Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 <4 Kin Kawzahrhundert in der israekiti schon Wetigionsgemeinde zu Dresden. Erlebtes und Erlesenes vo» Lmil Lehmann. (Schluß). Nachdruck verboten. Zu den Freunden Beers und den Besuchern seines gastlichen Hauses gehörten Auerbach und Gutzkow, die beiden schriftstellerisch hervorragendsten Einwohner Dresdens in den fünfziger Jahren Berthold Auerbach schrieb über Beer (12. November 1861): „Die Tugend, Freund zu sein, sich erfreueud am Leben der Andern, wohnte keinem mächtiger inne, als unfern Freunde Beer. — Es steht nicht leicht wieder einer auf Erden, dem das Jnnewerden jedes Guten, was den Sieg der Humanität bekundet, so zum persönlichen Feste wurde, wie ihm und der jedes Unschöne, Lieblose, Inhumane so als persönliche Kränkung empfand. Er hat das wahre Leben in Gott gelebt und seine Teilnahme war ein Segen für Jeden, der ihrer unmittelbar teilhaftig werden konnte. — Zwei meiner besten Freunde treffe ich nun in Dresden nicht mehr: meine Freunde Rietschel und Beer, der eine ganz Christ, der andere ganz Jude, aber beide eingeborne Söhne des einen unteilbaren ewigen Gottes, jeder in seiner Weise ständig in der reinen Idee lebend, kindlichen Herzens und männlichen Geistes, Freunde in der beglückendsten Bedeutung des Wortes." Gutzkow schrieb in seinen „Unterhaltungen am häuslichen Heerd" Nm. 39 v. 1861 über Beer : „An dem Verstorbenen waren die besten Seiten des Judentums vertreten. — Bei keinem gemeinsamen Zweck, auch auf deutsch-nationalem Gebiete, fehlte seine Gabe und sie wurde von ihm wie mit einem Segen erteilt. — Im allgemeinen betrachtete er die jüdische Litteratur wie die Privatangelegenheit einer großen Familie. Es mußte ehrbar und pietätvoll in ihr zugehen Was die Signatur des Frivolen trug, war ihm wie der Lebensgang des verlorenen Sohnes." ‘) Die Gemeinde veranstaltete am 17. Juli 1861 eine Gedächtnisfeier zu Ehren Di-. Beer's und Wilhelm Schie's in der Synagoge. In Vr hierbei gehaltenen Predigt betonte Dr. Landau: „Will ich es versuchen,, in kurzen Zügen das innere, Leben Beer's, dieses vortrefflichen Mannes darzulegen, den nicht nur wir, den Israels Gemeinden alle zu beklagen haben, wie könnte ich es besser, als mit den herrlichen Worten, die der Verklärte selbst mir in die Hand gegeben, die er als Norm und Motto seines Lebens selbst unter sein Bild zeichnete: Liebe und Recht wahre und auf deinen Gott hoffe stets. (Hosea, 12. 7.) — Ist einer unter uns, der die Selbstverleugnung nicht kennte, mit welcher der Verewigte ein Menschenalter hindurch als Vorsteher seine Einsicht, seine Kraft *) G. Wolf im Borwort zu Dr. B. Beer, Leben Moses nach Auffassung der jüdischen Sage, Leipzig, Oskar Leiuer, 1863. S. 5. ff. *) Oberrabbiner Dr. Landau, Rede zur Gedächtnisfeier des Herrn Dr. pdil. B. Beer u. s. w. Zum Besten einer zu gründenden Beerstistung. Dresden, Kuntze, 1861.