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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-09-01 · Heft 9 (1.9.1890) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 9 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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f in christlicher Geistlicher über den Hyristnsknttus. Herr Moritz Schwalb, Di-, theol., Prediger a» der reformierten Kirche St. Martini zu Bremen, hat einen Vortrag*) veröffentlicht, in welchem in lichtvoller Weife kühne Gedanken von der größten Tragweite über das Christentum ausgesprochen werden, die auch in nichtchristlichen Kreisen Beachtung verdienen, da man füglich darin einen geistigen Triumpf des Judentums erblicken muß, das nach langer Verkennung langsam aber sicher zu den Zielen zu gelangen scheint, die sein innerer unsterblicher Gehalt ihm verbürgen. Wir müssen, ehe wir ein Referat dieses Vortrages geben, besonders betone», daß derselbe von einen, offiziellen protestantischen Geistlichen im Lokale eines christliche» Vereines und vor einem christlichen Publikum gehalten wurde, denn nur darin liegt die hohe Bedeutung desselben, die ihm ein Anrecht auf besondere Beachtung und Würdigung verleiht. Wir beschränken uns in folgendem nur auf die Wiedergabe der wichtigsten Punkte aus diesen. Vortrage. Ueberall, meint Herr Schwalb, von, Ganges bis zu», Nil, von der Nordküste Afrikas bis nach. Britannien finden wir Götzendienst, Menschenvergötterung und auch überall manchen Tropfen vergossenen Prophetenblutes und Pröphetenthränen. Uebergehend zu dem ChristuSglaubeu heißt es (S. 15—16): „Und wir Protestanten meinen — nicht bloß die orthodoxen Protestanten, sondern gar viele der sogenannten liberalen Protestanten, vielleicht die meisten Mitglieder unseres lieben Protestantenvereins — wir nieinen doch, daß Jesus etwas anderes war als ein bloßer Mensch-— aber gar viele Protestanten, namentlich die „Froininen", wie man sie leider manchmal nennt, glauben, daß er noch etwas anderes war, als wahrer Mensch, nämlich wahrer Gott, gerade wie die römische Kirche.es auch lehrt." Daraus wird der Schluß gezogen, daß „wir Protestanten^ noch lange nicht von Menschenvergötterung frei seien, die in-der menschlichen Natur recht tiefe Wurzeln habe und daher stamme, daß die ineisten Mensche» geistig schwach seien und ihnen aus dem Geiste der Starken etwas wie eine Offenbarung der Gottheit entgegenleuchte. Daher der Heroenkultus. Es wird zugestanden, daß ein gewisses Maß von Menschenverehrung notwendig und heilsan, sei, dagegen wird auf die Gefahren und Nachteile der Vergötterung Jesu und zwar der Vergötterung Jesu in allen ihren Formen und Abstufungen hingewiesen, welche eine ungeheuere unheilvolle, an Blut nnd Thränen reiche, furchtbar reiche Zwietracht unter die Menschen gebracht habe. Daher stanime auch der Judenhaß, von den, sich schon deutliche Spuren in den heiligen Schriften des neuen Testamentes fänden und der die Ursache grausanier Judenverfolgungen gewesen sei, jener mittelalterlichen Judenhetzen, die zur Schande unseres Jahrhunderts des Lichtes und der hohen Bildung sich wieder erneuert hätten, die einen Herd und Ausgangspunkt gefunden haben in der Hauptstadt des deutschen Reiches und einen Apostel iu einem Hofprediger. Wie wäre eine Judenfrage entstanden, wenn man von de» Juden nicht eine Verleugnung ihres Glaubens verlangt hätte, des Glaubens, in dem Jesu gelebt und gestorben, - des Glaubens an den eine» Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat V Eine Judenfrage gäbe es Nur nnd Judenverfolgungen hätte es nur darum gegeben, weil man Jesus von Nazareth zu einem Gotte gemacht und zu den Juden gesagt habe: *) Menschenverehrun^ und Menschenvergötterung, Bortrag, gehalten im Lokale des Bremer Protestantenvereins. Leipzig, Verlag von Otto Wigand, 1889.

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