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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-05-01 · Heft 5 (1.5.1890) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 5 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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gethan, währenddem die heutigen ihn verhimyilen, und welche sogar in ihrem Fanatismus die ihn glorisieirende Inschrift an seinem Grabsteine verwischten, um hmzuschreiben: „Hier liegt Moses bei, Maiinon, der gebannte Ketzer" denn er bezeichnete die Opfer als ein Zugeständnis an die Schwäche der Kinder Israels, die sich ihre Heidin chen Gewohnheiten nicht so leicht nehmen ließen, während die heutigen Orthowxen offenbar in ihrem Gebete lägen, wenn sie um Wiederherstellung des Operdienstes, der auch von den Propheten gerichtet wurde, beten. Die Reform des Judentums ruht auf dem Gedanken der Entwicklungsfähigkeit des Judentums, der zu allen Zeiten von seinen großen erleuchteten Geistern gehütet wurde. Sie forscht den Gründen und Motiven der Gesetzesvorsckiriften nach, und wenn je xe sich als hinfällig und zwecklos erweisen, so haben diese ihr Recht auf Bestand und Anerkennung verloren, damit das Judentum gesunde und nicht, in mechanische Werkheiligkeit ansartend, eine Art Heidentum darstelle. Unantastbar ist und bleibt uns das ewig Positive der Religion, die Lehre von Gott, die Leh e der Unsterblichkeit und die Ethik des Judentums. Unantastbar bleiben uiU alle Formen, aus denen der Geist des Lebens nicht gewichen und die wie Sabbith und Feste die erhabenen Lehren und geschichlichen Gedanken des Judentr ms zu Ausdruck bringen, und viele andere Formen, die als Scheidemünze hohee Gedanken im Volke gangbar sind. Mit Stolz kann die Reform, wie auch Herr 0r. Stern hervorhebt, auf die Erfolge zurückblicken, welche sie in Bezug auf den öffentlichen Gottesdienst errang, und die Wissenschaft des Jndentuins ist und bleibt ihr Lorbeerblatt, mit «stolz kann die Reform zurückblicken aus die von ihr ausgegangenen Rabbinerversamml ing und Synoden, deren letzte in Augsburg folgende Resolution zur Kennzeichnung ihres Standpunktes faßte. „Das Judentum hat von seinem Anbeginn auf Erk untnis gedrungen und in gleicher Weise stets die Uebereinstimmung zwischen Gedanken, Gefühl und That vorausgesetzt und gefordert. In diesem Sinne such« es mutig und zuversichtlich eine Umwandlung ins Werk zu setzen und folgt nur seinem innersten Grundtriebe, wenn es in voller Wertschätzung der von ihm bewahrten höheren und ewigen Lebensgüter, mit aller Anerkennung und Ehrerbietung gegen die Vergangenheit,. nach den Ergebnissen ernster, wissenschaftlicher Forschung bestrebt ist, das Veraltete und Zweckwidrige zu beseitigen unt sich im Geiste der neuen Zeit fortzubilden. Indem die Synode den Anfoideruugen der Zejt nachzukommeu bestrebt ist, hält sie sich davon versichert, daß sie für die Erhaltung des Judentums wirkt. In dieser Weise fühlt sie sich eins mit dem Geiste des Judentums in seiner ganzen geschichtlichen Entwicklung, eins mitallen ihren Religionsgenossen', ivelcher Richtung sie auch folgen mögen, un! hofft ein Werk der Versöhnung zu stiften, freilich nicht für den nächsten Augenblick und nicht durch Verleugnung der Gesinnungen, sondern durch den Geist der Wahrheit, der, dem Aussprnch unserer alten Lehrer gemäß, die Grundbedingung des Friedens ist." Wir können auf vieles Andere, was Herr Dr. Stern in seiner Schrift weiter ausführt, liier nicht näher kritisch eingehen, besonders auf das was er über den Rationa Ismus und Mysticismus ausspricht, da letzterer wie ersterer ihre Berechtigung auf dem Gebiete der Religion haben, die ihrer nicht entraten kann. Ehe nun Herr D\ Stern sein dogmafreies Judentum, in dem eine Autorität weder der Bibel noch dem Talmud zuerkannt werden soll, einführen will, ruft er aus: „Um unherum liegen Trümmer, auf welchen sich ein neuer Bau erheben solle der aus besseren Grundlagen ruhen muß als auf den früheren. Weil das

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