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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-06-01 · Heft 6 (1.6.1890) · p. Seite 122

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 6 (1.6.1890)
Date
1890-06-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Verehrte Versammlung! Es ist das schöne Vorrecht der plastischen Kunst, daß sie in engem Rahmen, in begrenztem Raume eine reiche Fülle von Ideen zusammenzudrängen und eine nicht minder reiche Fülle von Gedanken, Gefühlen und Empfindurgen in dem Schauenden zu wecken und anzuregen vermag. Treffender und sinniger konnte das edle Streben des Gefeierten, sein Lebenswerk, die hohe Aufgabe, die er sich gestellt, das leuchtende Ziel, das er sich unentwegt vor Augen hielü nicht veranschaulicht werden, als es hier von kunstsinniger Hand geschehen war. Dieser ii jugendlichem Alter schon so Hochgefeierte war der Mann, den ich Ihrem geistiäen Gesichtskreise in dieser Stunde näher zu rücken versuchen will, war Gabi iel Rießer, der tapfere Kämpfer für Recht und Freiheit, der, wie er auch zunächst für den engeren Kreis, für seine Glaubensgemeinschaft, sein blitzendes Geiste« schwert geschwungen, doch nicht minder auch um sein deutsches Vaterland, ja, was sage ich? um die Meüschheit sich unsterbliches Verdienst erworben, weil er mit dazu beigetragen, daß man endlich beginnt, die höchsten und heiligsten G iter, Glaubens- und Gewissensfreiheit, in das Geistesinventar der Menschheit aufzunehmen. Wer war Gabriel Rießer? Wo stand seine Wiege? Wie entfaltete sich sein inneres und äußeres Leben, daß er zu einem Anwälte des Rechts für die Geächteten, die bedrängten und Zurückgesetzten ist geworden? Gestatten Sie mir> diesen und ähnlichen Fragen näher zu treten, um Ihre Teilnahme für einen Mann zu gewinnen, der, ein leuchtender Stern am Himmel des Judentums, einen Ehrenplatz in unserer Geschichte mit Fug und Recht in Anspruch nehmen darf. Gabriel Rießer gehörte sowohl väterlicherwie mütterlicherseits hochangesehenen Geschlechtern an. Väterlicherseits entstammte Rießer einem Geschlechte, das als einen seiner Ahnen jenen im 16. Jahrhundert lebendem Saul Wahl') nennt, der, als einst die polnischen Magnaten in der festgesetzten Zeit sich über die Wahl eines Königs nicht zu einigen t ermochte», um seiner trefflichen Herzens- und Geisteseigenschaften willen für eine Nacht mit der polnischen Königskrone geschmückt worden sein und sich in dieser kurzen Spanne Zeit große Verdienste um seine Glaubensgenossen erworben haben soll. Von mütterlicher Seite war sein Großvater jener gelehrte und charakterfeste Rabbiner Rafael Cohn, der, an der Spitze der Dreigemeinde Altona, Hamburg und 2 Zandsbeck stehend, noch mit der jüdischen Rechtspflege betraut war und der um seiner hohen Weisheit und unbeugsamen Gerechtigkeit willen, *) Vergl. The greatness of Wahl, containing deseendants down dings die Sage v der historischen G^s zu dem Resultate^ Leipnik, einem dirp Königtum des E unter den Juden nossen wisie etwas Agent des Fürsten „Wahl" entstände er polnisch — wofl $erti H. Edelmann, Gedulath Schaul (auch unter dem englischen Titel: Saul and progeny of David, being a biography of the eminent Saul also a genealogical and chronological sketch of his ancestry and to Denis M. Samuel). London, Shaw 1854 — PH. Bloch,, der neuern Saul Wahl, dem Eintagskönig von Polen, untersuchte (Zeitschrift ellschaft für die Provinz Posen. IV. Jahrg. S. 233—258), kommt zwar daß die olte)|e schriftliche Fixierung 1733, ausgezeichnet von Pinchas kten Sprossen des Gekrönten in der fünften Generation, das eintägige gannten ged. 1541, gest. 1617) erfunden habe. Zwar habe Saul Wahl 4itthauens eine herrschende Stelle eingenommen, aber keiner seiner Zeitge- ' von seinem Zwischenkönigtum zu melden. Wahrscheinlich sei er polnischer Radziwill gewesen; mög icherweise sei die Sage aus dem Namen den die Späteren aus dem Deutschen zu erklären suchten, während — Stier, hebr. Schor ist.

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