Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1890)
- Date
- 1890-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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90 verweigerte.—Am 29. Jan. kam ini Reichstage in Berlin ein Antrag betreffend die Waffenpflicht der Theologen zur Verhandlung. Man sprach von katholischen und evangelischen Theologen, über jüdische Theologen hörte man auch kein Wort. Es hätte sich doch Jemand finden sollen, um diesen Principienkampf aufzunehmen. — Aus Hungen b«richtet man: Das Dienstmüdchen eines hiesigen israelitischen Bürgers litt im Hcrbst v. I. an einem bösen Finger und war deshalb genötigt, den Arzt der Kranlenkasse, Dr. Suffert, um Hilfe anzugehe». Nachdem dieser den Finger behandelt und ausgeschnitten hatte, fragte das Mädchen, ob es jetzt wieder etwas arbeiten dürfe, worauf ihm der Herr I>r. Suffert (ein Freund Böckels) mit der F.age antwortete: „Gelt dem Jud' dauert es zu lang, daß Du nichts arbeiten kannst?" Das Mädchen erwiderte: „Nein, es hat mich Niemand was zu arbnten geheißen." Dr. Suffert sagte darauf: „Wer wird denn bei einem Inden dienen? Wer gcschcidt ist, der geht zu seines Gleichen, aber zu keinem Juden". Der beleidigte Bürger strengte eine Klage gegen Dr. Suffert an. Bei dem vorgniommenen Sühneversuch hat der Herr Doktor die Angabe des Dienstmädchens geleugnet, wahrend er dieselbe bei der folgenden Schöffengerichtsverhandlung vor dem großh. Amtsgericht vollinhaltlich eingestanden hat. Das Urteil lautete auf 6 Mark Strafe und die Kosten. — Herr von Uechteritz- Zteinkirch, der von der geborenen v. Klrichröder geschiedene Ehemann, ist aus der Liste der Offiziere gestrichen worden. — In Görlitz hat sich der antisemitische „Reform-Verein" aufgelöst. — In Königsberg sollte diesmal Herr Prof. Hermaün zum Rektor her Universität gewählt werden. Man hatte aber Bedenken an seinem Glauben und betonte noch besonders, daß der Besuch Sr. Majestät des Kaisers im Laufe des Jahres in Aussicht stehe, dem man doch nicht einen Rektor jüdischer Konfession vorstellen könne. Diese Ansichten stießen anfangs zwar auf großen Unwillen, drangen aber doch bei der Rektoratswahl durch, indem Herr Prof. Suggenhagrn, der selbst für Herrn Prof. Hermann stinimte, mit einer Mehrheit von drei Stimmen gegen Prof. Hermann gewählt wurde. — Am 6. Februar erlag in Frribnrg i. Ü. im Mooswald um ll-z8 Uhr Herr Caml. mock. Kalo ffdnard Solomon aus Neuwied im Duell gegen das Mitglied der „Rhenania" Karl Drring. Er starb am 12. Februar. Anlaß zum Duell gab der Ausdruck „krummer Jndenjunge", der mit „die Rhenania sollte sich moralisch gephrfeigt betrachten" erwidert wurde, welcher Wortwechsel in fast betrunkenem Zustande geführt wurde. Die bei seinem Begräbnisse am 15. Februar gehaltene Grabrede des Herrn Rabbiners Dr. Adolf Schwär; aus Karlsruhe, aus welcher tiefe npfundener Schmerz und tiefverletzter Stolz hervorklangen, ist im Dn cke erschienen, wie auch die kurzen tiefgefühlten Ansprachen zweier Freunde der Herren Dr. Slum und Dr. Kenner Es ist traurig, daß dem Zerrbilde des Ehrbegriffes in unserem Vaterlande immer von neuem Totenopfer gebracht werde». — In Karmstadt starb am 3. März Herr Landrabbiner Dr. Inlins Landsberger. Er war früher in Kosen und 30 Jahre lang in Darmstadt. Er hat die jüdische Litteratur mit sehr wertvollen Arbeiten bereichert und war einer der wenigen klassischen Rabbiner der Jetztzeit, der für eine Reform des Judentums in Wort und Schrift eintrat. Unter großer Beteiligung fand am 6. März sein Lc ichenbegängnis statt. Neben den Herrn Rabbinern von Darmstadt, Main; und F anlrfurt a. M. sprachen an seinem Sarge Worte ehrenden Nachrufes der Präsi )ent des Mendelsohn-Vereins aus Frankfurt a. M., Herr Prof. Kenneberg und Herr Commerzienrat Klnmenthal. — Bei der zweiten Lesung über die äußeren Re htsverhältniffe der jüdischen Religionsgenoffenschaft im Gester-