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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-04-01 · Heft 4 (1.4.1890) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.4.1890)
Date
1890-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 Am Donnerstag Nachmittag war strenge Prüfung;, da mußten die Schüler Rechenschaft ablegen v in dem, was sie die Woche über gelernt hatten. Der Donnerstag Nachmittag war daher ein sehr gefürchteter Gerichtstag. Wenn die Kinder den Erwartungen des „Rebbe" nicht entsprachen, so stieß er an den Tisch und schob ihn auf die um den Tisch herum versammelte Schuljugend. Mit diesem summarischen Vwfahren erleichterte sich der geplagte „Rebbe" sein pädagogisches Geschäft. Der Donnerstag-Nachmittag kam heran und die Kinder setzten sich in Furcht und Sc-recken um den Tisch. Gawriele aber lachte still in sich hinein. Als die Mitschüler bemerkte», daß er lachte, da fragten sie ihn: Gawriele, warum lachst du? ist deun heut' nicht Donnerstag? Wie spät ist? — fragte Gawriele, anstatt die Frage zu beantworten, und die Mitschüler » einten, er hätte sich nur vergessen und sie hätten ihn zur Besinnung gebracht Sie sahen auf die Wand hin, wo die silberne Taschenuhr des Rebbe zu hänge» pflegte, um zu sehen, wie spät es sei; aber die Uhr hieng nicht an der Wand,; k Wo ist die Uhr? — fragten die Schüler; indessen aber kam der Rebbe, das „Verhören" begann und sie vergaßen die Uhr; denn der Schweiß trat ihnen aus den Poren. So wie ticr erste Fehler gemacht wurde, stieß der „Rebbe" »nt Heftigkeit den Tisch, paff — da fiel am anderen Tische etwas auf die Erde — es war die silberne Taschenuhr des Rebbe, die nun zerbrochen auf dem Boden lag. Weh nieiü' Uhr! — rief der erschrockene Rebbe. — Da steckt gewiß Gawriele darunter! Der „Rebbe" hat ja allein die Uhr heruntergeworfen — sagte Gawriele. — wenn der Tisch da nicht nur zunr Lernen gemacht ist, dann ist auch die Uhr da nicht nur zuni Stundenweisen gemacht, und der Deckel von der „Gemorah" da nicht nur zu )em, was der Buchbinder bannt gemeint hat. Seit jenem Donnerstag-Nachmittag hat der „Rebbe" die Kinder nicht nrehr mit dem T sche gestoßen. M o n a 1 s f ch a n. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" ist in den Besitz des Herrn Kudolf Molle in Hrrlin iibergegangen. Als Redakteur zeichnet Herr Mar Kauchmih. — Im V« rlage der H. L. Brvn'ner'schen Druckerei in Frankfurt a. W. (Gr, Hirschgrabcn 3a.) erscheint alle 2 Monate eine neue Zeitschrift unter dem Titel „Central-Arzeiger für jüdische Litteratur" herausgegcben von Rabbiner Dr. N Zrüll. — Zum Besten des Stipendienfonds für die Wissenschaft des Judentums hielter in Berlin am 3. Februar Herr Prof. Dr. Lazarus einen Vortrag über „Vererbung und Charakter", ain'10. Februar Herr Prof. Dr. Steinthal über „Was Gott thut, das ist wohl gethan" und am^48. Februar Herr Dr. Samuel Löwe ifeld über „die Zeit der Entstehung der Papsttums", Herr Dr. Gustav Karpe es hielt am 24. Februar im Saale der „Gesellschaft der Freunde" in Kerlin einen Vortrag über „Was haben die Juden in Afrika zu, suchen"? Er gieng in diesein interessanten Vortrage den Spuren der verloren-

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