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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-06-01 · Heft 6 (1.6.1890) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 6 (1.6.1890)
Date
1890-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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— 132 — Selten wird eist Bauwerk dieser Art mit so geringen Mitteln und unter so erschwerten Verhältstissen hergestellt worden sein. Von unstrem heutigen Standpunkte ans mag uns. den an ganz andere Verhältnisse Ger löhntest, die im Aeußeren jetzt unscheinbar gewordene Synagoge nicht zureichend, der dämalige Aufwand unbedeutend erscheine». Um so größer und erhabener f esten sich unseren Blicken unsere Vorfahren, die Mitglieder der damaligen, kaum '/-> det jetzigen, damals ungefähr 700 Seelen starken Gemeinde, vor Allen ihre Leite i- und Anreger, Beer und Frankel dar, um so rührender tritt uns der Synagogenbau, ein Denkmal der Opferwilligkeit und Begeisterung vor Augen. Als am 1. Mai 186.5 das fünfundzwanzigjährige Jubelfest der Synagoge, in Gegenwart hochgestellter Staatsbeamten, des Rats und der Stadtverordneten gefeiert wurde, — da war 1>r. Beer längst todt. Aber Seminardirektor Dr. Frankel, den als seinen alten Oberrabbiner der Gemeinderat dazu eingeladen hatte, erwiderte aus Breslau am 27. April 1865: „Ihre Zaschrift vom 21. April hat, hochzuverehreude Herren, mich mit tiefer Rührung :rfüllt. da sie mir lebhaft die Zeit zurückrief, in der ich mich in Ihrer Mitte, in der Mitte der mir theueren, unvergeßlichen Gemeinde zu Dresden, den Pflicht:» nieiyes Berufes mit Liebe hingab, und von Ihrer Liebe getragen, manches Nützliche und Förderliche erstrebte. Und hier tritt mir zuerst das Gotteshaus entgegen, dessen Einwcihuugsjubilänm kommenden Montag gefeiert werden wird. Cs werden da in mir so viel Erinnerungen wach, es tritt mir lebendig inti Gedächtnis, welche schwierige Zeiten zu besiegen waren, und wie sie durch di: seltene fromme Opferfreudigkeit der Gemeinde besiegt wurden, es vergegenwärt gen sich mir die von allen Seiten gemachten Anstrengungen und wie das G ilingen Herbeigeführt wurde: und ich sende heute wieder meinen Dank zu Gott empor, der gelingen ließ. Aber indem ich das Damals und Jetzt überschaue, und den dazwischen liegenden Zeitraum an mir. vorbeiziehen lasse, kann ich * tuet tiefen Wehmut mich nicht erwehren. Wie viele Edle und Teure werden vermißt, wie Viele, die thütige Hand mit anlegten, sucht das Gotteshaus vergebens unter den zu dieser Feier sich Versammelnden! Es strömen also G« fühle der tiefsten Freude, aber auch Gefühle der schmerzlichsten Wehyiut auf inich ein, diese, wie jene drohen, so ich bei der Feier gegenwärtig wäre, mich zu überwältigen, und in mir eine langnachhaltige Aufregung zurückzulassen. Da c ber jede aufregende Störung meines nunmehrigen Stilllebens nicht ohne ernstliche Nachteile für meine Gesundheit ist, so muß ich mich darauf beschränken, Ihnen nieinen tiefgefühlten Dank für Ihre freundliche Einladung schriftlich abzutragen. Ihre so wohlwollende, wie warme Zuschrift hat mir Thränen entlock : mein herzlichster Dank Ihne», daß Sie sich meiner noch so freundlich erinnern, mein wärmster Tank der Gemeinde, in deren Namen Sie sprachen. Ihr Andenken wird, wie das Andenken dieses Gotteshauses mir stets gegenwärtig sein. Möge dieses Haus noch durch viele Jahrhunderte eine Zierde der späten Generationen dieser Gemeinde sein, für die und deren hochgeschätzte geistliche und weltliche Vertreter meine innigen Gebete am Tage der Feier zu dem Gott des Lebens und dem Urquell alles Segens aufsteigen werden." Mit diesem Schreibe i spendete Ui. Frankel noch der Gemeinde 200 Thlr., zu der damaligen Fests uninlung für ein Gemeinde- und Schulhaus. Der Fe'tgottesdienst, zu diesein Jubelfeste war, wie es im Geschäftsbericht der Gen einde auf die Jahre 1865 und 1866 heißt, „einer der weihevollsten und seinen Theilnehmern unvergeßlichsten."

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