Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-02-01 · Heft 2 (1.2.1890) · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 2 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 47 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2969669-2969933-2969936--2832-2976510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

47 Gute wollen, und gelingt es ihm auch Nichtsein mal, das gesteckte, der Menschheit zu Gute kommende Ziel zu erreichen, so beseelt ihn doch das Bewußtsein, das Beste gewollt zu haben, und das ist schon ein schöner Lohn! Kopfhänger sind untaugliche, unnütze Erd- und Staatsbürger!" Pessimismus und Optimismus in ihren Extrenien irren, und verfehlen ihr Ziel, das wird uns an den Familienereignissen der beiden Freunde klar. I)r. Krüger erzieht seine herrliche, für alles Edle und Schöne begeisterte Dora, zur weltfeindlichen Philosophie.und entfremdet sie dadurch den; einzig wahren Berufe der Frau, der Liebe; während Biedermann, stets das Gute und Beste im Menschen voraussetzend, in der Erziehung seiner Kinder Olga und Hugo sorglos verfährt, so daß, als Opfer niedrigster Leidenschaft, Olga dem Falle, Hugo dem Selbstmorde zugeführt wird. Eine der erfreulichsten Figuren des Romanes ist der nach der Palme wahrer Kunst ringende, hoch veranlagte Maler Otto Rosengold, dessen Läuterungsgang durch das ergreifende Feuer der Liebe, — die Klippe aus jeder Künstlerbahn — hier psychologisch genau vorgeführt wird. Diese in das Leben jedes wahren Künstlers eingreifende Episode bildet in ihrer wahrhaft philosophisch durchdachten und ergreifenden Schilderung eine der interessantesten Seiten des Werkes. Der „Narr" ist Vegetarier, und leidenschaftlicher Gegner des Duells, und werden diese beiden, heute immer mehr hervortretenden Zeitfragen gründlich und meisterhaft behandelt. Ueberhaupt giebt eine Fülle schöner und wahrer ästhetischer und philosophischer Sentenzen und Penfi-es vortrefflicher Denker und Schriftsteller dem Werke eine bildende Weihe. Was speziell das Judentum betrifft, so bemerken wir, daß die jüdische Gesellschaft hier in ihrer zeitlichen Gestaltung, durch äußerst charakteristische Figuren vertreten wird. Da finden wir den Kaufmann Rosengold, mit einer materialistischen Weltanschauung: „Ich verachte Kunst und Wissenschaft keineswegs! Beide schätze ich im Gegenteil sehr hoch, so hoch wie es von einem Manne meines Schlages zu erwarten steht. Aber trotzdem miuß ich dem Gelde den ersten Rang einräumen, weil der Dümmste im Besitze eines nennenswerten Vermögens inimerhin eine Respekt erregende Person vorstellt, während ein in Lumpen gehülltes Genie in den Augen der geldgierigen, blöden Menge als ein bedauernswerter Tropf erscheint!" wir finden den edlen, schon genannten Sohn Otto, den Maler, den strebsamen, jungen Lehrer Oswald, der die Schriftstellerlaufbahn einschlage» will, den ehrlichen, an seinem Talmud festhaltenden Michael Beifuß, und dessen Gegenpart den betrügerischen, rohen Süßholz, der seine Strafe im Zuchthause findet. Das ,,haec docet“ des Romans ist die betrübende Wahrheit^ daß es selten dem wahrhaft, konsequent edlen Menschen gelingt, ein däuerndcs, ungetrübtes Glück ans Erden zu finden, während die Männer »der Mitte", welche dem Idealismus und Materialismus eine gleichwertige Verteilung in ihren Handlungsmaximen einräumen, es sind, welche das glücklichste Dasein hiernieden genießen. So trägt durch das scharfe unbestechliche wenn auch ätzende und schneidende Scheidewasser echter Wahrheit das Werk zur Lösung vorliegender Zeit- und Menschheitsfragen rühmlich bei, und ist daher allen Lesern, welche mit dem guten „Narren" das Streben nach Wahrheit für das höchste Ziel des Menschen halten angelegentlichst zu empfehlen. — Iufsuf und Suleicha. Romantisches Heldengedicht von Firdussi. Aus dem Persischen zum ersten Male übertragen von Gitokar Schlecht«- WIsehrd. (Wien, Druck und Verlag von Earl Gerolds Sohn, 1889.) Während uns die „Schanameh" Firdussi's durch die Uebersetzungen Wohl's und des Grafen v. Schack näher gebracht worden sind, war das herrliche „Jussuf und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.