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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 178

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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178 aber auch das nicht geringere Verdienst anschloß, das Banner aufgepflanzt zu haben, um daf sich Juda's Söhne schaaren und sammelil^ sollten. Schmach ^rief er über Jene “ ‘ den Soldaten, aus, die treulos dem Banner Juda's den Rücken wandten^ Wie der seine Fahne verläßt, Verachtung trifft, also sollte das Stigma der Fahnenflu ht auch den treffen, der Juda's Fahne auf- und preisgiebt. Wie gießt er auch die Lauge seines Spottes über Jene aus> die, voll Geringschätzung gegen das Jldentum, der harmlvsesteil Zeremonie desselben nicht Verachtung genug bezeige, können, aber nicht den geringsten Anstand nehmen, an den Tisch des Herrn zu gehen und von seinein Leib mtb Blut zu genießen! „Warum auch nicht", sagt Rießer, „nimmt man doch das Abendmal in der feinsten Gesellschaft, kann man doc) dabei Hofrat und Minister und Professor werden: wer wird da der bloßen Li ge, des bloßen geistigen Verrats, der bloßen Lästerung der Wahrheit wegen so viele Umstände machen!" Worin aber .der Mittel- und Ausgangspunkt seiner Bestrebungen ruht, das ist die B:gründung der Rechtsgleichheit für die deutschen Juden, die wir ihm zu danken Halen, für die er gerungen, gekämpft, gestritten, ja für die er eingetreten ist mit Wort und Schrift, mit seiner ganzen edlen Persönlichkeit. Bon bleuem ist der Kampf entbrannt um das hohe, heilige Gut, das Rießer's tapferer, mannhafter Sin» »ns erstritten, und die Frage drängt sich uns ans, wie auf ihn diese Bewegung gewirkt hätte, dw einem andern Edlen in unserer Mitte selbst das Herz gebrochen haben soll?) Hätte sie auch ihm den Mut genomm.n, ihn mit Bangen und Zagen erfüllt? Wir glauben, nein; niemals hätte diese Bewegung vermocht, ihn, das Vertrauen aus das deutsche Volk zu rauben, dc s weit erhaben stehe über allen Aeußerungen des Judenhasses und dessen Seele, die Volksseele, hiervon unberührt bleibe. Was mich zu . dieser Annahme bestimmt, das ist Rießers Stellung zu den im Jahr : 1880 stattgefundenen Judenheben. „Es ist", sagte Rießer, „die lächerlichste A bsurdität, aus jenen Vorfällen auch nur den entferntesten Schluß auf eine öffentliche Meinung, die zu fürchten wäre, ziehen zu wollen. Die Antipathie blüht stur wo Gemeinheit und Eigennutz, Philisterei und schmutzige Gesinnungen wällen, hie Gebildeteren, die Besseren, Edleren, im echten Sinne Frömmeren lind frei davon." Mit tvelcher Schärfe trifft Rießer mit seinem divinatorischeu Urteile auch unsere Zeit und die Vorkommnisse in derselben! „Der Glaube an die Macht und an-den endlichen Sieg des Rechten und des Guten", sag: Rießer, „ist unser Messiasglaube laßt uns fest an ihm halten". Aus oiesem Glauben schöpfte Rießer seine Hilfsmittel, die gestählte Kraft und den unbeugsamen Mut für seine hohe, edle Wirksamkeit, wegen deren wir ihn Hochhalten unb verehren, wegen deren mir ihn den edelsten Geistern zugesellen, die das Judentum erzeugt, zu den glänzendsten Sternen zählen, die jemals mit ihrem milder Lichte uns geleuchtet haben. Das Andenken Rießers, in dem die höchsten Bestrebungen der Menschheit verkörpert sind, wird ein gesegnetes sein, so lange eines Menschen Brust warm schlägt für Recht und Freiheit, für M en s ch c n > e ch t und Glaubensfreiheit. ) Berthold Auerbach, gest. 8. Febr. 1882.

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