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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-09-01 · Heft 9 (1.9.1890) · p. Seite 196

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 9 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 \ Ihm, bet t schlichten Buchhalter in einem Handelshause, war die Wissenschaft kein Fach und Gewerbe. Ein unzünftiger Autodidakt hat er mit freier Liebe um sie get >orben. Nicht zu äußerem Schmuck und Zierrath diente sie ihm; als Gefäß und Trägerin der höchsten Ideale sollte sie seines Herzens Sehnsucht stillen. Den festen Grund seines Glaubens und Höffens sollte sie ihm bieten, seines sittlichen Lebens Anker fein. Die heiligen Wahrheiten sollte sie in die Seelen graben, c uf die sich des Menschen zeitliche und ewige Glückseligkeit erbaut. Gott, Freiheit, Tugend, Unsterblichkeit, das waren die Ideen, die seiner Forschung vorleuchteten. Er gehört dem Zeitalter der Aufklärung an, und die Schranken des Zeitalters sind auch die Schranken seines Gesichtskreises. Er wußte es wohl, daß Niemand auf seine eigenen Schultern steigen kann. Die Episode, die er noch heraufsteigen sah, bezeichnet durch die großen Namen Lessing, Goethe, und Kant, hat sich schnell zu höheren Zielen emporgeschwungen, als er zu ahnen vermochte. Aber das darf g:gen sein wahres Verdienst nicht blind machen. Es giebt in dem, was er geleistet, auch einen bleibenden Kern, und wenn er das Recht und die Macht der Verm nfterkenntnis bejaht und stützt auch da, wo der gewaltige Meister der Vernunftkritil sie verneint, verneint nicht ohne Gefährdung heiliger Interessen des Glaubenslebl ns, so darf man ihn auch heute noch als gewichtigen Zeugen und Bundesgenos >en im ernsten Streite der Geister herbeirufen und mit ihm bedenklich fragend „Kann das Herz glaube», wo der Geist zweifelt?" Dem geistesmächtigen Kant, dem alles zermalmenden, hat doch auch er für seinen kühnen Aufbau werthvolle Vorarbeiten geliefert. Am meisten in dem Zweige Philosoph scher Forschung, den man als den eigensten und werthvollsten Erwerb des deut^ chen Geistes bezeichnen darf, in der Wissenschaft vom Schönen und von der Kunst. Hier sind die Spuren des Zusammenwirkens mit seinem großen Freunde Lessing am tiefsten eingedrückt, und gerade von hier aus ist die Erneuerung der d< utschen Kulturbewegung vollzogen worden. Denn deutsche Kultur ist ihrem Begriff und Wesen nach vor allem ästhetische Kultur. Darin liegt das Neue, was sie d:r Menschheit eingepflanzt, darin die Macht, die sie unter den Völkern gewonnen hat. Indem dieser edle Geist mitten aus einer Stammes- und Glaubensgemeinschaft heraus, „a ff deren Geistesschwingen (nach seinem Ausdruck) die bürgerliche Unterdrückung wi> eine todte Last lag, die sie unfähig machte, den hohen Flug des Freigebornen jem rls zu versuchen", sich zu reger und fruchtbarer Mitarbeit an dem Kulturleben >er Nation durchrang, hat er in diese Gemeinschaft einen Antrieb gepflanzt, i jm nachzuahme», und er hat Viele mit sich fortgerissen. Er hat so eine Bewegung angebahnt, die trennende Schranken niederwarf, gegenseitigen Groll versöhnte und abseits Stehende in die große Strömung des nationalen Lebens und Frauen entsi erlesensten Lieblin;c der Nation, der gottbegnadete Sänger des „Paulus" und des „Elias" träg Er hat fü stritten, er selbst hineinzog. Aus seinem eigenen Geschlecht« sind ihm edle Männer rossen, die deutschen Geist ehrenvoll vertreten, und einer der seinen Namen. ' Denkfreiheit und Glaubensfreiheit mit Eifer und Erfolg geein Muster weiser Mäßigung und Billigkeit des Urtheils bei fester Uberzeuguiigstreue. So soll das Andenken Moses Mendelssohn's im Segen unter del« Deutsche»fortleben. Von dieser Stätte ans, die seine Heimath war und die durcj das hier ihm gewidmete Denkmal sich zu pietätsvoller Ver-

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