Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-04-01 · Heft 4 (1.4.1890) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.4.1890)
Date
1890-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969933-2969938--2880-2976560
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 89 — , Urin) Heinrich und seine erlauchte Gemahlin wurden, wie berichtet wird, bei ihrem jüngsten Aufenthalte in Jerusalem auch von dem Vorstande der deutsch-jüdischen Gemeinde ehrerbietigst empfangen. Der kaiserliche Prinz besuchte die Tempelstätte und die westliche Mauer. — Der jüngst ausgegebene Bericht des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westfalen und die Kheinprooinz enthält die Erklärung des Mitbegründers Herrn S. Zlumrnan, daß er in Folge seines Rücktritts vom Lehramte und seines Wegzugs von Bielefeld nach 34 jähriger Thätigkeit vom Vorstande ausscheide. Die Zahl der Unterstützungsanteile ist auf 75 gestiegen, wodurch dieselben von 64 auf 42 Mark herabgesetzt werden mußten. Eingenommen wurden im Jahre 1889 Mk. 6145.66. — Die Volksschulen in Preußen wurden nach statistischen Erhebungen im Jahre l 886 von 35,000 jüdischen Schülern besucht, wovon 13,000 jüdische Schüler auf jüdische Schule» entfallen, deren es 318 gab. — Am 27. Januar fand unter großer Beteiligung die Enthüllung des Grabsteiires des verewigten Rabbiners der israelitischen Gemeinde in Leipzig, des sel. Herrn Dr.A.W. Goldschmidt, in feierlicher Weise statt. Sein Amtsnachfolger Herr Dr. Porges schilderte das nnvergessene selbstlose Wirken des Verstorbenen, der ein langes Leben in den Dienst der Menschheit gestellt hat und dem die Anerkennung seiner dankbaren Gemeinde allezeit gesichert bleibt. — Am 10. Februar starb in Darmstadt der ein. Bezirksrabbiner Herr K. H. Flebinger, früher Rabbiner in Weisrnheim und Merchingen. Er war Mitglied des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten in Baden, und hat sich durch die Herausgabe biblischer Geschichtsbücher bekannt gemacht, die vielfach, in Schulen eingeführt sind. — Herr Emil Ettlinger in Kretten fand am 19. Januar bei einem Brande als Feuerwehrmann den Tod. Se. Hoheit der Großherzog ließ in einem Schreiben der Wittwe seinen herzlichsten Anteil über den in opferwilliger und mutiger Ausiibung seiner Pflicht verunglückten Mann ausdrücken. Auch in Nauheim fand ein junger Mann, Namens Woritz Lob aus Friedberg, den Tod, der einen evangelischen Theologen beim Einbrechen ins Eis vom Ertrinken retten wollte. — Alle Kultusbeamten der Synagogengemeinde in Lrrlin, soweit sie nicht preußische Staatsbürger oder Angehörige des deutschen Reiches sind, lvurden in Folge des Prozesses, in welchem der Gemeindevorstand wegen Anstellung eines ausländischen Kantors, verurteilt wurde, entlassen. — Der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Kerlirr hat den Beamten, die jährlich unter 2700 Mark Gehalt beziehen, denselben um 8 Proc. erhöht. — Man berichtet uns aus Errbnr vom dem Tode des Herrn Jonas Mayer, der durch seine patriarchalische Tugenden und durch seine talmudischen Kenntnisse als eine Zierde der Gemeinde dastand. - In Oestrich sind Grabdenkmäler auf dem jüdischen Friedhofe zerstört worden. — Herr Rechtsanwalt und Reservelieutenant Di'. Klassing in Kirlrfeld hat am 27. Januar, dem Gebnrtstagsfeste Sr. Majestät des Kaisers, zu einer Anzahl von Jungen vor dem Gesellschafts- Hause „Eintracht", wo das Festessen abgehalten wurde, bei seinem Austritte aus demselben gerufen: „Seid ihr auch wirklich ordentlich und anständig? Ist auch kein Jude unter euch?" Es war aber zu der Schaar der Gassenjungen, die für 3 Mark in ein Hoch auf den Kaiser ausbrachen, unter anderen Zuschauern auch ein jüdischer Handwerker herzugetreten, der auf die Frage des Herrn Dr. Klassing „Was ist das für ein Junge?" ruhig antwortete „Ich bin ein Jude", worauf Klassing erwiderte: „Weg mit dem Indenjungen, will keinen Jndenjungen, abgeblitzt Judenjunge". Die Sache wird gerichtlich ausgetragen werden, da Herr Dr. Klassing die nöthige Ehrenerklärung 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.