Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 müßtest nicht im späten Alter so schwer dich anstrengen". „In meiner Jugend, o Kaiser, arbeitete ich", lautete die Antwort, „und nun in meinem Alter thue ich es auch, und wie es Gottes Witte ist, so mag es gehen." „Wie alt bist du?" fragte der Kaiser. Hundert Jahre, war die Antwort. „Hundert Jahre bist du alt und pflanzest noch, hoffst wohl auch noch die Früchte davon zu genießen?" fragte verwundert, wie spottend Hadrian. „Schenkt mir Gott das Leben," versetzte der Alte, „genieße ich die Früchte, und wenn nicht, so arbeite ich für meine Kinder, wie meine Väter für mich gearbeitet haben." „Erlebst du es, daß die Früchte reife», so laß mich's wissen," sprach der Kaiser sich verabschiedend. Der Alte erlebte es wirklich, daß der Baum Früchte trug, und alsbald nahm er ein Körbchen und füllte es mit den schönsten und brachte sie dem Kaiser. Hadrian nahm sie gnädig an und befahl das Körbchen mit Gold zu füllen. Erstaunt über diese außergewöhnliche von deni Judenhenker Hadrian einen» Indem erwiesene Gnade forschten die Höflinge nach der Ursache dieser Auszeichnung. Hadrian erklärte ihnen: „Sollte ich einen» Manne, den Gott so bevorzugt, nicht auch für seine Verdienste ehren."?') Diese Anerkennung des jüdischen Fleißes, der jüdischen Arbeitsliebe von Seiten des größten Judenfeindes im Alterthuine, ist wohl das glänzendste Zeugnis, das uns J»»den je gegeben »vurde. Und dieses verdanken wir der religiösen Erziehung, die ihr Augenmerk mit Vorliebe der Arbeit zuwendet. Mit Absicht, heißt es, führte Gott die Israeliten nach Palästina, als es wohl bepflanzt, gut gepflegt und schön bebaut »var, damit sie allezeit sich vor Augen halte», »vie andere für sie gearbeitet, so auch allezeit für andere zu wirken und zn schaffen?) (Forts, folgt.) Z>ie Zuserwähttheit Israefs. Herrn Dr. Blau in Budapest hat jüngst unter ungarischen Titel den wir diesem Referate deutsch überschrieben haben, eine Schrift veröffentlicht (Auszug aus den» VII. Jahrg. der M. Zs. Szemle), welche Veranlassung bietet den Inhalt derselben auch deutschen Kreisen zur Kenntnis zu bringen. Es ist dies eine Abhandlung, die umsomehr beachtet zu werden verdient, als sie zu einer Zeit in einem Lande verfaßt wurde, in welchem die erkünstelte, bis ins Kleinliche übergehende Vaterlandsliebe alles, »vas uns fern an eine Sonderung erinnern könnte, in übergroße»»» Eifer verdecken niöchte mtb will. Und nun greift ein freier Denker zur Feder und schreibt über die Frage, die gar oft Israel vorgeworfen, die gar oft in Verkleidung der Unduldsamkeit als hindernd für die Gleichstellung der Juden im Staate ins Treffen geführt worden ist; es wird die Idee: „Israel ist das auserwählte Volk Gottes" behandelt und in vier — richtiger in sechs — Punkten beleuchtet u»»d erläutert, mit einer Sach- Verständigkeit und Fachkenntnis, wie sie blos den» Kenner der jüdischen Tradition und Religionsentwicklung eigen sein kaum Und was ist der Beweggrund? „Unter den ältesten Religionsanschauungen Israels giebt es keine, die so manigfaltigen Angriffen ausgesetzt wäre, wie die Lehre von der Auserwähltheit. Die an zahlreichen Stellen der heiligen Schrift verkündete Lehre, daß Israel das Midr. Tanch. u. Jalk. z» Lkv. »9, 23; *) ebend.