Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Der nachmalige König, damalige Prinz Johann — dessen Standbild jetzt auf dem Theaterplatz errichtet ist — sprach bei Berathung dieses Antrags in der Kammer, deren erstes und auch geistig hervorragendstes Mitglied er war, die denkwürdigen unvergessenen Worte: „es thue ihm leid, daß in dem Lande in dem er lebe, Einwohner noch um Gleichstellung bitten müssen!" Prof. Krug aber leitete seine Unterstützungsrede mit folgenden, ihn und die Lage kennzeichnenden Worten ein: „Als ich hörte, daß in einer früheren Sitzung der zweiten Kammer eine Petition gegen die Emancipation der Juden überreicht worden, fragte ich einen meiner Bekannten unter den hiesigen Juden, ob sie denn nicht auch eine Petition für die Emancipation einreichen würden und erbot mich dieselbe zu übergeben. Die armen Menschen waren aber durch die Beschränkungen und Bedrückungen unter denen sie hier so lange gelebt haben, dergestalt eingeschüchtert, daß sie es gar nicht wagen wollten, darüber bei den Ständen Beschwerde zu führen, und um Abhilfe zu bitten,, weil dieses die städtischen und Landesbehörden, in deren Händen ihr Schicksal läge übel nehmen möchten. Ich sprach ihnen aber Mut ein, und versicherte, daß ich alle Verantwortlichkeit deßhalb übernehme» wollte." Für dieses sein menschenfreundliches Eintreten zu Gunsten der Juden hatte Prof. Krug mancherlei Unbill zu erleiden. Dresdener Bürger verfluchten und verhöhnten ihn als „König der Juden." Er aber ließ sich nicht beirren. Im Jahre 1837 spendete er dem Mendelssohnverein die erste Stiftung von 250 Thalern. , Krug war „Ein Menschenfreund, ein Denker und ein Mann — Wo Geister quälte der Bedrückung Bann Da hat er sich zum Retter kühn erkoren. — \ Ob er auch manche Dornenkrone trug \ Er blieb der Wahrheit treu, der edle Krug. Wo Menschen litten, klang sein schützend Wort; Den Juden schuf er Hvflnnng bessrer Tage. — ,;Jhr Menschen liebt euch schonnngsvoll und mild,, , Das ist der Mahnruf den er uns verschrieben. S?in Name schwebt, gleich einem Rettungsschild Für Alle fort die Recht und Freiheit lieben."') Sv erklang's am 22. Juni 1870, am hundertjährigen Erinnerungstage seiner Geburt, als seinem Angedenken „Die Krugstiftung der Israeliten Dresdens" zu Stipendien ohne Glaubensnnterschied, zunächst für Angehörige Krugs, errichtet wurde. Der Aufruf dieser, (dem Stadtrat zur Verwaltung übergebenen) Stiftung betonte, daß Dr. Beer seinem Krug nach dem großen Vorbilde Beider, wie Mendelssohn seinem Lessing zur Seite stand, und daß „nun erreicht ist, was Krug gewollt, nun seit dem Jahre 1868 auch in Sachsen die Inden frei und gleich berechtigt, die Glaubensfreiheit verfassungsmäßig gewährleistet ist." Den Bemühungen I>r. Beer's und des von ihm beseelten und geleiteten Mendelssohnvereins gelang es im Jahre 1834, daß jüdischen Lehrlingen und Gesellen erlaubt wurde, ein Handwerk zu erlernen bez. zu betreiben. l} Aus: Stil Manen Krng's in „Zu Channka", Leipzig, Hartknoch 1877 T. 269.