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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-04-01 · Heft 4 (1.4.1890) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.4.1890)
Date
1890-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 solches Verfahren nur Märtyrertum, Schwärmerei, durch die das Unheiligste geheiligt, das Niedrige vergöttert wird. Auf gewaltsame Weise wird überhaupt dem beabsichtigten Zwecke, gehe er auch aus den edelsten Motiven hervor, entgegengearbeitet. Gerechte Aufsicht und Beförderung der religiösen Angelegenheiten der Juden von Seiten der hohen Potentaten Deutschlands lassen das schönste Resultat erwarten, und vor allen bewährt sich hier Sachsen. Darum darf nun auch der künftige Rabbiner Dresdens das Gelingen mancher Verbesserungen, die freilich mit der größten Umsicht und Behutsamkeit bewerkstelligt werden müssen, sich mit Gewißheit versprechen. Wo Berfolgungssncht und Religionshaß von allen Seiten drängen, da glaubt endlich der Verfolgte sich ganz auf den Himmel angewiesen, den er aber ganz allein für sich in Besitz nimmt Es spricht ihn hinieden nichts an, seine Verfolger kann er nichts als Menschen, als Brüder anerkennen, er ergreift jede Gelegenheit, sich von ihnen zu trennen, und so soll die Religion ihm eine Scheidemauer werden; was diese Scheidemauer vergrößern kan», nimmt er mit Freuden auf, er giebt Allem, wodurch er von den Zeitgenossen abweicht, einen religiösen Anstrich, der sich auf die unbedeutendsten Umstände des Lebens, sogar auf die Kleidung erstreckt. Nur durch humane Duldung nähren sich die Menschen, sie lernen sich gegenseitig anerkennen, die schwersten Barrieren werden niedergerissen. Das was unbefugt in das Religionssystem eingeschlichen, wird ausgemerzt. Das Unwesentliche wird von dem wesentlichen getrennt, jenes kehrt in sein Nichts zurück, dieses aber bleibt in Ewigkeit: das Wesen der Religion ist des Menschen unsterblicher Anteil. Und nur auf dieses sieht der Herr, vor dem ich hier in Wahrheit sage, daß mein Wille gut sei: meine Kraft wird sich in meinem.künftigen Wirkungskreis erproben. Sie bleibt stets nur sterblich und schwach,' wer kann für sie bürgen? Aber das Wollen ist in unsrer Macht und ich will wahrhaft das Wohl meiner Brüder. Mögen sie von dieser meiner Ueberzeugung durchdrungen sein, möge jedes einzelne Glied meiner Gemeinde erkennen, daß mein Streben auf die Verbreitung der Erkenntnis des Wesen der Religion gerichtet sei. Als einer der vorzüglichsten Punkte, an welche sich das religiöse Fortschreiten der israelitischen Gemeinde zu Dresden knüpft, ist unleugbar, der Bau eines gemeinschaftlichen Gotteshauses zu betrachten. Ich wage schon heute einem hohen Ministerio des Cultus und öffentlichen Unterrichts und einem wohllöblöblichen Rate diesen Wunsch auszudrücken, denn nur so wird das Wort des Herrn Allen zugänglich und so wird der Volkslehrer auf seine ganze Gemeinde einwirken können, es läßt sich endlich nur in einem allgemeine» Gotteshause, wo der Rabbiner unmittelbar den Gottesdienst leitet, die gewünschte Andacht und Ordnung Herstellen. Vielleicht könwte meine Gegenwart etwas zur Beförderung dieses Unternehmens beitragen und ich wünsche daher nun bald mein Amt in Dresden anzutreten." . Diese Zuschrift des jugendlichen Frankel enthält ein männliches und freisinniges Programm. Gleichzeitig erwirkte das Cultusniinisterium bei dem Ministerium des Innern die erforderliche Niederlassungsgenehmigung, für vr. Frankel, dessen Gattin und

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