Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- Seite 137 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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„Es ist wohl etwas Großes mit diesem Glauben und dieser Hoffnung des jüdischen Volkes, und es ist eine Wahrheit darin enthalten, die weit über die Geschichte dieses Volkes hinaus für alle Zeiten dauern soll. Dieses Volk hat einen einzigen Beruf, es ist der Träger des reinen, geistigen Gottesgedankens. Es ist in diesem Volke schon in seinem ersten Ursprünge, soweit die Erinnerung hinabreicht bis in das Hirtenleben seiner Stammväter, wie ein Licht aus der Höhe der Gedanke aufgegangen von dem Einen Gott, dem allmächtigen Schöpfer des Alls, dem Unsichtbaren, Geistigen, dem Heiligen und Gerechten. Und dieser Glaube, mit den ihn begleitenden frommen Gebräuchen, ist wie ein heiliger Schatz, wie eine unvergeßliche Erinnerung, aufbewahrt in den dunkelsten Zeiten, ist als die Siegesfahne aufgepflanzt in den schwersten Kämpfen, ist als der Trost der Zukunft verkündet, in den drückendsten Niederlagen, dem kleinen Volke, das, gelagert an der Heerstraße der Weltgeschichte, wie an einem schmalen Saum, eingeschlossen von den großen Weltreichen Egypten, Syrien, Persien, Babylonien, umringt von all' dem Götzendienst der Kanaaniter, Phönizier und Chaldäer, sich in seinen gottbegeisterten Männern, den Propheten, immer wieder erhob und anklammerte an den Einen, wahren Gott und an sein Gebot: „Du sollst keine andern Götter haben neben mir!" O, das ist wohl etwas Großes, und so sehr wir auch Anstoß nehmen mögen an dem Stolz und den Ansprüchen dieses auserwählten Volkes, auch wir sollen noch an den Worten zehren: Du sollst keine andern Götter haben neben mir!" Diese Wahrheit bleibt noch heute, dies Heidentum ist noch heute um uns, in uns vorhanden." Wir fügen diesen herrlichen Worten einige Sätze hinzu, welche Graf Zinzendorf im Jahre 1738 in einer zu Leipzig von ihm erschienenen Schrift mit Titel „Sonderbare Gespräche zwischen einem Reisenden und allerhand anderen Personen von allerlei in der Religion vorkommenden Wahrheiten" niederschrieb. Er kommt in dieser Schrift auch auf die Juden zu sprechen deren schmähliche Behandlung durch die Christen er zu tadeln hat. Er sagt, daß man sie statt dessen hochachten müsse und gicbt hierzu folgende Begründung: 1) Ist ein einiger Jude, um desswillen (schreibt vr. Luther an den Juden Jessel) soll man alle Juden lieb haben. 2) Wir haben den größten Teil der heiligen Schrift durch die Juden. 3) Sie sind alle leibhaftige Kinder des gesegneten Sems des Erstgeborenen in der neuen Welt (nach der Sündfluth), ja was noch mehr, von unserem geistlichen Vater Abraham sind sie der Same, und wir sind nur eingepropft. 4) Jst's uns ausdrücklich verboten wider sie zn rühmen; denn 1) tragen sie uns und wir sie nicht 2) kann sie Gott, wieder einpropfen und uns abhauen (Röm. 11, 16-24). _' Wonatsfchau. An der Universität zu Kann hielt der Rektor Herr E.F.W. Dllüger zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. am 27. Januar die Festrede: „lieber die Kunst der Verlängerung des menschlichen Lebens." Dieselbe ist im Druck erschienen und enthält auch eine Stelle über das hohe Lebensalter der Juden, welche auch heute noch andere Völker an Langlebigkeit bedeutend überlreffen. Herr Neufville berechnete auf Grund statistischer Ermittelungen das Durchschnittsalter in Frankfurt a. M. bei der christlichen Bevölkerung