Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 191 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969933-2969942--2994-2976678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

„Hat das Judentum, wie alle anderen alten Religionen bloß das Volk, das es bekannte, berücksichtigt oder hat es im Gegensätze zum ganzen Altertume die ganze Menschheit umfaßt?" — Die Universität in Amsterdam hat einen Preis angesetzt für die Beantwortung der Frage „Erklärung der Urin, und Thumim bei den Hebräern" und die Universität zu Leyhen einen solche» über „den Wert der Prophezeiungen des Propheten Jeremia in Israel". — In Lithauen kam es in einzelnen Städten zu argen antisemitischen Excesse». — Man berichtet, daß der Gouverneur von Kurland folgende» Befehl veröffentlicht haben foll: „Da die Juden nicht Christen sind, leben sie in der Finsternis, kennen sie nicht das Licht der christlichen Religion. Es ist daher recht, daß die Juden alle Kosten der Erleuchtung und die Kosten für Gas in den Städten Mitau. Libau, Windau u. s. w. tragen, damit sie ihrerseits die Christen erleuchten. Es werde» daher fortan alle Beleuchtungskosten in den obenerwähnten Städten von den in denselben wohnenden Israeliten getragen werden." Wir wünschen dem Herr Gouverneur mehr Geisteslicht, das ihm selbst durch das Christentum nicht geworden. — Die Vorlagen über die Einschränkung der Juden in Rußland sind auf ausdrücklichen Wunsch des Zaren zurückgezogen worden, da die Bestimmungen zu barbarisch erschienen. Referate und Witteitungen. Im Verlage von Th- Hriebner in Leipzig ist erschienen: „Die Rhetorik und jüdische Homiletik in Briefen und Abhandlungen" von Dr. Ludwig Philipps»«. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von vr. M. Kayserling (Preis Mk. 1.50). Der Verstorbene, Herr vr. Philippson, hervorragend als Prediger, welcher schon vor mehr als einem halben Jahrhundert ein eigenes Organ für die jüdische Homiletik schuf, hat in dieser (iußerst interessanten und lehrreichen Abhandlung sowohl auf Grund von Studien als auch aus seinen eigenen langjährigen reichen Erfahrungen Vieles niedergeschrieben, das allen denen, die den Beruf habe», öffentlich zu sprechen, unbedingt von Nutzen sein wird. Die Anfänge der deutschen Predigt bei den Juden führen auf die Zeit Moses Mendelssohns zurück und es sind einige Reden aufbewahrt die derselbe für patriotische Gelegenheiten geschrieben, und die dann von den Rabbinern Fraenkel und Aron Moses in Berlin gehalten worden sind. Die Idee Philippsons in Deutschland eine homiletische Schule zu gründen (S. 97), verdient noch heute volle Beachtung. Als Anhang ist dieser äußerst lehrreichen Schrift eine Predigt „Die fortschreitende Entwicklung" beigegeben. — Im Verlage von Alfred Kölder in Wien ist erschienen „Josefina" von G. Wolf (Preis Mk. 2.90). Der verdiente Historiker hat aus Anlaß des Hundersten Todestages Kaiser Josef's II. dieses Buch erscheinen lassen, in dem einzelne Momente aus dem Leben dieses Monarchen hervorgehoben werden. Wir haben hier besondere Veranlassung, auf sein Verhältnis zu den Juden hinzuweisen, da unter seiner glorreichen Regierung viele Beschränkungen und Beschimpfungen, wie das „Judenzeichen, der gelbe Fleck, und die Leibmaut" aufhörten. Den Anstoß zur Aufhebung des Leibamtes gab ein Gesuch des Benjamin Gäbet aus Straßburg, welcher um die Abstellung der von ihm geforderten Leibmaut zu Dreifach bat. Hiezu bemerkte der Kaiser eigenhändig „Graf Kollowrath, diese Taxe ist abzustellen". Unter Kaiser Josef wurden die Juden militärpflichtig, er verlieh dem Israel König den österreichischen Adel mit dem Titel v. Hönigsberg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.