Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Maaren handeln durften und Freiheit des Grundbesitzes, eingereicht. x) Die Vorstellung hatte nicht den gewünschten Erfolg. Dr. Wolf Landau, damals Lehrer an der Gemeindeschule schrieb hierüber: „Der jüdische Lehrer soll in seinen Zöglingen den Abscheu vor dem Trödel und ehrenwidrigen Erwerbe, die Liebe zu jeder nützlichen Thätigkeit wecken; und der Wege, solche auszuüben, sind für sie so wenig und von Hemmnissen und Beschränkungen umgeben. — Muß sein Herz nicht bluten, wenn er einsieht, daß bei gegenwärtiger Unterrichtsweise sie den christlichen Brüdern an Bildung und Ehrenhaftigkeit sich gleich, und doch nicht gleich gestellt fühlen werden und also die ganze Frucht ein heiß gefühltes, nicht gestilltes Sehnen nach Ehre und Freiheit sein wird? Sie sollen das Vaterland lieben lernen, ach und sie höre», daß es sie nicht haben möge: sie könnten wieder gehen, „ihre Vorfahren wäre» so nur als Hofjuden hergekommen, als man ihres Geldes bedurfte," wie ein Abgeordneter sagte. — Drei Geschlechter unserer Glaubensgenossen wechselten: Großvater, Kinder und Enkel. Die Großväter waren von der Welt ausgestoßen, aber sie fühlten es nicht: sie hatten ihre eigene Welt. Tiefgewurzelter Glaube, unerschütterliche Hoffnung machten sie stark im Leiden; das Schwärmen im Jenseits, die Freude am Gesetzesstudium, die Wonne an der Beobachtung aller der religiösen Observanzen, von welchen ihr Leben durchflochte» war, machte sie stumpf, gleichgültig gegen Entbehrung, Schmerz, Verachtung dieser Welt. Sie fühlten sich glücklich in ihrem Unglücke! Ihre Söhne schauten ans 'dieser engen Welt hinaus in das Treiben der Menschheit, und siehe da, es gefiel ihnen. Sie möchten gern Teil nehmen an der Anstrengung und dein Lohne der mannigfachen Bestrebungen der Menschheit, gern mit Andren den Schweiß und das ehrende Bewußtsein teilen: aber die Kräfte versagten. Was die Jugend nicht gesäet, kann der Mann nicht ernte». Doch was sie versäumt, wollen sie ihren Kindern nicht vorenthalten. Diese sind nun des Lebens der Großväter ganz entwöhnt» kennen es kaum, lieben es nicht. Sie streben mächtig nach der Außenwelt, wollen Alles brüderlich umfassen: aber die Außenwelt ist eiskalt. Sie, die Ermunterung bedürfen, werden durch mißtrauische Vorsichtsmaßregeln fern gehalten: sie reichen Herz und Hand, man kommt ihnen dnstern, prüfenden Blicks entgegen. Die Pforte der beglückten, aufstrebenden christlichen Welt öffnet einer ganzen Generation, die nach Thaten, Ehren und Freiheit dürstet, eine kleine Spalte, daß sie das gelobte Land schaue, Lust bekomnie, und — erweitert sie sich nicht bald — abermals wie ihre Väter in Sehnsucht verschmachte! Einer ist unser Trost, unser Vater im Himmel! 2) Wie diese Schrift, so belehrt eine gleichzeitig in der Synagoge von Di°. Frankel gehaltene Predigt,3) über die damalige trübe Stimmung. Es heißt darin: „Ich fühle m. a. Zuhörer, mich heute mehr als je gedrängt, mit Worten der Ermutigung, mit der Überzeugung des vertrauenden Glaubens in Eure *) Vorstellung des Vorstandes der isr. Gemeinde zu Dresden au die hohe Ständeversammlung des Königreichs Sachsen, die Aufhebung einiger aus gedachter Gemeinde noch lastender Beschränkungen betr. Dresden, Ramming 1843. — I)r. Frankel Dr. Bernhard Beer. ®. ID! ff. *) Dr. W. Landau: Die Petition des Vorstandes der isr. Gemeinde zu Dresden und ihr Schicksal in der II. Kammer. März 1813, Dresden 1843, Walthcr'jche Hofbuchhandlung 3j O. R. Dr. Frankel: Tie Prüfungen Israels. Predigt gehalten am Sabbath. Pekudc 4. März 1843. Auf Verlangen dem Druck, übergeben. Der Ertrag zum Besten der voigtländischen Armen. Dresden und Leipzig, Arnoldische Buchhandlung.