Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969933-2969936--2831-2976509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 200Rabbiner reichten eine Petition an den Minister, der gemäß es zwei Judentümer giebt: ein orthodoxes und neologes! Sie wollen eine separate Confessio» bilden mit ihrem Apostel Ignatz Reich an der Spitze. — Herr Leo Kartschmaroff, der ausgezeichnete Obercantor der Groß-Kanifiacr israelitischen Gemeinde, feiert im Febr. sein 25 jähriges Dienstjubiläui». Von nah und fern rüstet man sich zu diesem Feste. — Herr Dr. Zalamon Zpira wurde zum Kulaer, Herr I)r. War. Kosenstein, früher Rabbiner zu Tapolcza zum Gr.-Kinkindaer und zum Homonaer orth. Rabbiner der Tirnauer Rabbi Herr. Jakob Fürst einstimmig gewählt. — In Raab wurde auf Initiative des Rabbiners I)r. Julius Fischer eine Talmud- Thora-Schule ins Leben gerufen, die sich bereits einer großen Frequenz erfreut. Weferate und Willeikmigeir. Im Verlage von L. Günther in Hamburg ist erschienen: „Der Jtarr“, Roman von W. Frank. Der verdiente Verfasser des an dieser Stelle zur Zeit rühmlich erwähnten Romanes „der Rabbi und fein Sohn" (Schotten, Druck und Verlag von Ph. Engels), hat den Büchermarkt diesmal durch einen größere» Roman bereichert. Der Verfasser, der sich stets in seine» Schriften den Horazischen Spruch: „Den ganzen Zweck hat erreicht, wer das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet" zur Richtschnur nimmt, hat sich auch in diesem Werke auf die volle Höhe des. Lebens gestellt, und dem Zeitalter „den Spiegel, die abgekürzte Chronik", vorgehalten. Hamlet sagt: das Stück gefiel dem großen Haufen nicht, es war Kaviar für das Volk. Aber es war, wie ich es nahm, und Andere, deren Urteil in solchen Dingen den Rang über dem meinigen behauptet, ein vörtreffliches Stück: in seinen Scenen wohlgeordnet, und mit ebensoviel Bescheidenheit als Verstand abgefaßt!" Dasselbe läßt sich über das vorliegende Werk sagen. „Der Narr" hier Dr. Kuno Krieger, ein echter Schüler Schopenhauers, und nur zu sehr auf die Worte des Meisters schwörend, ist mit seinem Sprüchworte: „Meide die Menschen und du wirst sie lieben!" der Typus des heldenmütig für seine Idee leidenden und lebenden, die Welt aus der erhabenen Höhe unnahbarer Denkweisheit anschauenden Philosophen, der nur zu oft in seiner Mysanthropie vergißt, daß er unter irdischen Verhältnissen, unter Durchschnittsmenschen lebt. Schlimmer Hütte der Pessimismus nie gegeißelt, aber auch zugleich in seiner edleren Gestalt, und seinen phylantropischen Zwecken bewundert werden können, als in diesem pedantischen, edlen, verehrungswürdigen Narren, der von den Menschen in umverso urteilt: „Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht sind leider die meisten, sogenannten ethischen Handlungen aller vernunftbegabten Wesen auf dem Mistbeet „Egoismus" gewachsen, und vermögen niemals den Geschmack ihres Mutterbodens loszuwerden!" Ihm gegenüber tritt der Pfarrer Biedermann mit gesunder, aus langer Lebens- und Berufserfahrung gewonnener, optimistischer Weltanschauung auf. Er sagt: „So weltschmerzlich fühle ich nicht! Als Verächter jeglicher quietistischen Anschauungsweise, als Feind alles Sichgehenlassens, als Gegner aller Schwächlinge, welche einem Fakir gleich unverrnckt ihre Nasenspitze beschauen, und „onr" rufen, als Antipode Aller, welche in Unthätigkeit versinkend, verzweifelnd die Hände in den Schooß legen, wenn das Unglück naht, erwiedere ich Ihnen, daß es unnatürlich, daß es ein Leugnen der Allweisheit, Allgüte und Allgerechtigkeit Gottes ist, wenn man im Weltall nichts als Jammer, Qual und Elend erblickt. Der Mensch muß „wollen" das