Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969933-2969943--3008-2976693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
204 nimm dafür Bezc hlung und sage nicht, ich bin ein Priester, bin ein großer Mann; jede Arbeit ist ehi enwerter als Nichtsthnn und sich von andern erhalten lassen.') Diese Lehre hint:rließ Moses als bestes Vermächtnis seinen Kindern. Denn nach einer alten Ueberlieferung war jener Levite, Jonathan, der Sohn Gersons, welcher dem Micha auf dem Gebirge Ephraim bei dem silbernen Götzenbilde Priesterdienste le stete und später dem Stamme Dan nach der eroberten Stadt Lais-Dan in gle cher Eigenschaft folgte, niemand geringerer als ein Enkel Moses. Nur ein Mißverständnis?des großväterlichen Ausspruches hatte ihn zu diesem merkwürdigen gottlosen Dienste geführt. Das großväterliche Familienvermächtnis lautete: „Besser einem noch so wenig entsprechenden, fremden Dienste sich verdingen als Men chenhilfe für sich in Anspruch nehmen". Im Besitze dieser Lehre, meinte der Enkel sie auch im rechten Sinne anzuwcnden, wenn ersich auch dem Götzendienste (— dem Dienste fremder Götter) gegen Entgelt zur Verfügung stellte. König David, der die Beweggründe solcher Handlungsweise erfuhr, gab den Nachkommen Moses einen Staatsdienstlund befreite sie so von dem Zwiespalte ihres Lebens?) Jede Arbciü ehrt den Mensche», das ist utib bleibt jüdischer Grundsatz?) Darum liebe die Arbeit und hasst sie nicht, sie bildet ja eine der Verpflichtungen in dem Bunde, den Got: mit Israel durch die zehn Gebote geschlossen mit den Worten: „Sechs Tage sollst du arbeiten und deine Werke verrichten."*) Gott in seiner Weisheit hat es auch so Eingerichtet, daß jeder immer wieder an seiner Arbeit und an seinem Handwerke das Beste und Angenehmste herausfindet, daran Gefallen findet un) es jedem andern vorzieht, selbst wenn es noch so beschwerlich ' und lästig ist,») weshalb man das von den Vätern überkommene Handwerk behalten und weiterführen soll?) Die Zufriedenheit mit der Arbeit verursacht auch Zufriedenheit mit den« Lebe». Nach des Tages Mühen findet der Arbeiter einen süßen sorglosen Schlaf, den kein Kummer unterbricht.') In seinen Händen und in seinen, Flcißc ruht sein Reichtum; diese biloen seine stets gefüllte Schatzkammer und geben ihm eine ruhige, behagliche Zufriedenheit. Denn das Bewußtsein, daß man sich selbst alles verdankt, giebt dem Arbiter die Seelen- und Gemütsruhe, mehr als sogar von Eltern ererbte oder von Fremden geschenkte Güter und Reichtümer bieten können?) Dieses ruhige Selbstvertrauen drückt das jüdische Sprichwort aus: Waren auch sieben Jahre Hungersnot) an der Thüre des Arbeiters pochte sie nicht an?) Wem die Arbeit so zur Lebensbedingung, zur zweiten Natur geworden, dem bleibt sie auch eine Fürsorge und Vorsehung für die Zukunft und für die künftigen Geschlechter. So erzählt Onias der Essäer, daß er einst einen alten Landmann traf, der Johannisbrotbaume pflanzte. „Hoffst denn du noch von den Früchten dieses Baumes, der siebzig Jahre braucht, um Früchte zu tragen, essen zu können?" fragte Onias. , Uud wenn nicht, was thut's?" versetzte jener. „Ich habe den Boden bepflanzt gefunden, und!wie meine Väter für mich gearbeitet haben, so arbeiteich auch für nieine Kinder."^) Das war der Geist des ganzen jüdischen Volkes, welcher auch seinem größten Feindl!, dem Kaiser Hadrian Bewunderung und Anerkennung abrang. Kaiser Hadria, traf auf seiner Reist durch Palästina einen Greis in Tiberias, welcher mit allem Eifer den Boden umgrub, um Feigenbäume zu pflanzen. „Alter, Alter," rief der Kaiser, „hättest du in der Jugend fleißig gearbeitet, du '/ Pesach 5) Berach 43. b; Taanith 23. >113. *) Bab. batr. HO; 3) Gittin 67; *) Aboth d. R. R. c 11; 6) Erchin 16, b; ') Koheleth 5, II; 8) Aboth d. R. N. c 31; ») Sanhedr. 29;