Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 — 1781, verschiedene Juden sollten durch ein Rescript vom 3. August ausgewiesen werden. Sie suchten unter Beitritt der Aeltesten und unter dem Fürwort Mendelssohn's* *) um fernere Duldung nach (vergl. Rescript vom 19. Januar 1768). Bernhard Beer (seit 1834 Dr. ph.) war ein Autodidakt. Er hat keine Gelehrtenschule, keine Universität besucht, sich aber ein tiefes Wissen in jüdischer Geschichte und Litteratur, wie in der Philosophie zu eigen gemacht, was eine Anzahl trefflicher Schriften bekundet. Seine Leidenschaft — denn so durfte man sie nennen — für die jüdische Litteratur machte ihn zum eifrigen Saniniler ihrer Schätze. Er brachte eine sehr umfassende, reiche und wertvolle Bibliothek zusannnen und lebte und arbeitete in ihr mit der rührendsten Emsigkeit, Gründlichkeit und Bescheidenheit eines wahrhaften Weiser?). Und diese seine schriftstellerische und forschende Thätigkeit kam vorzugsweise und zunächst seiner Religionsgemeinde zu Gute, für deren geistige und politische Klärung er unermüdlich thätig war, wie vor ihm Keiner. Seine philosophischen Studien führten ihn in Berührung mit dem Leipziger Profeffor Krug, der auf Dr. Beer's Anregung und Vorstellungen hin in der ersten Sächsischen Kammer als Vertreter der Universität die bürgerliche Gleichstellung der Juden warm befürwortete. Dr. Beer gab den Anlaß und den Stoff hierzu t in einer Reihe von Denkschriften. Daneben' war er rastlos thätig, um durch persönlichen Verkehr mit befreundeten Abgordneten, wie durch Aufsätze in Zeitungen, die ihm zur Herzenssache gewordene Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen zu fördern. Infolge der von Dr. Beer verfaßten Vorstellung und der Befürwortung Krugs beschloß die erste Kammer (der dann auch die zweite beitrat) im Jahre 1833 einstimmig die Regierung um Revision der bisherigen Gesetzgebung über die Juden lind um eine Gesetzvorlage zur Verbesserung ihrer bürgerlichen Lage zu ersuchen.!) Mendelssohn Correspondenz. 2. Heft. Wien 1794. Beer, Vorstellung der israelitischen Gemeinde zu Dresden an die hohe Erste Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen, eingereicht und bevorworter durch Herr Prof. Dr. Krug, Dresden 1833. — Dr. Beer, Betrachtungen über den Gesetzentwurf, einige Modifikationen in den Verhältnissen der Juden in Sachsen betr. 1837. — Dr. Beer, Vorstellung der Verwaltung des Mendelssohns-Vereins zu Dresden an die hohe Ständeversammlung, die baldige Vorlegung des in der ständigen Schrift vom *9. Oktober 1834 von beiden Kammern beantragten Gesetzes zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten betr. 1837. *) Nach Dr. Beer's Ableben fiel sein reicher Bücherschatz zum größeren Teile dem Breslauer Seminar, im übrigen der Universität Leipzig zu. Das Kultusministerium dankte mittelst Bekanntmachung vom 20. März 1862 öffentlich für diese Schenkung, „wodurch der in der Universitätsbibliothek schon befindliche orientalische Bücherschatz und namentlich auch die specifisch jüdisch-talmudrsche Litteratur wesentlich bereichert worden ist" und hob hervor, daß «den edlen Geber insbesondere das Gefühl der Dankbarkeit und Anerkennung der den jüdischen Glaubensgenossen in der neuen Gesetzgebung des Königsreichs Sachsen gewordenen Gleichstellung" bestimmt hat. In einem Privatdankschreiben an Dr. Beer's Wittwe, vom 18. Februar 1862, sicherte Kultusminister von Falkenstein die Erfüllung ihres hierbei erklärten Wunsches zu: „daß diejenigen Stipendien an der Leipziger Universität, die nicht ausdrücklich für Studierende christlicher Konfession bestimmt sind, auch jüdischen Studirenden zufallen sollen." Das Seminar in Breslau verwaltet die ihm zugefallenen Bücher als „Dr. B. Beer's Bibliothek" und hat zwei Stipendien zu je 50 Mark für zwei würdige Seminaristen begründet die an Dr. Beer's Sterbetage die übliche Erinnerungsfeier hatten. Der in Dresden der Wittwe verbliebene Rest der Bibliothek Dr. Beer's fiel nach deren Ableben 1874 der israelitischen Religionsgemeinde Dresdens zu und bildete den Grundstock ihrer Gemeindebibliothek. (Wolf, Dr. Bernhard Beer, Berlin Ascher & Co. 1863, S. XLIX ff. Verwaltungsbericht der israel. Religionsgemeinde Dresdens im Jahre 1874/75. So wirkten Dr. Beer's Lieblinge, seine Geistesschätze, für allezeit segensreich in der Universität Leipzig, dem Seminar zu Breslau und der Gemeinde Dresden fort.