Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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M— fr -■■ .,'?jyTtKmr^yr;,,-;,7.. , v.-.«... ...- — 65 — Schadow in der Leitung der Kunstakademie. Hier schuf er nun ein mit den Dresdener Werken wetteiferndes zweites großes Hauptwerk in der Ausschmückung der Aula der Realschule mit großen Wandgemälden in Oel und Wachs. 1872 malte er noch ein weiteres Hauptwerk, „Die Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft", das sich im Besitze der Nationalgalerie befindet. — Auf der letzten Kunstausstellung in München erregte das Bild eines jüdischen Malers berechtigtes Aufsehen. Ein hervorragender Münchener Kritiker äußert sich über dasselbe in folgender Weise: Den höchsten Preis aber verdient unseres Bedünkens der „Talmudbachur" von dein Ungarn Isidor Kaufmann, ein Bild, aus dem eine ganze Seele strömt: Ist winkeligem Gemache durch dessen Fensterlein ein Stück des hellen Winterhimmels blickt, sitzt ein bleicher Knabe vor dem Buche der rabbinischen Weisheit, das auf ungefügem Schemel ruht. Die ganze Denkkraft, alles Emfipnden in dem jungen Menschen, scheint angespannt Ul'sein; Entbehren, Zuversicht, jene Glückseligkeit, welche die Arbeit gewährt, schimmern auf seinein Antlitz. Auf dem niedrigen Ofen rösten wenige Aepfel, die armselige Mahlzeit; auf dem kleinen Regale steht, als ein unersetzlicher Schatz, die bescheidene Bücherei — die einzige Tröstung in dem leidensreichen Leben des Studenten. — Die auf der deutschen Jubelausstellung in Herlin von dem bekannten, in Paris lebenden, Wiener Bildhauer Heer ausgestellte Marmor-Statue: „Albrecht Dürer als Knabe, (Lebensgröße) sein Selbftporträt zeichnend", war von solch' intensiv künstlerischer Wirkung und erfreute sich dermaßen der Anerkennung der Fachkreise, daß diese Statue von der deutschen Regierung für die deutsche National- Galerie zu einem sehr hohen Preise erworben worden ist. — Der am 10. Januar erfolgte Tod des berühmten Gelehrten Herrn Ignah von Kölliuger in München hat auch in jüdischen Kreisen große Teilnahme hervorgerufen. Er trat dem Antisemitismus mit dem Vollgewichte seines Namens und seiner litterarischen Bedeutung entgegen, in einem am 25. Juli 1881 in der Festsitzung der Akademie der Wissenschaften in München gehaltenen Vortrage „die Juden in Europa" der im ersten Bande seiner Akademischen Vorträge gedruckt vorliegt und mit dem Satze aus der Sophokleischen Antigone schließt: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da". — Am 25.| Dezember wurde zu Hannover Herr Oberkantor Herggrün zu Grabe getragen. Ein jäher Tod ereilt ihn, als er den Taktstock noch in der Hand haltend, einen Gesang geleitet hatte. Er stammte aus Warschau, woselbst er 1828 geboren wurde. — Nach einem von Dr. G. Iberti auf Grund von im königl. Staatsarchive aufbewahrten Quellen sin der „Deutschen Tabakzeitung" veröffentlichten Aufsätze „Der älteste Tabakbau und- -Handel in Brandenburg" waren es zwei Juden David Uathan und Hartwig Daniel denen der Ruhm gebührt, zuerst den Tabakbau cultiviert und damit nach obrigkeitlichem Schutze einen entsprechenden Handel verbunden zu haben. In demselben Aufsatze findet sich die betreffende Urkunde, „Gegeben zu Coelln a. d. Spree den 27. Mai 1867" unterzeichnet von Friedrich Wilhelm abgedruckt. — Herr v. Geritschte schreibt in dem jüngst veröffentlichtest Teile seiner „deutschen Geschichte im 19: Jahrhundert" über Heinrich Heine „Er war ein ungezogener Mensch ohne künstlerisches Vermögen, .sein Ruhm war nur möglich in einem Geschlecht, das über seinen fremdländischen Träumen den uralten Gegensatz arischer und semitischer Empfindung leichtsinnig vergessen mochte." Heine wird trotz Herrn v. Treitschke gerade wegen seines künstlerischen Vermögens von aller Welt nur gepriesen. — Heinrich Heine wohnte im Jahre 1820 bei dem Schuster Müller in Güttingen. In eine Glasscheibe gravierte er damals seinen Nameu ein. Der Schuhmacher