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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-09-01 · Heft 9 (1.9.1890) · p. Seite 200

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 9 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 über die Feier bet Feste sich nicht findet, ganz besonders auf die hohe Wichtigkeit, auf die große Bedeutung und Heiligkeit des Versöhnngstages hingewiesen. Den erhabensten aller menschlichen Gedanken sollen wir da mit unseren Herzen erfassen, es ist dwi Allerheiligste in dem Tempel der Weisheit, in das wir da eintreten sollen, je le ewige Wahrheit solle» wir davon Neuem in uns befestigen, ohne welche alle unsere Erkenntnis dunkel und nichtig ist. Steigen wir daher von Erkenntniß^unsere menschlichen Mangelhaftigkeit zur Betrachtung des allervollkommenstenTHesei 's empor, das sich mit den Worten „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin uh euer Gott", als unser ewiges herrliches Vorbild darstellt, und es wird die Feier des Versöhnungstages nicht ohne Wirkung und Eindruck an uns vorübergeken! Als ein „Tag der Versöhnung" wird das Fest bezeichnet, das mehr als alle anderen die Beziehung auf das Göttliche in sich schließt und an welchem wir das Werk der Besserung und Belehrung in uns vollziehen sollen. Wo von Versöhnung die Rede ist, da muß notwendig eine Entzweiung, ein Kampf und Zwiespalt vorangegangen sein, da muß aber auch mit gleicher Notwendigkeit ein Zustand des Frieiens, eine Zeit der Ruhe und Eintracht nach ihr eintreten. Das Nebel, das wir zu bekämpfen haben, das ist der Eigendünkel, der die Selbsterkenntniß nnmöglick macht, das ist der Hang zum Bösen, der uns unserem Gotte entfremdet, das ist der innere Zweifel und Zwiespalt, über den wir uns nicht erheben konnten. Der Versöhnungstag soll mm diesen Seelenkampf beschwichtigt, soll die feindlichen Mächte der Sünde in uns besiegt, soll den Gottesglauben wieder in unser Herz verpflanzt habe», daß wir von ihm durchdrungeil allen Versuchungen widerstehen, von ihm geleitet, alle die Hindernisse wegschaffen können, die unseren Fortschritt zum Besseren unmöglich machen. Die Versöhnung mit Gott und mit uns selbst soll nicht etwa heute geschloffen uud morgen wieder gelöst sein, sie soll vielmehr die Grundlage eines dauernden Seelenfriedens und der Ausgangspunkt eines besseren Lebenswandels werden. Wir spllen nicht die heiligen Bestzeiten in dem Sinne feiern, daß wir, nachdem sie verflossen, wieder die altgewohnten Wege der Sünde betreten, nicht gleich von Vornherein mit dem Entschlüsse ihnen entgegengehen, daß wir ihren Einwirkungen uns entziehen, daß wir il)re Lehre und Anregung zurnckweisen, sondern vielmehr mit dem ernsten Willen, durch sie wieder dem Göttlichen nahe geführt zu werden, sie begehen; es so l die Saat der Erkenntniß und Erleuchtung, die sie in unsere Seelen streuen, a>ch da Boden finden und als Frucht des Friedens und des Segens im Leben; uc Reife gedeihen. So wie aber irgend eine besondere Fähigkeit nicht durch den Unterricht allein erlangt wird, sondern die Uebung und Bethätigung derselben diesem sich notwendig anschließen muß, so soll die Selbsterkenntniß und Gotteserkenntniß, die wir an Neujahr und Versöhnuugstag erlangen, nicht bloß in unserem Geiste sich ausbilden, sondern auch im Leben zu wohlthätiger, segensreicher Entfaltung gelangen. An die Feier von Neujahr und Versöhnungstag schließt daher gleich die Feier des Laubhüttenfcstes sich an, welches ein geschichtliches, ein volkstü nliches, ein Fest der Freude, ein Fest der Befreundung und Bereinigung unter den Menschen ist. Ja wir sollen, obwohl vom sittlichem Ernst durchdrungen, von frommen Sinne erfüllt, doch auch der Lebensfreude fähig sein und auf dieser Erde uns heimisch fühlen, in Frieden und Liebe unter unseren Mitmenschen wanreln, theilnehmen an ihren Bestrebungen, an ihrer Thätigkeit und Wirksamkeit, an all' dem, was das Leben beglückt und verschönert. Auch die Tage der Freude, die wir begehen, sind Gottesfeste, die zu unserer Erhebung und \ 1 '

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