Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Athem, weil die Luft nach den altkn Phisikern nichts Concretes, Greifbares, sondern etwas Immaterielles, - Unwägbares (impoLäerabile) war. Demnach war ihnen die Seele eine Luft- und Nebelgestalt, ein Schenien und Schatten, der vorhanden, aber dem gewöhnlichen Auge nicht sichtbar und für die gewöhnlichen Hände nicht greifbar ist; ähnlich wie man sich die Gespenster vorstellt, dünne und luftige, durchsichtige und zerfließende Gestalten. Die Seele hat darum auch wie der Schatten Gestalt und Formen des Körpers, ohne wie dieser Materie zu haben. Sie gehört indeß ju dem bestimmten Körper, in welchem sie auf Erden gelebt hat. Die Götter sind von der Materie des Körpers unabhängig, sie nehmen zeitweise eine körperliche Hülle an, existieren jedoch auch ohne diese, wie sie vor dem ohne solche existirt haben. Die Seele des Menschen hat erst mit dessen Körper Existenz gewonnen und existirt im Tode als dessen Schatten und Nebelgestalt fort. Inder, Perser und Aegypter hatten einen ausgebildeten Totenknltus und eine entsprechende Seelenlehre. Von den Aegyptern lernte» auch die Griechen eine solche kennen, jedoch wurde diese später von dem Judentum beeinflußt und modifizirt. Die Aegypter ließen die Seelen beim Tode mit dem Untergang der Sonne in das Reich der Götter wandern, wo sie einem Gerichte unterworfen wurden. Die Gerechten erhielten ihren Aufenthalt im Osten, wo die Sonne anfgeht, im Reich des Lichts (Himmel),die späteren Juden sagten: „Im lichten (hellen) Ganeden (Paradies)" — die Schuldigen blieben im Westen; im Reiche der unterirdischen Finsternis, wo die Sonne nntergeht und scheinbar unter die Erde sinkt. Die Griechen versetzten ebenfalls das Toten-. und Schattenreich in die Unterwelt, wohl auch in Rücksicht auf das Grab, in welches man die Toten senkte. Daher stammt auch vielleicht der deutsche Ausdruck „Hölle", eigentlich „Höhle", von dem gehöhlten Grab so benannt. Aehnlich erklärt sich auch der Ausdruck Schtzol (Höhle, Grab) im Judentum; nach andrer Schreibweise und Deutung hat dieses Wort seine Bezeichnung von dem Alles „fordernden", unerbittlichen Grab und Tod. Das Wort entspricht also nicht, wie man fälschlich deutet, dem griechischen „Hades". Von den Familiengrüften und Sammelgräbern, welche alle Angehörigen aufnehmen stammt der Ausdruck: „zu den Vätern versammelt" d. i. begraben werden Man hat auch hierbei irrig an einen, dem Hades ähnlichen, unterirdischen Versammlungsort gedacht. Den Aufenthalt der Gerechten dachten sich die Alten voll himmlischer Freuden, denjenigen der Verurteilten als einen Ort der Qual und Leiden. Derartige sinnliche Darstellungen gingen auch zum Teil in das spätere Judentum, wie auf das Christentum und den Islam über. Es kam dies durch den Einfluß der Heiden, unter denen die Juden später lebten; man schmeichelte aber auch damit den eigenen sinnlichen Vorstellungen und Erwartungen. Dadurch wurde es leicht, daß der Glaube an leibliche Auferstehung bei den Juden Aufnahme fand. Von den Juden ging er ins Christentum über; den ersten heidnischen Christen war er ohnedies bekannt und genehm. (Forts, folgt). Monats schau. Herr Geh. Sanitätsrath Dr. Samuel Krifteller, der Vorsitzende des D. Jsrael.-Gemeindebundes in Derlin, wurde anläßlich seines siebzigsten Geburtstages der am 26. Mai unter Teilnahme weiter Kreise gefeiert wurde, vom MendelSsohn-Berein in Frankfurt a. M. zum Ehrenmitglied« ernannt. — Nach 14