Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
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45 auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit hervorgerufen, daß wir auch eine solche Epidemie der Erstarrung der Geister und der Verschnupfung der Herzen verzeichnen und erleben müsst«, daß Mitbürger wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens bekämpft werden. —Der früher außerordentliche Professor des Staatsrechtes an der Wiener Universität, Herr vr Georg JellineK, wurde als ordentlicher Professor des Staats- und Völkerrechtes an die Universität Kasel berufen. — Man schreibt uns: Am 14. Dezember hielt Rabb. Ilr. Karl Wirberger aus Goltsch-Ieuikan im Vereine zur Verbreitung der Wi senschaft des Judentums, „Afike-Jehuda" in Krag einen sehr beifällig aufgenommeiien Vortrag über „Rabbinische Verordnungen und deren bindende Kraft". — .Nach Krünn wurde Herr Joseph Keller, bisher in Kaposvar, als Obercantor berufen. — Herr Ignatz Singer in Mödling hat in seinem Testamente 120,000 ft. i> W. zu Stipendien für Lehrer und Schulkinder der Stadt Wien ohne Unterschied der Confessionen letztwillig vermacht. — In Wien-Währing erscheint unt:r Redaction von Herrn Josef Morgenstern eine neue Zeitschrift „Oesterreich-Ungarischer Israelit". Das Blatt will sich ausschließlich in den Dienst der Erwecke ng des jüdischen Nationalgedankens stellen. Wir halten die Tendenz des Blattes für eine höchst unzeitgemäße, da dadurch die vorhandenen Gegensätze nur «nch mehr verschärft werden uud dem weltumfassenden Gedanken des Judentums dadurch gerade entgegengearbeitet wird. — Man schreibt uns: Die Filiale Kiptä-Ajonr der israelitischen Zentral-Gemeinde §ipto-S;t.-Wiklos wurde vor ungesähr 10 Jahren behördlich aufgefordert, dem Gesetze gemäß, da hier und in den benachbarten Dörfern mehr als 20 jüdische Familien wohnen, einen jüdischen Friedhof anzuschaffen. Es wurde sofort ein geräumiger Platz angekauft und mit Hilfe der opferfähigen und opferwilligen Mitglieder ist es bereits gelungen, denselben zu umzäunen und ein schönes, zweckentsprechendes Leichen-Haus zu erbaut«. — Man constituirte sich zu einer Chebra-Kadischah und ist nun im Begriff, die bereits von einer Generalversamnilung angenommenen Statuten, dem Ministerium des Innern zur Begutachtung zu unterbreiten. Dies alles wurde ausschließlich durch freiwillige Spenden der betreffenden Mitglieder des Vereins bewerkstelligt. Besonders ist lobend hervorzuheben Herr Moritz Horn aus Budapest, der hier ein großes Holzgeschäft besitzt, da er den J ganzen Holzbedarf zum Bau spendete. Dank sei ihm im Namen der guten Sache gesagt. — Aus Kattonya schreibt uns Herr Oberlehrer Spitzer: Der ung. Kultusminister legte dieser Tage den achtzehnten Bericht über das Volksschulwesgn dem Abgeordnetenhause vor. In gedrängter Kürze will ich die statistischen Daten über die ung. jüd. Schulen den gesch. Lesern des Auslandes zur Kenntnis bringen. Im Schuljahre 1888 waren von 16,622 Schulen 551 jüdischer! Konfession und nachdem die jüd. Einwohnerschaff 4 pCt. der Gesamtzahl hat, so wäre noch viel auf dem Gebiete der jüd. Volksschule zu thun. Leider giebt es drei Komitate, Marmaros, Bereg und Ugocsa, wo sehr viel jüdische Einwohner sind. Diese erhalten anstatt geregelter Schulen blos Cheders mit aus Galizien! importirten Melamdim! So sehen die ung. Chassidim aus! Die Zahl der jüdischen Schulpflichtigen (6— 12 jährige) betrug 123.673, von diesen besuchten faktisw die Schule 99.168. Die Schule besuchten nicht 24.505, welche Zahl genug schmachvoll ist. Von diesen 551 Schulen waren 498 ausschließlich mit ung. Unterrichtssprache, 50 mit ung - deutscher und nur in 3 mit blos deutscher. Von 24.379 Volksschullehrern waren 1012 jüd. Konfession. Mit Ausnahnie von 59 waren alle oiplomirt. — Die Orthodoxen Ungarns werden abermals eine Spaltung im ung. Judentum Hervorrufen.