Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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42 daß er einen jüdischen Mandatar als solchen nicht anerkenne, „weil derselbe vermöge seiner Abstammung und Religion verpflichtet sei, den Christen zu betrügen", wurde letzterer zur Zahlung von 150 Mark verurteilt. — In Fulda wurde ein Antisemitenverein gegründet. Die Bewohner wurden mit Flugblättern überschwemmt. Hoffen wir, daß in der alten Bonifaciusstadt die Bewohner verschiedener Konfessionen wie bislang in Frieden mit einander leben werden. — Der Vorstand der Spar- und Därlehnskasse einer Stadt in der Provinz Westfalen hat au einen jüdischen Einleger folgendes Schreiben gerichtet: „Auf Grund des neuen Genossenschaftsgesetzes kann fortan kein jüdischer Glaubensgenosse mehr a» der Spar- und Darlehnskasse Teil haben, mithin auch kein Anlehen in derselben anleaen; ich nehme daher Veranlassung, Ihnen mitzuteilen, daß laut Vorstandsbeschlstß vom 12. Dezember 1889 ihr Anlehen an die hiesige Spar- und Darlehnskasse gekündigt wird, und bitte, dasselbe nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist abzuholen (event. auch früher)". — Im „Kirchlichen Anzeiger" (Frankfurt a. M. Rr. 50) findet sich S. 894 ein Aufsatz „die lutherische Judenmission und ihre Station Czernowitz", in welchem richtig hervorgehoben wird: „Fest stationirte Missionare, — zu in größten Teile im Dienste englischer Gesellschaften — suchten in ihren Plätzen inehis durch Verteilung mehr- oder minderwertiger Traktate, als durch offenes persönliches Zeugnis, einzelne Seelen aus Israel zu gewinnen, und ihnen gesicherte sociale Stellungen zu verschaffen oder überließen die Getauften den, gleiche Zwecke verfolgenden Proselystenanstalten. Es war eine kleinliche, kurzsichtige, weder Missionare noch Missionsfreunde befriedigende Thätigkeit, die ihren Treibhauscharakter nicht verleugnen konnte. Dabei konnten ernste scharfblickende Männer sich nicht der Thatsache verschließen, daß es meist jüdische Vagabunden waren, die den Missionare» in die Hände fielen. Als Abschaum und Auswurf des Volkes halten sie in dem Judentum nichts mehr zu hoffen und zu verlieren und entschlossen sich durch einen Verzweiflungsschritt Rettung ju suchen und sich durch das Taufwasser eine sichere Stellung in, der Welt zu erwerben. Das Gerücht, daß bei der Mission Geld und Unterstützung zu haben sei, hatte sich rasch im jüdischen Volke verbreitet und eine Menge gewissenloser Menschen verstand es, den zum Teil unerfahrenen und gutmütigen Missionar zu betrügen, die christliche Liebe zu mißbrauchen." So urteilen Missionäre über Judenmission, womit auch wir übereinstimmen. — Im Dezemberhefte der im Verlage von Wilhelm Friedrich, in Leipsig erscheinenden „Gesellschaft, Monatsschrift für Litteratur und Kunst" veröffentlicht Herr Conrad Alberti, unter welchem Pseudonym sich ein gewisser Sittenfeld verbirgt, einen Aufsatz „Judentum und Antisemitismus", der Alles in den Schatten stellt, was das letzte Jahrzehnt der Racen- und Glaubenshetze gezei.tigt hat. * Hier nur einige Proben, da eine Widerlegung überflüsssig ist: „Ich darf dreist behaupten, daß es unter der ganzen jungen, mit moderner Bildung dutchtränkten jüdischen Generation kein Mitglied gielit, das von der Ueberflüssigkeit, Schädlichkeit und Verfaultheit des Judentums nicht in tiefster Seele überzeugt wäre." — „Das Judentum hat das Recht zum Dasein verloren . . . In Wirklichkeit hat das heutige Judentum alle religiösen, ethischen, ethnischen Racen-Momente bis auf winzige Spuren abgestreift, es bildet nichts mehr als eine sociale Gemeinschaft. . . . Dabei leitet die heutigen Juden jedoch! ausschließlich das materielle Interesse. Das sogenannte ideale Zusammengehörigkeitsgefühl, die Familienliehe, die selbst Christen als eine besondere jüdische Tugend gepriesen haben, sind schon längst nicht mehr vorhanden, wenigstens nicht in höherem Grade als bei Andersgläubigen. . . Den Juden be-