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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 190

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 190 (sequence 22)
Language
German
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190 und Prediger zu gewinnen. — In der Sitzung der Ausgleichnis-Kommission des Böhmischen Landtages hat Herr Di-. Kutscher« in Betreff der Regierungs-Vorlage über den Landesschulrat, »ach welchem zwei katholische und ein evangelischer Geistlicher und lein Bekenner des mosaischen Glaubens" Sitz und Stimme haben sollen, beantragt dafür „ein Rabbiner" zu setzen. Herr Statthalter Graf Thun sprach sich gegen diesen Antrag aus weil der Rabbiner kein Geistlicher sei, er hört auf Rabbiner zu sei», wenn er abgesetzt wird oder abdankt, auch gäbe es bei den Juden keine kirchlichen Oberbehörden, die ein Gutachten abgeben könnten. Der Antrag Kutschera's wurde auch abgelehnt.— Der Bischof von Großwardein, Herr Di-, forem Schlauch hielt am l9. Mai seinen Einzug in Ssilägy-Somlyö. Auf die Begrüßungsworte des Herrn Oberrabbiners erwiederte er, „daß sein Leitstern bei alle» gesellschaftlichen Fragen inimer nur das Prinzip der reinsten Menschenliebe sei, und zwar jener Menschenliebe, die sich auf sämtliche Klassen, Rassen und Religionsbekenntnisse erstrecke." „Ich kann Ihnen versichern." sagte Bischof Schlauch, „daß unsererseits nie und nimmer etwas geschehen wird, was niit diesem Prinzipe auch nur im Entferntesten im Widerspruche steht." — Am 4. Juni traf Bischof Lönhart von Siebenbürgen in Marion ein. Auf die Ansprache des Rabbiners Herrn Albert Wesel erwiederte er: „Er habe seinen jüdischen Mitbürgers feine Liebe, sein Wohlwollen und seine Achtung nie versagt und er werde ini Linus seiner Vorgänger für den Schutz der wohlverdienten Menschenrechte der Jndenschaft stets auftreten. — Herr Baron Leopold von Köpper hat in neuerer Zeit/einen Teil der Dokowinaer Holzindustrie in eigenen Betrieb genommen. Am 26. Mai sollte eine neuerrichtete Dampfsäge feierlich eingeweiht werden, zu weslcher Festlichkeit die Honoratioren eingeladen waren. Auf dem Festprogramm war als erste Nummer verzeichnet: „Messe durch den hochwürdigen Herrn Pfarrer".! Der Herr Pfarrer kam auch zu dem von einem Juden veranstalteten Feste, spikte aber seine Rede mit antisemitischen Wendungen und Angriffen gegen den Festgxber im Einzelnen, wie auf die Juden im Allgemeinen so reichlich, daß die anwesenden besserdenkenden Israeliten unwillig ohne das Ende der Rede abzuwarten den Festranm verließen. — Aus Insbruck meldet man: In der Hofkirche hat kürzlich der Franziskaner Dominikus Suitner nach der Predigt beiläufig Folgendes von der Kanzel herab verkündet: „Andächtige Christen! In dieser Woche finden in Jiisbruck die Gemeinderatswahlen statt. Ich erinnere aus diesem Anlasse an ein Wort des Bischofs Rudigier: Wählet echt katholische Männer. Es sitzt auch ein Hebräer, ein Jude, im Gemeinderate, der gehört nicht dorthin, sondern in seine Schacherbudc. Gehet also hin und wählet wie ich gesagt." Die Jnsbrncker thaten dies aber nicht, sondern wählten nur Liberale und ließen die klerikalen Kauditaten sämtlich durchfallen. — In Paris starb Frau Isidor, die Wittwe von dem seel. Großrabbiner von Frankreich. — Im Eollvge de Frame zu Paris hielt Herr Elermont-Ganneau einen Eröffnungsvortrag als Professor für semitische Epigraphik daselbst. — Herr Pinch. Dav. Kölker hat dem Präsidenten Carnot in Paris ein Memorandum übergeben, worin er bittet, einen internationalen Kongreß zi Stande zu bringen, um die Judenfrage zu lösen. — In London starb am 10. Mai Frau |. Gurdala, die älteste Schwester des seel. Sir Wosrs Montrfiore. — fotb Rothschild in London ist zum Leiter der Königlichen Agrikultur-Gesellschast von England gewählt worden. — Ein neuer Pianist, Herr Eduard Zeldenrrft von Amsterdam, debütierte in einem Eonzert des „Königlichen Dilettanten-Orckester-Vereins" in London nud rief sein glänzendes Spiel einen hochgradigen Applaus hervor. — In Livorno wurde folgende Preisfrage gestellt

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