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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-09-01 · Heft 9 (1.9.1890) · p. Seite 199

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 9 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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sichten, unsere Neigungen, unsere Gedanken, utisere Vorstellungen, reinigen wir uns von allem Eigendünkel, schärfen wir unserenJ Blick, daß er nicht in dein Nebelschein der Einbildung sich verliere und wir haben uns in rechter Weise für das Fest vorbereitet, das zur Verjüngung unserer sittliche,! Kraft, und zur Vollendung unseres edleren Menschtums eingesetzt wurde. Wenn nun die Selbsterkenntniß, die Betrachtung unseres Lebens uns mit jener hohen Weisheit begabt, vermöge deren wir j unsere eigenen Fehler herausfinden, unsere Verirrungen und Thorheiten verstehen können, so erlangen wir die Kraft, sie von uns abzuthun, uns von den Fesseln der Sünde freizumachen, erst durch die Erhebung der Seele zu Gott, dadurch, daß wir zu dem ewigen. allervollkommensteu Wesen, dessen Geschöpfe wir sind, emporblicken und seiner Herrlichkeit und Erhabenheit unsere Niedrigkeit und Verfallenheit gegenüberstellen. Aller Fortschritt und Aufschwung, der je in der Menschenwelt sich vollzog, hat davon seinen Anfang genommen, daß zuerst einige hochbegabte Männer die Bahn eröffueten, kühn zu den höheren Stufen der> Entwickelung sich eniporrangen und durch ihr Beispiel angetrieben, allniählig immer mehrere und mehrere die von ihnen eingeschlagenen Wege betraten, bis endlich dasselbe Ziel von allen erreicht ward und das Streben und Wirken jener Männer, das anfangs vielen seltsam oder gar verwerflich schien, allgemein anerkannt, getheilt und fortgesetzt wurde. Je herrlicher und erhabener das Vorbild ist, dem wir folgen, desto mächtiger wird auch die Triebkraft unseres Strebeiis, desto höher auch das Ziel sein, das wir erreichen können. Es kann der Mensch, der die rechte Selbsterkenntniß gewonnen hat, selbst wenn er über die gemeine Alltäglichkeit sich erhoben hat und über seine Zeitgenossen hoch hinausragt, dennoch sich selbst nicht genügen, er fühlt sich selbst nie so vollkommen so ansgebildet, daß er an sich allein schon Gefallen finde und nicht ein Höheres sich noch denken könnte, von dessen lichter Herrlichkeit er noch weit entfernt ist. Ja, es schwebt unserem Geiste das Bild eines großen, unfaßbare», unerreichbaren, ewigen, erhabenen, allervollkonimensten Weltengeistes vor, dessen Eigenschaften zu erkennen und in sich aufzunchmen, dessen Wege,zu betrachten und in ihnen, zu wandeln uns als die höchste Aufgabe als das Ziel und die Seligkeit alles Menschtums gilt. Dieser Weltengeist, dieses erhabene Urwesen, von dem ein jüdischer Dichter so schön sagt: „Ich muß deine Herrlichkeit besingen, obwohl ich dich nie gesehen; ich rufe deinen Namen an, ich spreche in.Gleichnissen von dir, doch vermag ich dich nicht zu erkennen", ist Gott. Der Gottesgedanke erhellt, erleuchtet, ernmtigt uns, flößt uns eineu Trieb höheren Strebens, eine Kraft der Selbstbeherrschung, einen sittlichen Mut, eine heilige Freudigkeit, eine Erhabenheit der Weltanschauung ein, daß wir wahrlich durch ihn erst unserer höheren Bestimmung, unserer unendlichen Vervollkommnungsfähigkeit uns bewußt werden, und von ihn, durchdrungen, uns wie vom emen höheren Geist beseelt fühlen und so fähig werden zur Ausführung großer Traten, zur Erreichung erhabener Ziele. Der Versöhnungstag, den wir bald nach dem Neujahrsfeste feiern, will den Gottesgedanken uns näher bringen, will jenes ewige Urbild aller geistigen Größe und Vollkommenheit an uns von pteuem vorüberführcn, daß wir an seiner Betrachtung uns erheben, und aus ihm das Licht der Erkenntmß schöpfen den Trieb zu höherem Streben. „Doch an, zehnten dieses Tischri-Monates sollt ihr den Bersöhnungstag feiern" lautet die Vorschrift für das Fest. Es wird durch das hebräische Wörtchen „Ach" welches sonst in allen den Gesetzen

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