Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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131 „Es gab sich — so schildert Di . Frankel selbst in seiner Lebensbeschreibung Dr. Beer's den Eindruck der Feier — allenthalben die freudigste Aufregung kund, nur Ein Mann stand still in seinen Gefühlen versunken: Dr. Beer. Er hatte keine Worte, ihn überwogten die maniiigfachsten Erinnerungen; er hatte seit frühester Zeit gekämpft, seine beste Kraft an die Hebung der Gemeinde gesetzt und sah sich nun an einem, seine kühnsten Wünsche überragenden Ziel: „Einst und jetzt" — das waren die wenigen Worte, die er mir zurief." x) Wie sehr-,die Einweihungsfeier und das für dainalige Zeit — namentlich in Anbetracht det beschränkten Mittel — schöne und edle Bauwerk die Aufmerksamkeit und Teilnahme in Dresden erregte, das bekundeten zwei Spenden, die am Morgen des Festtages bei dem Vorstand eingingen. Ein christlicher Bürger, ein früherer Stadtverordneter, sandte dem Vorstande 50 Thlr. als Beitrag zu den Kosten mit dem Motto: Liberte civile et religieuse pour tout le monde, und mit dem Wunsche: „daß fortschreitende Aufklärung und Bildung die Israeliten auch noch zu dem fördern möge, was ihnen noch zur gänzlichen Gleichstellung fehlt." Ein Anderer, Advokat Voland, sandte seine Spende (4 Thlr.) mit dem Sinnspruch: „Wir glauben Alle an Einen Gott!" Das Hoftheater kündigte an, daß die Vorstellung des Abends erst nach Beendigung der Synagogeneinweihungsfeier beginne. Wie dir heilige Lade in der Synagoge ein Geschenk zweier Brüder, so ist die silberne Lampe mit dem (von Ludwig Wolf gestifteten) Rnbinglas ein Geschenk, das die unverheirateten Gemeindemitglieder der Synagoge bei ihrer Errichtung spendeten. Sie ist nach einer Zeichnung Semper's gearbeitet. Die Sammlung erfolgte durch Moritz Eger und Ernst Meyer, der Sammelbogen trägt das Motto aus 2. B. M. 35,5: Nehmet von dem Eurigen eine Gabe auf, dem Ewigen zu Ehren. Es beteiligten sich auch hieran arme Gemeindemitglieder in wöchentlichen und monatlichen Beiträgen zu 4,2 und 1 Groschen. Mit Recht konnte daher Dr. Becr, der unermüdliche Heber und Leger des Werkes, von dessen Hand fast alle Eingaben, Schriften und Protokolle in Sachen des Synagogenbaues herrühren, bereits 1838 der Allg. Zeitung des Jndenthums (S. 25) berichten: „Nicht ein einziges, auch nur einigermaßen bemitteltes Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde hat sich. von den Beiträgen zum Tempelbau-ausgeschlossen. Sogar mehrere ganz Unbemittelte haben ihr Scherfleiu dazu beigetragen." Dem Prof. Semper verehrte die Gemeinde einen Pokal, zu dem einzelne Mitglieder Beiträge gespendet. Der Gesammtaufwand für die Synagoge betrug 30204 Thlr., davon 5150 Thlr. für den Bauplatz, 24007 Thlr. für den Bau. Aufgebracht wurde dieser Aufwand durch 17185 Thlr. Darlehne der Gemeindemitglieder, 3753 Thlr. 20 Groschen Schenkungen derselben, 2570 Th^> 25 Groschen Ertrag für verkaufte Betplätze. Im Jahre 1846 waren di^Schulden bis auf ca. 5000 Thlr. getilgt. Die Darlehnsgeber verzichteten auf Zinsen. Die Synagogenbauschulden wurden allmählich, der Rest 1853 getilgt. ') Dr. Bernhard Beer, ein Lebens- und Zeitbild, von Dr. Z. Frankel. Breslau, 1863. S. 114.