Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 tation des ungarischen israelitischen Landes-Kultusbeamten-Vereins erschien bei dem Herrn-Kultusminister Grafen Alwin E;aki Der Führer derselben, Herr Oberkantor Prof. Moritz Friedmann schilderte das Elend der Kultnsbeamten, die der Willkür der Gemeindevorsteher preisgegeben, oft von ihrem Amte enthoben und dadurch brodlos werden. Der Herr Minister versprach Abhilfe zu verschaffen. — In Preßburg tagte am l. u. 2. Januar eine Konferenz orthodoxer Rabbiner unter Vorsitz des Herrn Oberrabbiners Schreiber. Festsetzung und Promulgierung des Beschlusses, das es in Ungarn zweierlei jüdische Consesiionen gebe, soll in derselben beschlossen Wörden sein. — Herr Heinrich Jellinek in Hudapeft wurde in Würdigung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Verkehrswesens von Se. Majestät dem König Fron; Josef in den erblichen ungarischen Adelstand erhoben und ihm das Prädikat „Haratzti" verliehen. Er ist ein Neffe des Predigers Herrn Dr. Adolf Jellinek in Wien. — Nach Aula wurde Herr Dr. Salomo« Spira als Rabbiner berufen. — Der zum Titular-Bischof von Arbe ernannte Domherr und Vicepräsident der ungarischen Akademie der Wissenschaften, Herr Dr. Wilhelm Fraknoy, ist ein getaufter Jude und hieß früher Frankl. — Herr Dr. Iaques Fischer in Wien, der sich in Folge beleidigender Kritik seiner Thätigkeit als Verteidiger im antisemitischen „deutschen Volksblatt" veranlaßt sah, den Redakteur dieses Blattes, Herr Earl Wolf, zum Duell zu fordern, das übrigens unblutig verlief, wurde zu sechs Wochen und letzterer zu einem Monat Haft verurteilt. — Der Abonyrr Rabbiner Dr. K. Dajda hält wöchentlich jüdisch-litterarische Borträge, welche lebhaft besucht werden. Das Reinerträgnis der Eintrittsgebühren wird wohlthätigen Zwecken gewidmet. — Der verdienstvolle Lehrer der Aalaser Gemeinde Herr Josef Gros;, der ein wahrer Meister auf dein Gebiete des Unterrichts war, verschied am 29 November. Derselbe wirkte 30 Jahre in benannter Gemeinde. — In G'-Hecse verschied der 71 jährige Herr Philipp Grünbaum Er war Komitats- und städtischer Repräsentant und langjähriger Schulpräses seiner Gemeinde. Er war der wohlthätige Ratgeber und Freund der Lehrer. An seiner Bahre sprachen der Rabbiner Dr. Löw aus Szegedin und I. Pallack aus Törek- Becse. Die Bahre wurde auf Wunsch des Verstorbenen abwechselnd von 10 Ortsarmen getragen — Am 1. Januar beging die Zeitschrift „Archive« Israslirs" in Paris die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens. — In Paris starb Herr Graf Abraham de Eamondo, der gleich seinem jüngst verstorbenen Bruder durch seinen Wohlthätigkeitssinn sich der Hochachtung weiter Kreise erfreute. — Am 18. Dezember starb in Paris der dortige Obcrkantvr Herr Ketten, welcher — seit 1858 in Paris im israelitischen Tempel der Straße Notre-Tame de Nazareth wirkend — ein Alter von 75 Jahren erreicht hat. Oberkantor Ketten, ein Oesterreicher, war der Vater des seinerzeit zur Berühmtheit gelangten Pianisten Henri Ketten. Dieser ein Lieblingsschüler Liezt's, starb, bald nachdem er sich in der musikalischen Welt einen Namen gemacht hatte, in Paris. — Herr Friburg, General-Direktor im Zentral Post- und Telegraphen-Departement in Frankreich, har den Auftrag erbal'en, in verschiedenen Ländern Europa's das Postwesenzu studieren und über die Verbesserungen, welche er für das französische Postwesen geeignet hält, Bericht zu erstatten. — Das Haus Rothschild in Paris hat für die an der Influenza erkrankten Armen lOOOOo Frcs. gespendet. — Bei Wiedereröffnung der Vorlesungen der Universität inF'öwen hielt der Rektor Professor Abbrlos eine Eröffnungsrede, in welcher er einen Spezialkursus über alttestamentliche Kritik anlündigte; er bezeichnete die Aufgabe dieser Vorlesungen mit den Worten: „Die Theologie hat eine doppelte Aufgabe; einesteils hat sie die