Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Heiligung eingesetzt sind und die Gotteslehre, nach der wir leben, untersagt uns durchaus nicht einen weisen heilsamen Lebensgenuß. Sv ziehen in dem kommenden Monate drei Feste an uns vorüber, die ob auch von einander verschieden, doch ein zusammenhängendes unzertrennliches Ganzes bilden, und, in dem jedes seinen Einfluß auf uns zurückläßt, geeignet sind unser menschliches Wesen nach allen Seiten hin zu vollenden und auszubilden, wenn wir sie nur feiern niit bent rechten Verständlich und init willigein, aufrichtigem Sinne Arbeit und Arbeiter im jüdischen WotKe. Vortrag gehalten von vr. Adolf Knrrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. Nachdruck verboten. Rabbi Jsmael und Rabbi Akiba gingen einst in Begleitung eines Mannes in den Straße» Jerusalems. Ein Kranker begegnete ihnen und bat die Gelehrten um ein Heilmittel. Diese gaben ihm ein solches an. Da stellte der die Weisen begleitende Manu die Frage: Wer hat denn diesen Menschen mit Krankheit heimgesucht? Gott, war die Antwort. Und ihr Gelehrten, setzte jener fort, waget euch in ein Gebiet, das euch nicht zugewiesen ist, Gott macht krank» und ihr wollt gesund machen? Was ist denn deine Beschäftigung? fragten die Weisen. Ein Landmann bin ich, sprach jener, wie ihr doch an der Sichel in meiner Hand erkennen müsset. Wer hat den Boden geschaffen, wer den Weinberg? fragten sie weiter. Gott, versetzte er. Und du begiebst dich in ein Gebiet, das nicht dir gehört; Er, der Herr hat ihn geschaffen und du wagst seine Früchte zu genießen? Seht ihr denn nicht die Sichel in meiner Hand? gehe ich nicht aufs Feld, Pflüge, egge, dünge und jäte ich nicht, wird der Acker doch nichts hervorbringen. Bist du also nicht nach deiner eigenen Aussage ein Thor? Du hast doch wohl schon das Wort der Schrift gehört: der Mensch gleicht der Pflanze. Wie die Pflanze, der Baum der Pflege und Wartung bedarf, wenn er gedeihen soll, so braucht auch der Mensch der Pflege, der Arznei, und der Arzt ist sein Landmann?) Ebenso wenig wie das Gottvertrauen darf das Studium der Thora, die Beschäftigung mit der Gotteslehre ein Vorwand werden, sich der Arbeit und Thätigkeit für seine Nahrung uub seinen Lebensunterhalt zu entziehen. Wohl gilt die Beschäftigung mit der Gotteslehre als das höchste Verdienst, ihr soll man sich Tag und Nacht widmen,^) trotzdem wird es zur heiligen Pflicht gemacht, eine Arbeit, ein Handwerk, irgend einen weltlichen Beruf mit dem Wissen zu verbinden; denn giebt es kein Brot im Hause, wird es auch bald kein Studium mehr geben, und hat man kein Mittel, sein Brod zu verdienen, wird auch das Streben nach Wissen nicht gedeihen. Der Patriarch R. Gamliel, welcher durch seine hohe Stellung und sein ererbtes Verniögcn ganz sorglos der Wissenschaft sich hingeben konnte, stellte für die Schüler und für die Gelehrten den Grundsatz aus: Schön ist die Beschäftigung mit der Religionswissenschaft, wenn man ihr eine ernährende Thätigkeft anschließt, beim nur die Beschäftigung mit beiden hält uns fern von jeder schuld; aber jedes Wissen das nicht mit einer lohnenden Arbeit verbunden, hat für die Dauer keinen Beistand?) Der Profet Elia, heißt •) Midrasch Schoch. Tob Sam. o. 4; *) Jos. 1, 8; 3) Aboth. 2, 2; i »i iWr^ntrti kl,*! rtrfn'i iliWirliMjjMMWMMM