Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
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129 beträchtlicheil Summe bei der Aussicht, das Kapital erst nach viele» Jahren in kleinen Beträgen zurückznerhalten kein geringes Opfer. Und durch diese neue Schuld werde das ohnehin sehr belastete Gemeindebudget noch mehr beschwert. Zwar habe die Mimsterialverordnung vom 29. Januar 1339 die Einhebung einer Klassensteuer von den Gemeindegliedern zur Deckung des Bedarfs für Cultus und Schule nachgelassen. Diese Steuer wäre von der kleinen, kaum 700 Seelen zählenden Gemeinde schwer beizutreiben und würde, selbst wenn keine Reste blieben, kaum zuin Tilgungsfond der Synagogenbauschulden an 755 Thlr. jährlich reichen. „Die von der ohnehin lästigen Fleischsteuer eingehenden, und aus begreiflichen Gründen sich vou Jahr zu Jahr mindernden Einnahmen sind für die regelmäßigen Ausgaben, für Besoldungen, Pension und Schule an 1600 Thlr. unbedingt erforderlich, dazu kommen neue Ausgaben für verbesserte Einrichtung eines neuen Gottesdienstes, >vie Chor und Vorbeter. Deshalb bat der Vorstand das Ministerium, außer dem für die Besoldung des Oberrabbiners bisher bewilligten Zuschuß von 170 Thlr., noch einen Beitrag von 200 Thlr. jährlich zur Bestreitung des durch die größere Synagoge erhöhten Cultnsaufwandes der Gemeinde aus Staatsmitteln zu gewähren." Das Ministerium verwilligte hierauf (28. Februar 1840) da ein nachträgliches Postulat an die Stände nicht thunkich. „um der israelitischen Gemeinde allhier die erste Einrichtung ihres Cultus in der neuerbauten Synagoge so viel als möglich zu erleichtern", eine außerordentliche Unterstützung von 200 Thlr. Anfangs April 1840 war die Synagoge soweit fertig, daß die Betplätze in derselben versteigert werden konnten. Ostern 1840 wurden die Privatsynagogen geschlossen. Die Besucher der Schie'schen Synagoge ließen diese malen und schenkten das Bild Herrn Mendel Schie. In den wenigen Wochen bis zur Einiveihung der Synagoge fand im Genieindehause an der Mauer Jnterimsgottesdienst statt. Und nun nahte endlich der langersehnte, schwer und mit hingehendster Opferwilligkeit herbeigeführte Tag der Synagogenweihe, auf den wir Schulkinder als Mitglieder des Synagogenchores uns lange vorher, auch durch Gesangproben in der Synagoge, vorbereitet hatten. Sie fand Freitag den 8. Mai 1840 (5 Jjar 5600) Abends statt, „am Vorabende des Sabbaths" (Hakodesch) — wie Dr. Beer in der Zeitung des Judentums darüber berichtete, (1840, S. 312) „an welchem die Hauptgrundlehren der mosaischen Religion: Seid heilig! Liebet den Nächsten! Liebet den Fremden! aus der Thora vorgelesen wurden." ^s war eine glänzende, erhebende Feier! Die Synagoge war dicht besetzt, in. 'chiff von den eingeladenen Ehrengästen, wiederum den höchsten Staatsbeamten und Vertretern der Behörden, auf den übrigen Plätzen von der Gemeinde. Der Eintritt war nur gegen Karten gestattet. Als Commissare waren thätig: Wilhelm Schie, Julius Salonion und Bernhard Gutmann zum Empfang der Minister und hohen Beamten und zu deren Unterbringung in den fünf! ersten Schiffsbänken, Elias Mendelcohn und Moritz Aaron Meyer zur Kartellabnahme am Eingang, I>r. Hirschel und Moritz Meyer für die erste Gallerie, Joseph Bondi die zweite, Julius Mendelcohn und Anton Levi als Kerzenträger vor dem Zuge, Eduard Hirsch und Louis Lesser als solche hinter deniselben. Der Chor war durch Musik verstärkt. Nach dem Gesang des Matowu ward Psalm 24 vorgetragen, vr. Frankel, die Vorsteher der Gemeinde und der Wohlthätigkeitsanstalten, unter ihnen mein Großvater