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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-06-01 · Heft 6 (1.6.1890) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 6 (1.6.1890)
Date
1890-06-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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mit der er sein Amt verwaltete, von der dänischen Regierung als einer ihrer tüchtigsten und bewährtesten Richter gerühmt ward. Dennoch legte er sofort sein Richteramt nieder, als die dänische Regierung ihm ein Recht entzog, dessen er zur erfolgreichen, wirksamen Erfüllung seiner amtlichen Pflichten' nicht glaubte entbehren zu können. Das waren Rießers Ahnen, die ihm in seine Wiege edle Vorzüge des Herzens und des Geistes, Weisheit, Milde, besonders aber hohe Begeisterung für Recht und Freiheit legten, deren Dienst er denn auch sein ganzes, wechselvolles, reichbewegtes Leben geweiht hat. Als providentiell darf aber auch die Zeit seiner Geburt bezeichnet werden. Er, der berufen war, seine Glaubens- und Stammesgenossen aus unsagbarem Drucke zu erlösen, aus ägyptischer Knechtschaft zu befreien, erblickte das Licht der Welt an jenem Feste, das zur Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischem Sklavendienste einst eingesetzt ward. Gabriel Rießer ward am ersten Sederabend des Jahres 1806, der damals auf den 1. April fiel, zu Altona geboren. Sein Vater'), der in der israelitischen Gemeinde das Amt eines Secretärs bekleidete, ein Mann von hoher Bildung und edlem Charakter, setzte auf seinen Gabriel, dessen geistige Begabung sein heller, klarer Blick bald erkannte, große Hoffnungen. Dem Studium bestimmt, lebte der junge Gabriel die glückliche Gymnasialzeit im trauten Verkehr mit gleichalterigen Schulgenossen. Da knüpfte sich manches Freundschaftsband, das die Schulzeit überdauert hat und noch für das Leben sich bewährte. An klassischer Vorbildung reich, bezog er, nachdem er sich mit einer griechischen Rede vom Gymnasium verabschiedet und damit eine glänzende Probe seiner Beredsamkeit abgelegt, die Universität, zunächst das nahe gelegene Kiel, dann das schöne Heidelberg. Welch herrliche, goldene Zeit war auch für ihn die Zeit des academischen Lebens! Was bietet auch das Leben Schöneres, als in vollen Zügen aus dem Borne der Wissenschaft schöpfen, im engsten Verkehr mit den Männern der Wissenschaft auf deren Worte lauschen, im eignen Geistesfluge die eigne Geisteskraft erproben zu dürfen und das Alles im trauten Verkehr, im geistigen Austausch mit gleichgesinnten Jünglingen, die gleiches Wollen, gleiches Streben, gleiches Ziel mit uns verbindet! So war es zu Rießer's Zeit, so war cs noch in der unseren. Aber wie hat sich, um mit dem Dichter der Klagegesänge zu sprechen, die goldene Zeit des academischen Lebens verdunkelt, wie hat der gegen uns gerichtete böse Geist, der unsere Zeit durchweht, insbesondere die Herzen unserer akademischen Jugend vergiftet, sich wie schädlicher Mehltau auf die Schwingen ihres Geistes gelegt, daß sie, gelähmt, den Aufschwung zur Höhe nicht mehr zu gewinnen vermögen, und unsere Jugend ihre hohen Ideale zum Teil verloren, eingebüßet hat! Unserem Rießer war indessen die akademische Zeit noch besonders verschönt, geschmückt durch das Band der Herzinnigkeit, das Vater und Sohn aneinander knüpfte, dessen rührendstes Zeugnis der Briefwechsel ist, den beide '] Rießer's Vater, Lazarus Rießer, verdanken wir eine hebräische Biographie seines Schwiegervaters Rafael Cohn, die seine Gewandtheit im hebräischen Styl bekundet. Auch hat er manches Handschriftliche hinterlassen, das sich in der Heymann Michael'schen Bibliothek, die der Bibliothek in Oxford einverleibt ist. befindet, u. A. eine kurze Elegie auf den Tod seines Schwiegervaters, ein Gedicht an Israel Jacobson, als es ihm gelang, die Aufhebung des Leibzolls in Braunschweig zu erwirken [1803], sowie deutsche Anmerkungen zu den Werken Abt's und Mendelssohns.

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