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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-07-01 · Heft 7 (1.7.1890) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 7 (1.7.1890)
Date
1890-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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erreicht hat, wo seiner Herrlichkeil — 160 — Gott wohnt und die Seligen mit ihm, die sich an dem Glanze __i erfreuen. Das Streben nach höherer Sittlichkeit war daher auch im biblischm Altertum die Grundlage des Unsterblichkeitsglaubens, und die vollendete Sittlichkeit und Seelenreinheit bildete das Wesen der erhofften und zu erstrebenden Seligkeit. Unser diesseitiges Leben bietet sinnliche und geistige Genüsse, der Mensch ist hier auf beide lhingewiesen. .Die sinnlichen verlieren ihren Reiz, ja erfüllen mit Ekel beim Bi ll- und Uebergenuß, die geistigen steigern den Reiz noch immer mehr;» sicheren Genüssen. Wo werden diese befriedigt ohne Jenseits? Wo läge i er Reiz nach immer höheren Streben beim Bewußtsein: hier gibt es keine Vollendung, und eine andere Welt gibt es nicht, um sie zu erlangen^, wo — tu im Bewußtsein sogar von der Unsicherheit unseres Daseins von heute auf morgen? Wozu sich heute mühen, wenn morgen vielleicht schon alle Anstrengung sergeblich wird? Wenn mit dem Diesseits das ganze Leben schließt, und ein c nderes nicht folgt, liegt darin nicht eine Berechtigung zur egoistischen Ausbettung des Erdenlebens, zum Jagen nach materiellen Besitze, zum Ausleeren des Bechers sinnlicher Freuden bis auf den untersten Grund? Alles dies zerstöre aber die Wohlfahrt des einzelnen Menschen wie der Gesamtheit, läßt eine so! he weder aufkommen noch bestehen; liegt darin nicht wiederum eine Begründung des Uiisterblichkeitsglaiibens? Die Leugnung des Unsterblichkeitsglaubens fühlt geraden Weges zum Atheismus und Materialismus, und wo diese der Sittlich? nt Und Idealität nicht bar sind, zehren sie von der ererbten und herrschenden Sittlichkeit und Idealität der Zeit und Menschheit. Auch die Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe Gottes bebingen für den Menschen eine an »ere Welt. Es wäre nicht nur ungerecht und entspräche nicht der Weisheit und Liebe Gottes, den Menschen, dem die sittliche Vollendung aufgegeben ist, auf halbem Wege stehen zu lassen und zur Vollendung seines Strebens ihm nicht Aussicht und Gelegenheit zu bieten; sondern der strebende Mensch findet oft hier auf Erden uicht einmal Anerkennung, vielmehr Verkennung, geschweige Belohnung. Wie oft geschieht es, daß die besten Absichten verkannt werden, und ungerechtfertigt der beste Meüsch von hier scheiden muß! Gar viele Menschen verdienen nicht die Anerkennung und Freude, welche sie genießen, gar viele verdienen siel und erlangen sie nicht.! Wo ist da Gottes Gerechtigkeit und Waltung? Wir Ifragen da nach Gottes yettender Hand und erlösendem Wort; Rettung und Erlösung bleiben aus. Gott muß und wird sie bieten; wenn nicht hier, dann dort; — seine Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe fordern es so. Die Stürme der! natürlichen Welt, sie sind notwendig; aber finden ihre Ausgleichung, und dw Stürme der moralischen Welt, so notwendig sie auch sein niögcn, sollten sic nicht finden? Für Niemand bleiben solche Stürme aus, und beim Rückblick am die hinter uns liegende Vergangenheit, beim Abschluß unseres Lebens sollten »fr, sollte jeder, rufen inüssen: Alles umsonst, alles vergebens? Nimmermehr! Rufe wie: „Das Leben ist der Güter höchstes nicht!" oder: „Tod, wo ist «in Stachel?", „Tod, du hast deine Bitterkeit verloren", sie finden ihre Berechtigung und Trosteskraft nur im Hinblick auf ein jenseitiges Fortleben, in dar Ueberzeugung davon, in der Gewißheit darüber, in den» Glauben daran. I . Das heidnische Altertum hatte von der Seele eine Zwittervorstellung; sie war den Alten weder Geist noch Körper, sondern beides zugleich, sie nannten sie pneuma, spiritus, anima, hebr. nefesch, ruach, neschama d. i. Geist, Hauch,

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