Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 auserwählte Volk Gottes sei, wird von drei unerbittliche» Feinden befehdet und bedrängt: Vorn Judenhgsse, der jüdischen Mission und von einer Strömung der fortschrittlichen jüdischen Theologie." Nun stellt der Verfasser klar und deutlich die Frage: „Ist die Auserwähltheit eine von jenen Ideen, welche leben und im religiösen Leben fruchtbringend sind, oder von jenen, welche nach einem Jahrtausend alten Bestand, als veraltetabsterben? Nachdem zunächst diese Frage ventilirt wird (I 6. 1 §. 4—6 S.) bespricht Herr Di-. Blan eingehend und klar die Deutungsversuche (I 0. 2 §. 6—10 pag.). Eine woie nnd höchst interessante Beleuchtung erfährt der Gegenstand auf Grundlage der Tradition in dem Cap. II. u. z. 1 §. Auserwähltheit und Nation, (pag. 10—18.) Es wird die Thatsache festgestellt, daß „Israel selbst vor Auflösung des Staates nicht ein, ,^Volk" ini gewöhnlichen Sinne, sondern eine Zusammengehörigkeit, ein : Gemeinde auf ethischen Prinzipien basirt, gebildet hatte das ist eine Religionsgenosjenschaft." — Den zusammenhaltenden Kitt bildete die „Religion. Als logischen Schluß wollen wir des Verfasser eigene Worte wicdergeben: „Die Ädee von der Auserwähltheit Israels ist keine nationale, sondern religiöse Anschauung," (pag. 18.) Die Deutung des zweiten Grundprinzipes in dieser Frage bildet der Abschnitt 8 2. über „Auserwähltheit, Auswahl und Sonderechte" (18—26 pag.) und resüniirt die Auseinandersetzung darin „das die Auserwähltheit nicht Ausfluß des nationalen Selbstgefühls, nicht Ausdruck einer Vornehmheit und auch liicht Anmaßung besonderer Rechte sei." (pag. 16.) Es blei Ert also blos noch übrig zu erläutern: III. Cap. „Zweck, Sinn und Grundlage der Auserwähltheit." (26- 39 pag.) Und der Inhalt dieser Idee ist einzig und allein: „Pflichten ohne Rechte, Ergebenheit ohne Belohnung." (pag. 37.) d. i. „sie bringt zum Ausdrucke, daß Israel nicht in ethischer,nicht in genealogischer Hinsicht, nicht im Rückblicke auf Siegesruhm, staatsbildende und kulturelle Erfolge, seine Bev irzugung erblickt und selbst nicht auf seine ethische SittenkÄnheitpocht, sondern, daß er, vorwärtsschreiten muß und mehr wirken." Die Auserwähltheit ist nicht ein Geschenk Lottes, sondern eine göttliche Gabe. „In dem Momente, in welchem die Idee der Auserwähltheit die Kraft verliert, zur Pflicht aufzürufeu ist sie fürwahr keine lebende Idee. In dem Momente, in dem Israel von seinen Pflichten sich lossagt, ist es fürder nicht ein auserwähltes Volk- In dem Momente, in welchem Israel den Gipfel der religiösen Vollkommenheit erstrebt, verschwindet diese Idee als «haltlos aus dem religiösen Jdeenkreise."(pag. 39). Nicht s) sehr als Capitel, sonderir als Anhang höchst belehrend und cingehend besprochen ist in IV. „Die Idee der Auserwähltheit im Gebetbuche." (pag. 39—45). Bis zum Schlüsse, einem kurzen apologetischer Abschnitte, bewahrt der Verfasser eine Objectivität, die das ganze Merkchen als streng wissenschaftlich — i» volksthümlicher Sprache — erscheinen läßt nnd den Wunsch in den Lesern erweckt: daß doch auch weiteren Kreisen durch eine Übersetzung ermöglicht weide, sich den Begriff über ein Grundprinzip des jüdischen, confesionellen Leb Temesv ns, über die Ausermählnng ür im Juli 1890. Israels zurecht zu legen. Rabb. Dr. Kohlbach. v