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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-03-01 · Heft 3 (1.3.1890) · p. Seite 56

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 3 (1.3.1890)
Date
1890-03-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Bedacht nehmen, ein hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Ausbildung und seines moralischen Charakters geeignetes Subjekt dem Ministerium vorzuschlagen. Das teilte der Rat — 15. Mai — den Aeltesten Kaim Samuel und Genossen mit. Die Rabbinerwahl scheint die Wellen des jugendlichen Gemeindelebens sehr bewegt zu haben. Wenigstens ergiebt sich das aus einer Beschwerdeschrift, welche der Aelteste Kaim Samuel im Juni 1835 an das Cultusininisterium richtete. Er unterschrieb dieselbe als „erster Vorsteher." Das war er nicht. Denn die damaligen drei Aeltesten Kaim Samuel, Mendel Schic und Hirsch Beer waren untereinander ebenso gleich berechtigt, wie die jetzigen Vorsteher es sind. Er wurde gleichzeitig mit dem jüngeren Mendel Schic 1813 als Aeltester gewählt, und legte, wie dieser, 1837 sein Amt nieder, kurz nachdem ihr 1821 gewählter College Hirsch Beer verstorben war. Daß die Beschwerde Kaini Samuels zunächst und hauptsächlich gegen den C>ohn seines College», de» I>r. Beer gerichtet war, und daß dieser die Wahl I^r. Frankels eifrigst betrieb, belegt der in der Handschrift des Dr. Beer «i den Gemeindeakten, die Wahl des Di-. Frankel betr. Bl. 1 aufbewahrte Entwurf eines Gesuchs an die Aeltesten vom 25. Mai 1835, folgenden Inhalts: „Unterzeichnete, von der Ueberzeugung beseelt, daß die religiösen Bedürfnisse unserer Gemeinde durchaus erfordern, daß ein Mann als Rabbiner an unserer Spitze stehe, der mit wahrhafter inniger Gottesfurcht und genauer Kenntnis der Religionsgesetze zugleich gründliche, wissenschaftliche Ausbildung erlangt und die Anforderungen unserer Zeit völlig begriffen habe, auch die nötige, edle Energie besitze, das Gute wirklich in Ausführung zu bringen, damit unsere Genieinde und besonders die Jugend eine solche geistige und sittliche Richtung gewinne, welche — unter den jetzigen Verhältnissen allein fähig ist, unser ewiges, sowie unser jetziges Wohl zu begründen — in Betracht ferner, daß der ausgesprochene Wille der höhen Staatsregierung mit obigem Wunsche völlig übereinstimmt — ersuchen wir die Herren Aeltesten der hiesigen isr. Genieinde, die Wahl des Herrn Kreisrabbiner Di-. Frankel in Töplitz, welchen wir für völlig geeignet halten, obigen Anforderungen zu entsprechen, zum Oberrabbiner unserer Gemeinde möglichst zu befördern, und ermächtigen Sie deßhalb, in nähere Verhandlungen mit gedachtem Herrn Kreisrabbiner Di-. Frankel zu treten." Wohl im Hinblick auf diese Aufforderung beschwerte sich Kaim Samuel beim Ministerium darüber, daß drei Gemeindemitglieder „ohne alle Verordnung seitens der Aeltesten" seit drei Wochen bei dem größten Teil der Gemeindemitglieder Stimmen für Di-. Frankel in Töplitz gesammelt haben. „Dabei — klagte Kaim Samuel — haben sich dieselben nicht entblödet, diese Stimmen durch alle nur möglichen Kunstgriffe, als durch Vorspiegelungen, Ueberredungen, ja sogar Drohungen zu gewinne», wozu sie meist Hausflüren, auch öffentliche Wirtschaften benutzt haben." Kaim Samuel verlangte „als verpflichteter Vorsteher," das Ministerium solle schleunigst alle nicht auf legalem Wege, d. h. ohne Bestimmung der Aeltesten zu sammelnden Unterschriften untersagen, die bisher gesammelten für null und nichtig erklären und baldigst die Wahl im Gemeindehaus (an der Mauer, von 1824 bis 1858 im Besitze der Gemeinde), oder an Ratsstelle veranlassen, damit jeder Haushaltungsvorstand seine eigne Meinung äußern kann. (Fortsetzung folgt).

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