Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1890)
- Date
- 1890-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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88 unterm 28. Jan. erklärt, daß auch dermalen nach Einführung der Zivilehe dem Bezirksrabbiner in dessen Bezirke die alleinige Befugnis zur Vornahme von Kopulationen israelitischer Brautpaare zustehe und wird demselben seitens des Herrn Regierungspräsidenten anheim gegeben, ihm jeden einzelnen Fall der unberechtigten Vornahme e uer Trauung durch einen anderen Rabbiner zur Anzeige zu bringen. — Am 5. Februar hielt Herr Hofprediger Ken; in Dresden einen Vortrag über „Häuslichen Sinn". Er hob ganz besonders den Familiensinn des jüdischen Volkes hervor, der den Bekenner» des Judentums bis auf den heutigen Tag in hervvrrc gender Weise verblieben sei. — Die „Frankfurter Zeitung" (Nr. 36) veröffentlichte einen bisher ungedruckten Brief Körne's an seinen Vater, aus dem wir folgenden Satz hervorheben: Aber wenn ich darum zurückgesetzt werde, weil ich ein Jude bin, was bleibt mir dann übrig als mit Wort und Schwert das graue Vorurteil zu vernichten, und meine Rettung in meinem Mute zu suchen? Soll denn die erstorbene Zeit aus ihrem Grabe heraufsteigen, soll sich die Gegenwart verjüngen um 20 Jahre und dem Schicksal befehle», mir eine Christin zur Mutter zu geben?! — Herrn Dr. S. Lörvrnfeld in Kerlin wurde für seine Bemühungen um die Ausgabe der Jafföschen „Regesta pontificum Romanoruin'’ von der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen ein Ehrenpreis von 000 Mark verliehen. Zwei Juden also, Iaffs und Löwenfeld, haben um die Reuesten der Päpste die größten wissenschaftlichen Verdienste. — Es verdient anläßlich des stattgehabte» Geburtsfestes Gabelsberger's am 9. Februar hervorgenobeu zu werden, daß er in Leopold Ker;feld, dem Cantor der israelitischen Gemeinde in München, gestorben 1842, einen Freund besessen, der ungemeine Liebe zur Stenographie besaß und mit Aufopferung für die Verbreitung derselbe» wirkte. Der Minister Graf v. Benzel-Sternau kaufte auch die Schriften, die. Hertfeld hinterlassen, an. Bei dem Tode Gabelsbergers 1849 fanden sich sehr vi:le Briefe Herzfeld's im Nachlasse. In den Schriften Prof. Seufert's und Dr. Hofsmann's über Gabelsberger werden die Verdienste Herzfeld's betont. — Am 9. Februar wurde der neue Anbau am israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache in Köln, in welchem sich auch der Betsaal befindet, durch Herrn Rabbiner Dr. Frank bei Gelegenheit der Gedächtnisfeier für die verstorbenen G inner und Wohlthäter eingeweiht. — Am 18. Februar gelangte in Hamburg, Franchrttis Oper „Asrael" mit durchschlagendem Erfolge, in Anwesenheit des Komponisten, der wiederholt stürmisch gerufen wurde, zur Aufführung. — In Hi rlin wurde ein „Jüdisches Mädchenstift" gegründet, welches die hauswirtschaftliche Ausbildung unbemittelter Mädchen bezweckt. Vorsitzende ist Frau Julie Ammann. In Verbindung damit wird die Errichtung einer Speiseanstalt mit billigen Preisen für junge Mädchen beabsichtigt.—Herr Commercienrat Albert Arons in Kerlin hat dem Magistrate daselbst 20,000 Mk. für Freistellen in Heimstätten für Genesene überwiesen. — Großen Erfolg erzielte jüngst in Kerlin am Lessingtheater „das Bild des Signorelli" von dem Juristen Kichard Iaffs, der sich als Verfasser des Schauspiels Konstantin Krach nennt. — Frau Kantine Kerlin in Fürth hat mit einem Kapitale von 10,000 Mk. eine „Wilhelm Berlin'sche Unterstützungsstiftung" errichtet, deren Zinsen alljährlich an unverschuldet in Not geratene Handwerker verteilt werden sollen. — Nr. 25 der Mitteilungen vom JDeutsch-isr. Gemeindebunde" enthält die preisgekrönte Arbeit des Herrn Arnold Suowig„die Wichtigkeit des jüdischen Religionsunterrichtes und der Schaden, welcher an der Vernachlässigung desselben erwächst". — Se. Hoheit