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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-06-01 · Heft 6 (1.6.1890) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 6 (1.6.1890)
Date
1890-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 I Paulus u. A. Fügendes: „Wir sind nicht eiugewandert. wir sind eingeboren und weil wir es sind, haben wir keinen Anspruch anderswo auf eine Heimat; wir sind entweder Deutsche, oder heimatlos. Oder will man im Ernst die ursprünglich fremd« Abkunft gegen uns geltend machen? Will man civilisierte Staaten auf das barbarische Princip der Autochthoneuherrschaft zurückführen? Kann der Gesetzgeber den als Fremdling betrachten, dem er alle Pflichten des Bürgers ohne Ar snahme, auch die gewichtigste, die der Verteidigung des Vaterlands, aufbürdet, welchen kein anderer Staat aufnimmt, ohne daß der eigne ihn aus dem heimatl chen Verbände entläßt und dem dieser die Entlassung versagen darf und wird, l is er allen Pflichten des Bürgers Genüge geleistet hat? Kann der Gesetzgeber allen diesen bedeutsamen realen Momenten des Bürgertums im Ernste den religiösen Glauben der Juden an die Gottheit als ideales politisches Oberhaupt des dealen Staates entgegenstellen wollen, um ihre Fremdheit daraus zu demorstrieren? Es giebt nur eine Taufe, die zur Nationalität einigt: die des Blutes in gemeinsamem Kampfe für Freiheit und Vaterland. Die deutschen Juden haben sich diesen vollgülügen Anspruch auf Nationalität vollgültig erworben. Rießer, d« m es um eine dauernde Einwirkung auf seine Zeitgenossen zu thun war, entschloß sic) zur Herausgabe einer Zeitschrift, die den Kampf für Religions- und Gewifsensfr iheit führen sollte. Schon der Name, mit dem er die Zeitschrift in die Oeffentlichkeit einführte, „Der Jude" war eine Mannesthat, eines Rießer würdig. Denn welch' schönen, edlen Inhalt das Wort „Jude" auch sowohl nach der etymologischen wie nach der historischen Seite in sich trug, das Gefäß hatte im Laufe der Jahrhunderte schmachvollen Drucks an Schönheit eingebüßt; an dieses Wort knüpfte sich allmählig der Gedanke an all die Schmach und den Haß, worunter hie Träger des einst so stolzen Namens zu leiden hatten. Rießer, der den Namen „Jude" wieder zu Ehren bringen wollte, schmückte mit ihm, der eine Welt vin Gedanken in sich schließt, seine Zeitschrift, die dem Kampf gegen Unduldsamkeit und religiösen Druck geweiht war. In dieser Zeitschrift verfolgte er insbesondere die damals in den deutschen Ständekammern, sowie im englischen P irlamente gepflogenen Verhandlungen über die bürgerliche Gleichstellung der Juven mit scharfem Auge. Er klärte die Ansichten, enthüllte die Trugschlüsse, bekämpfte mit edler Entrüstung, die auch des attischen Salzes, des feinen Witzes nicht entbehrte, die Unduldsamkeit und Lieblosigkeit, der von so manchem Juden rinde im Namen der Religion der Liebe Wort und Ausdruck geliehen ward. Interessant ist es auch noch heute, zumal da der Kampf in unserer Zeit wieder actuell geworden, Rießer zuzuschauen, wie er in dem Turniere sein blitzend Geistesschwert mutig schwingt, mit Ueberlegenheit, ja, ich möchte sagen, mit unnachahmlicher Eleganz und Grazie den Gegner aus dem Sattel hebt und zu Boden streckt. Da erhebt sich der Vorwurf, der ja auch für uns nichts Neues ist, die Juden lehre , eine Moral, die zwischen Pflichten der Redlichkeit gegen Glaubensgenossen und Andersglaubende unterscheide, die den Wucher und die Uebervorteilung der Christen erlaube. „Bezeichnet uns" so ruft er mit edler Entrüstung den Anklägern \ u, „nennet sie, jene Schulen und gottesdienstlichen Häuser, wenn ihr sie kennt, ir denen solche Schändlichkeiten gelehrt, nennet die Lehrer, durch welche solche frivelnde Tollheiten im Namen der Religion verbreitet werden,

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