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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-07-01 · Heft 7 (1.7.1890) · p. Seite 147

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 7 (1.7.1890)
Date
1890-07-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 Sonne seines Geistes leuchten lassen; wo der Haß am schlimmsten und vorherrschendsten seit Jahrhurckerten gewütet hatte, da hat seine Menschenliebe ihre Heilkraft am eifrigsten geübt, am herrlichsten bewährt. Sein großes Herz umfaßte die Menschheit mit unerschöpflicher Liebe; sein fester Mut, seine unversiegbare Geisteskraft waren jeden Augenblick bereit, gegen jedes Vorurteil, gegen jede Lüge, gegen jeden ungerechten Haß in die Schranken zu treten; aber das größere Leid, der tiefer gewurzelte Haß gaben uns ein Vorrecht in seinem Herzen, einen näheren Anspruch auf seine Wirksamkeit, und manche seiner edelsten Gedanken waren dem in uns verkannten Rechte der Menschheit gewidmet. Zu einer Zeit, wo die Unterdrückung in der politischen Sphäre noch allgewaltig, wo nvch kein Ring der tausendjährigen Fessel gelöst, wo noch kein dürftiger Strahl besserer Einsicht in das finstere Vorurteil der Massen gedrungen war, da fanden Duldung, Menschenliebe, Versöhnung der Religionen ein herrliches Asyl in dem Zauberreiche der Lessing'schen Muse. Darum hat er in seinem unsterblichen „Nathan", diesem Hohenliede der Toleranz, das Judentum verherrlicht, indem er es, das am längsten und härtesten gelitten, zum Eckstein erwählt am Tempel der Versöhnung und der Menschenliebe, den er in seinem unsterblichen Nathan hat aufgerichtet." Im Anfänge der vierziger Jahre unseres Jahrhunderts veröffentlichte Rießer, der immer auf der Warte stand, seine, „Jüdischen Briefe," die er zur Abwehr gegen judenfeindliche Schriffteller, wie Gustav Pfitzer, Wolfgang Menzels u. A. geschrieben; voll geistreicher Gedanken wiesen diese Briefe die schmachvollen Angriffe zurück, die immer wieder von Neuem gegen die Juden von zum Teil gesinnungslosen Schriftstellern erhoben worden sind. Die von diesen angewandte Kampfmethode, uns eine solidarische Verbindlichkeit aufzubürden, für den Einen die Gesammtheit oder deren Religion verantwortlich zu machen und das Vergehen des Einzelnen allen Juden, ja dem Judentume aufzuerlegen, weist er insbesondere ') Ursprünglich war Wolfgang Menzel kein Judenfeind, im Gegenteil von wohlwollenden Gesinnungen gegen die Juden erfüllt, wie dies insbesondere folgende Stelle in seinem ..die deutsche Litteratur, Stuttgart 1836, Band II, S. 210 f." bezeugt: „Unter den vielen einzelnen und kleineren Fragen, die sich beim Stillschweigen über die großen Hauptfragen hervorgethan und laut gemacht haben, spielt die Judenemanzipation eine bedeutende Rolle. Eine Menge Broschüren sind dafür und dawider fast in allen deutschen Staaten geschrieben worden. Die kräftigste und geistvollste Sprache hat Rießer in Altona geführt. Was er als Jude für die Rechte der Juden gesagt hat, gehört zu den Meisterstücken politischer Beredsamkeit. Doch müffen die Kinder Israel noch bis auf diesen Tag unter den kleinlichen Verhältniffen in Deutschland leiden und haben ihr armes Recht nur erst an sehr wenig Orten gefunden. Hier will man sie erziehen und das älteste Volk der Erde wie ein kleines Kind behandeln, das noch nicht auf den eigenen Füßen stehen kann. Dort will man sie mit aller möglichen Schonung bekehren und zwingt sie zwar nicht Christen zu werden, erlaubt ihnen aber nicht, Bürgerja kaum Menschenrechte ainusprechen. so lange sie nicht Christen sind. Hier haßt man sie ganz offen als ein fremdes Volk, schämt sich aber doch, sie tot zu schlagen und läßt nur den barbarischen Mutwillen auf andere Weise an ihnen aus. Dort spielt man den Herrn, den gnädigen Beschützer gegen sie, hütet sich aber, sie zu emanzipieren, um nicht um das Vergnügen des Mäcenats zu kommen. Sogar Liberale giebt es, welche die Juden bloß deswegen nicht frei lasten wollen, weil auch me Christen noch nicht in allen Dingen emanzipiert seien. Ueberall ist es die kleinliche Hoffart, die sich an den Juden reibt und sie bald mit Verweigerungen, bald mit halben Zugeftästdniffen, bald mit grausamer Zurückweisung, bald mit aufdringlicher Pädagogik quält. ,Daß Männer von Geist und Bildung, wie solche in neuerer Zeit mehrere aus jüdischem Geschlecht berühmt geworden find, über diese kleinlichen Mißhandlungen toll werden, ist ihnen kaum zu verdenken." Später vollzog sich in Menzel eine totale Wandlung der Gesinnung, unzweifelhaft hervorgerufen durch seine Kämpfe mit Heine, der ihn aufs heftigste befehdete. 13*

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