Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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203 nisse der ruhigen Arbeit war die Strafe, welche aber — wie ja Gott das Böse stets zum Guten wendet — nur ein Mittel sein sollte, um dem Menschen durch schwere Arbeit weniger Gelegenheit zu sündigen zu geben. Wie Gott dem ersten Menschen als Mittel ju seiner Glückseligkeit die Arbeit zugewiesen; so ist eines jeden Vaters heiligste Pflicht, seinen Sohn in irgend einer Beschäftigung oder in irgend einem Handwerke zu unterweisen.') Verabsäumt es der. Vater, so hat er sein Kind gleichsam an das Räuberhandwerk ausgeliefert2). Nicht zu früh kann der Mensch unter das Joch der Arbeit gebracht werden?) Denn vier Dinge bediirfen nach der Meinung der Alten einer langen, stetigen Uebung und Gewöhnung, einer regelmäßigen Pflege, nämlich: die Wissenschaft, das lobenswerthe Handeln, die Frömmigkeit und die Arbeit?) Verlangt also die Arbeit außer Fleiß und Zeit das ganze Leben, so kann es nicht gleichgiltig sein, welchen Berns der Mensch sich wählt. Wenn es möglich, wähle man zunächst eine leichte und reinliche Thätigkeit?) Wohl kann die Welt nicht bei lauter leichten und reinlichen Arbeiten bestehen; es muß Arbeiter für alles geben, wie es das Sprichwort sagt: Die Welt muß ihre duftenden Gewürzmischer haben und auch die weniger wohlriechenden, Gärber?) Jede Arbeit ist gebraucht und gesucht, keine wird jemals überflüssig in der Welt, daß sie ihren Mann nicht nährte.') Wohl denijenigen, der sich mit der angenehmen Arbeit beschäftigen kann und diese von den Eltern übernommen hat, weshalb aber auch jede andere nicht tadelnswert und verwerflich ist?) Auch Reichtum und Armut hängen nicht von der Gattung und Art der Arbeit ab; es giebt keine Arbeit, die den Fluch der Armut, keine, die den Segen des Reichstums an sich hätte, sondern alles ruht in Gottes Hand, der allein Segen mit der Arbeit geben und Fluch von ihr abwehren kann?) Woran der Mensch bei der Wahl seiner Beschäftigung zu denken hat, und was er wählen muß, ist eine solche Arbeit, bei welcher er ehrlich und sittlich bleiben kann. Aus diesen Gründen wird nachdrücklich widerraten, daß ein Mann solche Handwerke wähle, die ihn allzusehr mit Frauen in Berührung bringe, und daß eine Frau ausschließlich in Männerkreisen ihre Thätigkeit ausübe, weil solches die Sittlichkeit in Versuchung bringe.'") Ebenso halte man sich fern von Arbeiten, welche die Ehrlichkeit gefährden.") Ehrliche Arbeit steht höher als Geburtsadel und als alle Verdienste der Ahnen, wie das Gott selbst dem Patriarchen Jakob in seinem Leben zeigte. Denn durch das Verdienst seiner Väter rettete Gott ihm das Vermögen aus Labans Hand, durch das Verdienst seiner Arbeit rettete er ihm das Leben.") Niemand sage darum: Ich stamme von vornehmen Eltern, ich bin ein Abköminling hoher Familien, ich bin ein Sohn dieses oder jenes großen Mannes, wie soll ich mich zu irgend welcher Arbeit erniedrigen? Darauf würde die heilige Schrift ihm erwidern: Thor, du bist wohl nicht von höherem Adel als dein Schöpfer, und dieser ist dir doch mit gutem Beispiele vorangegangen, wie es heißt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.")" Selbst Adam im Paradies durfte von all den verlockenden Genüssen nichts kosten, bevor er gearbeitet hatte.") Gott ließ über Israel erst seine Majestät ruhen, nachdem sie ihm zu Ehren die Arbeit des Gotteshauses vollendet hatten."- Ziehe dem Aase auf offener Straße das Fell ab, so sagt ein jüdisches Sprichwort, und ') Beroch 63; -) Kiddusch. 29; 3) Midr. Echa c. 3. 27; <) Beroch 32; (5 Beroch 63; -) Pesach. 65; ') Kiddusch 82; ») wie 2); «) wie 3); gebend; ") ebend.; >') Midr. Gen. r. 73; '-) «doch d. R. R. c. 11; ») ebend.; l5) Midr. Gedola.