Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969933-2969941--2957-2976640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
glieder." Nur an Jonas Bondi's Stelle.war 1858 Joseph Meyer zum Vorsteher gewählt und die Deputirten Popper und Markus Lehmann waren, als die mit den nächstmeisten Stimmen bei der letzten Wahl bedachten, an Stelle ausgetretener Vorgänger einberufen worden. Und wenige Wochen darauf schieden die beiden ältesten Vorsteher, Banquier Wilhelm Schief am 14 April 1861 (Vorsteher seit 1842) und Dr. Beer selbst am 1. Juli 1861 (Vorsteher seit 1837 mit Unterbrechung von 1848— 1852) aus dem Leben. „Wohl ist dereinst ein schweres Jahr Auf die Gemeind' hereingebrochen, . Zwei Führer, edel, treu und klar Verlor sie rasch in wenig Wochen. Sie blickte trauernd und verwaist' Nach den verlassnen Ehrenplätzen, „Wer soll des Einen Blick und Geist, „Des Andern Herz und Hand ersetzen?" Di-. Beer hatte gerade zwei Jahre vor seinem Tode das Hochfest seines glücklichen Familienlebens gefeiert. Die Gemeinde hatte ihm ein Album überreicht, mit der Widmung: „Dem hochverehrten Herrn Dr. Beer, Vorsteher der hiesigen israelittschen Religionsgemeinde, dessen Leben ein leuchtendes Bild begeisterten Strebens für Glauben und Glaubensgenossen, ihm, dem geistvollen Pfleger und Förderer der Wissenschaft des Judentums, dem rastlos für das intellektuelle, moralische und politische Wohl seiner Gemeinde Strebenden, weihet heute am Tage der 25. Jahresfeier seines Ehebundes, an welchem zugleich ein Viertel-Säculum schließt seit seinem ersten schriftstellerischen und praktischen Wirken für die Israeliten Sachsens, ein schwaches Zeichen aufrichtiger Anerkennung und Verehrung in Dankbarkeit, Dresden den 13. Juli 1859, die israelitische Gemeinde." Das Album enthält in Bild und Vers: die Synagoge, sein Elternhaus, sein Wohnhaus. Zu diesem letzteren hatte ich geschrieben: „Dem Manne Heil, der Treue hegt dem Streben, Das in der Jugend Laßen ihn durchglühte, Dem Hause Heil, das Geistes Kraft und Güte Zum Tempel schuf für hochgeweihtes Leben. Ja, Herrlichstes ist diesem Haus gegeben, Wo Wissensdrang mit kindlichem Gemüte, Wo Geistes Blitz mit holder Anmut Blüte In edlen Gatten innig sich verweben. Hier ist die Stätte, da; die Denker wohnen. Aus aller Zeit, Er selbst in ihrer Mitte; Hier ist der Ort, wo weiblich zarte Sitte, Holdselger Sinn und gastlich Wesen thronen. Gesegnet ist dies Haus und wird zum Segen, Drin Edelstes zwei edle Menschen hegen." i) Hochverdient um die Gemeinde, weil er in damaligen schwierigen Verhältnisse, da es noch an Kultussteuern fehlte, den Haushalt in Ordnnna hielt, und die Tilgung der Synagogenbauschuld rasch abwickelte, weil er dar Henriettenstist für arme hiefige Glaubensgenossen errichtete und weil er ferner sein bedeutendes Vermögen zu einer, dereinst in Kraft tretenden Stiftung für arm« jüd. Verwandte und für die Armen der Gemeinde hinterließ. Er war der erste Stadtverordnete jüdischen Glaubens «n Dresden.