Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ehrung für den hochgesinnten Mann bekennt, mag sein Ruf hinaustönen in alle Fluren des weiten herrliche» deutschen Vaterlandes: „Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!" Dl« drei HIfchri-Atft«. „Bahnet Bahnet ebnet den Pfad, räumet jeglichen Anstoß hinweg von dem Wege meines Volkes." Nie klingt dieser prophetische Zuruf deutlicher und bedeutungsvoller an unser Ohr, nie ergreift diese göttliche Mahnung tiefer und gewaltiger unser Herz, nie wird dieses Wort des Herrn uns vernenilicher und verständlicher, als in den Ellultagen, die das Herannahen der heiligen Festzeiten uns ankündigen, als in den letzten Wochen des scheidenden Jahres, da wir vor den Grenzen eines neuen Zeitabschnittes, eines neuen Lebensgebietes stehen. Wiederum haben wir eine Strecke auf der Bahn unseres Erdendaseius durchwandert, wiederum schließt sich ein Ring an der Kette unseres Lebens, ein Jahr sinkt in's Grab der Vergangenheit herab, aber wir, wir sollen über diesem Grabe uns erheben, wir sollen mit der Zeit nicht veralten, sondern vielmehr in ihr uns verjüngen. Das Leben soll uns nicht ein Rückgang zu ewigem Dunkel, sondern vielmehr ein imnier höher steigender Fortschritt zum Lichte und zur Vollendung, sein, ja, geistige, sittliche, allseitige Vollendung, darauf soll unser Sinnen und Streben gerichtet sein, tveil sie allein das Leben beglückt und veredelt, allein Frieden und Heil zu stiften vermag, weil nur aus mangelhafter Entwickelung und Veredelung unseres Menschtunis alle Zwietracht und alles Verderben stamnien. Ja, wir sollen nicht in dem allgemeinen Beispiel, in dem wechselnden Zeitgeiste, sondern vielmehr in der ewigen Wahrheit der Religion, in den erhabenen Geboten der Vernunft, und des Gewissens den Wegweiser erkennen, der uns immer aufwärts, der uns zu den hohen Zielen unserer menschlichen Bestimmung, zu wahrein Lebeiisglück, zu ewiger Seligkeit führt. Und damit lvir dies erkennen und beherzigen, damit wir mit jedem neuen Wendepunkte unseres Erdendaseins auch von neuem daran erinnert, von neuem dazu ausgefordert werden, darum verkündet die Rtligion am Beginne desselben, ihre Mahnung, führt sie uns durch eine Reihe heiliger Festzeiten in das neue Jahr ein, von denen jede ihre gesonderte Bedeutung hat und ihren besonderen Einfluß auf uns üben ivill. Bald stehen wir an den Pforten eines neuen Jahres, der heilige Festmonat, die erhabene Einleitung zu dem Zeitabschnitte, dessen Blätter sich von uns entrollen sollen, rückt immer näher an uns heran. Wohlan denn! laßt uns hören auf die Weckstimme des Propheten: „Bahnet, bahnet, ebnet den Pfad, räumet jeglichen Anstoß hinweg von dem Wege meines Volkes", ja bahnen wir uns die Wege des Herzens, die Wege der Erkenntnis, bereiten wir für die heiligen Tage, mit denen wir das neue Jahr einwqihen, mit denen wir weihen wollen unseren Sinn und erheben unser Herz, uns' dadurch vor, daß wir sie erkennen in der Bedeutung die sie für uns haben, üach ihrem Geiste, nach den Gedanken, die in ihnen sich entfalten und nach den Mahnungen die sie an uns richten. Neujahr, Versöhnungstag und Laubhüttenfest, .wahrlich drei hohe Gäste, die gleichsam als die Könige der Zeit unser Leben beherrschen sollen, sind es, die in dem einen Tischrimonde zusammentreffen, daß aber Friede unseres Herzens, Erhebung unserer Seele, Beglückung unseres Lebens das bleibende Segenswerk werde! das sie vollführen, dafür wollen wir dadurch wirken, daß wir für ihren Empfang 1 i