Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Aber nicht nur in ihrer Religion, nein auch in ihren Erwerbsquellen fand man in dei deutschen Ständekammern Gründe gegen die Emancipation der Juden und setzte somit in der That buchstäblich Himmel und Erde, das Höchste und das Niedrigste in Bewegung, um sie von dem Genüsse bürgerlicher Rechte auszuschließen. Die Juden, sagte man, können nicht emanzipiert werden, weil sie, allein nur d,m Handel hingegeben, Hqndwerk und Ackerbau von sich weisen. Während man de. Ursache in der Scheu vor anstrengender Arbeit, oder auch in dem Ceremonial« esetze zu finden glaubte, das den Betrieb des Ackerbaus oder des Handwerks e 'schwere, ja verhindere, vergaß man, daß die Juden durch Städteordnungen, Zunf gesetzt-, Judenreglements, feudale Beschränkungen des Erwerbs von Grundstücke i von allem redlichen Erwerb, außer dem Handel, ausgeschlossen und auch von desem ihnen nur die Zweige zugänglich waren, die man ihnen nicht versperren konnte; es waren der Großhandel, der Geld- und Wechselhandel, der durch seine Weltverbindungen, der Trödelhandel, der durch seine Geringfügigkeit den Brüden des Zunftzwanges entging. „Die Geschichte, die große Lehrerin und E cklärerin der Gegenwart, dient" sagt Rießer, „unseren Gegnern nur dazu, Festen für uns zu schmieden und Beschuldigungen aus ihren tiefsten Tiefen herauf z t wühlen; sie sind aber taub gegen ihre Lehren, da wo sie allein beklagenswerte I iebelstände zu erklären und auf ihre wahre Quelle zurückzuführen vermöchte." „Aste wöget ihr", ruft Rießer den Gegnern der Emanzipation entgegen, „mit dm Unseren so rauh und hart umgehen, daß Ihr verlangt, die Opfer der Besch ünkungen vieler Jahrhunderte sollten in weniger als einer Generation, in einen Augenblicke verschwinden? Steigt doch einmal von der vornehmen Höhe herab, von welcher Ihr auf die kleinen, alltäglichen Verhältnisse herniederschauet, ich bin überzeugt, daß von all den hämischen Rednern, die so voll waren von der Abneil ung der Juden gegen Handarbeit, sich kein einziger je eine Vorstellung von den Schwierigkeiten gemacht hat, die teils die Umstände, teils die Härte und Vorurteile der Christen dem armen jüdischen Knaben, der ein Handwerk erlernen n ill, entgegenstellen, Schwierigkeiten, die man ihm nur durch zweckmäßige Untersetzung, nicht durch Schmähung überwinden hilft." — (Schluß folgt). Gin SmwjcchrhunderL in der israelitischen Metigionsgemeinde zu Dresden. Erlebtes und Erlesenes von Emil Lehmann. (Fortsetzung"». Nachdruck verboten. „Mit Stolz müßen wir es sagen", schreibt der Vorstand am 30. Januar an das Ministerium: „diese kleine, noch hart bedrängte Gemeinde erschöpft alle ihre Kraft, un das Gotteshaus dennoch herzustellen. Jeder unter uns strengte sich aufs Aeuß erste an, Wenige schlossen sich aus, die Wohlhabenden leisteten größere Summen und selbst Unbemittelte trugen ihr Schärflein bei, um das Fehlende zusammenzuschießen, so daß vor der Hand wenigstens der dringende Bedarf zur Zahlung der Bauhandwerker gedeckt ist." Nach dem pekuniären Staude des größten Tfils der Gemeindemitglieder sei die sofortige Darleihung einer so