über „der Berliner Hofprediger und sein gefälschtes Christentum." Er schloß seinen mit vielem Beifalle aufgenommenen Vortrag mit den Worten: „Hofprediger Stöcker, Antisemit und Antichrist in einer Person." — Nach der jüngst ausgegebeneu Jahresrechnung hat der Litteratur- Verein „Mekize Nirdamim" in Kerlin im Jahre 1889, 4536 Mk. 88 Pf. eingenommen und 4132 Mk. 65 Pf. vorausgabt. — Unter den zum X. deutsche« Bundesschießen nach Kerlin gekommenen Bundesbrüdern befanden sich auch viele Israeliten, besonders aus Amerika waren hervorragende Glaubensgenossen anwesend; wir nennen nur Sir Simon Wolf, den Vertreter der Stadt Washington. — Herr Prof. Adolf Karnack schreibt gelegentlich einer Besprechung des evangelisch-sozialen Congresses in der protestantischen Kirchenzeitnng: „das aber weiß ich, daß den Antisemitismus auf die Fahnen des evangelischen Christentums zu schreiben ein trauriger Skandal ist." — Der Bischof von Fulda, Herr vr. Ios. Weyland, hat auf einer Inspektionsreise in Marburg sowohl in einer Predigt als auch bei einem Festkommers von dem Frieden gesprochen, der zwischen den verschiedenen Konfessionen herrschen müsse. Beiin Kommerse sagte er unter Anderem: „Der wahre Katholizismus verbietet jede Hetze." — In Wurzburg wurde durch den Senat der Universität neben andern Studenten auch ein Antisemit und zwar letzterer „wegen Störung des Friedens unter den Studenten und deshalb weil antisemitische Strömungen auf der Hochschule nicht aufiommen dürfen" für eine Zeit mit dem consilium abeundi bestraft. — Herr Hofprediger Stöcker will nach dem Hessenland gehen, um gegen vr. Köckel und desien Antisemitismus zu sprechen. — An 200 jüdische Richter finden sich unter den über 4000 zählenden Richtern Preußens. — In Erfurt fand am 6. Jnli ein antisemitischer Parteitag statt, der schwach besucht war. Eröffnet wurde die Versammlung durch Herrn Iakobskötter. Reden hielten die Herren Kickenbach, Werner, vr. Sockel und Zimmermann, welche in gewohnter Weise ihre bekannten Auslastungen gegen die Juden zum Besten gaben. Die Verhandlungen hatten etwas Ermüdendes, da keine neuen Gesichtspunkte zu Tage traten und nur mit alten Schlagwörtern, die keine zündende Kraft haben, losgezogen wurde. — Am 13. Juli fand ein antisemitischer Parteitag in Dortmund Sinter Vorsitz des Herrn vr. König statt. Es soll ein allgemeiner Antisemiten-Kongreß einberufen werden. — Der „Khriuisch- Westfälische Missionsverein für Israel" verausgabte ini abgelaufenen Jahre 19,908 Mk. 84 Pf. Getauft wurde ein einziger Jude- — Herr vr jur. Morris de Ionge aus Eöln veröffentlicht in der „Kreuzzeitung" unter dem Titel: „Ein Akt moderner Tortur" eine Erklärung, pie der Judenhetze neue Nahrung gegeben und vielfach antisemitisch ausgebeutet wurde. Obwohl die ganze Angelegenheit noch nicht spruchreif ist, können wirdavon soviel schon heute lernen, daß man auf eine religiöse Grundlage bei bet jüdischen Jugend, die später in die Universitäten treten soll, mehr Gewicht legen möge, wie dies bisher geschehen, 18* <