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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-07-01 · Heft 7 (1.7.1890) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 7 (1.7.1890)
Date
1890-07-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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unabhängig von der Natur. Dies! ist sein geistiges Wesen; anders bei dem Tiere, welches nur Leib, nur Natur ist und seinem Naturgesetze folgen muß. Hierdurch ist die Unsterblichkeit der Seele uahegelegt. Der Stoff, das Physische, geht nicht unter, er wechselt nur seine Formen, aber unter und verloren geht nichts von ihn«. Wie sollte, könnte die Seele, das Geistige, unternnd verloren gehen? Zum Untergang ist nichts bestimmt, was von Gott kommt; Alles dies ist ewig, wie Gott selbst. Nicht etwa der Art ist der Geist des Menschen unsterblich, nicht dahin nur ist die Unsterblichkeit der Seele zu deuten, daß die geistigen Errungnisse des Einzelnen in dem Geiste der Zukunft uud Gesanimtheit fortleben, erhalten werden und nicht untergehen; sondern die Seele jedes Einzelnen wird fortleben — als individuelle Persönlichkeit. Denn die Seele des Einzelnen kommt nicht in ihrer geistigen und sittlichen Vollendung auf die Welt; sie trägt nur die Keime und Fähigkeit zur höheren und höchsten Vollendung in sich und muß höhere Vollkommenheit erst erstreben. Es handelt sich demnach nicht nur um allgemeine Errungenschaften, sondern auch um individuelle' und persönliche Fähigkeiten. Auch diese müssen beim Fortleben erhalten bleiben, um auf dieser Unterlage weiter zu bauen. Wer in diesem Leben auf der untersten Stufe geistiger Bildung und sittlicher Vollendung stehen geblieben ist, kann in der zukünftigen Welt eine vollkommene und vollendete Seligkeit nicht erwarten. Aber zum Untergang, zur ewigen Verdammnis ist keine Menschenseele bestimmt; die unvollkommen geblieben ist, hat der weitern Vollendung nachzustreben. Hätte der Meiisch dem Tiere gleich mit dem diesseitigen Leben sein ganzes Dasein vollendet, er wäre von Gott schlimmer gestellt, als dieses. Den, Tiere hat Gott Schutz und Wehr in seinen Natürlichen Waffen gegeben, der Mensch ist schwach, schütz- und wehrlos, selbst gegen die Tiere, und hat seine Stärke und Verteidigung nur in seinem Geiste; hiermit zähmt und bezwingt er das wildeste und stärkste Tier. Gegen die Unzahl der verderblichen mikroskopischen Tierchen ist sogar das stärkste Tier machtlos; der Mensch bezwingt ihre Macht durch seinen Geist. Schon die Weisen Aegyptens erkannten bei den Wunderzeichen Moses in dem Ungeziefer den göttlichen Finger, d. h. die Notwendigkeit einer höheren, geistigen Macht zu ihrer Bezwingung. Durch das Bewußtsein von seiner Sterblichkeit und hem etwa zu erwartenden vollständigen Untergang wäre der denkende Mensch elender, als das Tier, dem die Ahnung von seinem Tode und das Bewußtsein seines Unterganges fehlt; doppelt elend wäre der Mensch, da ihm sogar das Verlangen und Streben nach Unsterblichkeit innewohnt und von der Gottheit eingepflanzt ist. Es wäre ungerecht und lieblos, dem Menschen ein solches Bewußtsein und Verlangen gegeben zu haben, wenn es auf Täuschung beruhen würde. Es wäre auch sinn- und zwecklos, ein Streben nach Sittlichkeit und vollendeter Moralität in diesem Leben veranlaßt zu haben, wenn die Vollendung hier nicht erfolgen kann und ein ferneres Leben nicht folgen würde. „Der Mensch ist in Sünden geboren." „Es giebt keinen Menschen auf Erden, der nicht Sünde thäte." Dem Menscheir ist sogar ein Wandeln in Gottes Wegen, ein Streben nach Gott und seiner Heiligkeit aufgegeben, — und hier auf Erden erreicht der Mensch kaum die unterste Stufe dieser göttlichen Heiligkeit. An seinen Engeln findet Gott nach dem Bibelwort noch zu tadeln; Engel stehen demnach noch auf einer Zwischenstufe, und der Mensch, selbst der den Himmel erklommen hat, muß noch weiter streben und klimmen, bis er den siebenten, angeblich den höchsten,

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