Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 67 dichtes „AhasveruS", in welchem in drei Abteilungen von je 40 Gesängen der Werdegang des Menschen von Jesu bis Goethe geschildert wird, und einer Schrift über den Apostel Paulus. Er war mit der Welt zerfallen, er pflegte sich zu äußern „Heutzutage ist Alles Partei und Clique; ich bin aber meine Lebtage ein Mann der Wahrheit gewesen, welcher seine Meinung ausgesprochen hat unbekümmert ob sie rechts oder links, oder auf beiden Seiten mißfällt." Heller wollte auch ein Gegenstück „Asmodai" schreiben, um der Gegenwart einen Spiegel vorzuhalten. Bier Bände Gedichte im Manuskripte finden sich im Nachlasse Hellers, wovon ein großer Teil Stoffe aus der biblischen Zeit und der jüdischen Geschichte behandelt. Auch hat Heller eine Tragödie „Die letzten Hasmonaeer" verfaßt. Tiefempfundene Worte rief Herr Rabbiner Dr. Hüdrmann dem Heimgegangenen ins Grab nach. Wehe der Zeit, welche einen Mann wie Seligmann Heller unverstanden und unbeachtet unter sich wandeln ließ, unvergleichliche Ehre aber dem Volke, aus dessen Mitte ein so strahlender fleckenloser Charakter hervorgegegangen ist! — Am 20. Februar 1890 sind es hundert Jahre gewesen, seitdem Kaiser Josef II. seine edle Seele ausgehaucht. (Samstag 6. Adar 5550). — Am 11. Januar hielt im Vereine „Aphike Jehuda" in Prag Herr Dr. Med« länder aus Pisek einen Vortrag über „Religions- und Racenhaß im biblischen Zeitalter." — In der am l l. Januar in Wien abgehaltenen Plenarversammlung der österreich-israelitischen Union hielt Herr Dr. Marimilian Steiner einen Bortrag über „der innere Antisemitismus." — Am 8. Dezember hielt Herr Dr. Kohut im Saale des Grand-Hotel in Prag einen Vortrag über „Alexander v. Humboldt und das Judentum". Er hob hervor, daß Humboldt den Mut hatte an den Höfen der Könige Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. für die geknechtete verfolgte um ihres Glaubens willen verachtete jüdische Nation einzntreten, da er aus dem Umgänge mit hervorragenden Juden seiner Zeit jüdischer Leben aus eigener Anschauung kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Zunächst war es Moses Mendelssohn, in dessen Haus, das damals der Sammelplatz aller Berühmtheiten der deutschen Metropole war, er schon als Jüngling eingeführt wurde und zu deni er sich besonders hingezogen fühlte. Er verkehrte viel mit den Schülern Mendelssohns, mit Hofrath Dr. Marcus Herz und David Friedländer. Zu der Frau des ersteren, der durch Schönheit und Geist ausgezeichneten Henriette Herz, stand er in freundschaftlicher Beziehung. Humboldt wurde von reäcttonärer Seite als „Judengenosse" bezeichnet, was ihn aber nicht hinderte, für die Emancipation der Juden in Wort und Schrift einzutretep. Herr Dr. Kohut wies auch auf die Stellung Humboldts zur Bibel sie und schloß seinen geistvollen Vortrag mit den Worten: Mit der Liebe für alle göttlichen und menschlichen Dinge war das Herz Humboldts erfüllt, darum konnte er sie weit und breit spenden und darum wurde er ein so beredter Dolmetsch all' der Schönheiten und Kostbarkeiten der heiligen Schriften in der Gottes Geist waltet und der Odem der Ließe weht. — Bon der Zeitschrift zur Bekämpfung des Antisemitismus (Linz a. d, Donau Landstraße Nr. 7) ist das sechste Heft erschienenen. In dieser Zeitschrift wird dem wüsten Treiben der Antisemiten mit Energie entgegengetreten, weßhalb dieselbe empfohlen zu werden verdient. — Nach dem für das Jahr 1890 auSgegebenen Budget der israelitischen Religionsgemeinde in Hndapest sind die.Ausgaben auf 263891 fl. ö W. festgesetzt. — Bon dem israelitischen Frauenverein in Gra; ist eine Denkschrift über dessen Wirksamkeit in den zehn erste« Iahen seiner Bestandes erschienen. Derselbe hat während dieser Zeit ein Kapital von 3500 fl. angesammelt und Armenspenden in gleicher Höhe verteilt, — Eine Depu- 6*