Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41 oder einer sonstigen höheren deutschen Lehranstalt (Seminar, Polytechnikum, Landwirtschaftliches Institut u. A. m.) widmen, durch Bewilligung von Stipendien zu fördern und eventuell auch tüchtigen Männern israelitischen Glaubens, welche ihre Studien bereits vollendet haben, Untcrstiitzung zu gewähren " Der Vorstand der Stiftung besteht z. Z. aus den Herren: Dr. jur, Ernst Auerbach, Joseph Baer-Friedmann, Direktor Dr. Hermann Baerwald, Dr. med. Ludwig Edinger, Eduard Rießer, Commerzienrat H. Rothschild und Ignatz Schuster. — Man schreibt uns: Herr Dr. Hugo Kreutz hat sich in Kerlin für das Fach des öffentlichen Rechtes habilitiert. — Aus Württemberg schreibt man uns: Der Rechenschaftsbericht des Unterstützungsvereins für israel. Lehrerer und Vorsänger und deren Witwen und Waisen ist erschienen. Der Verein hat im laufenden Jahre sieben Witwen und drei Vollwaisen unterstützt und in der dreijährigen Rechnungsperiode 5000 Mk. an Unterstützungen verausgabt. Das Vereinsvermögen beträgt 5260 Mk. Von dem seligen Herrn B. H. Goldschmidt in Stuttgart ist ihm eine Stiftung von 2000 Mk. zugeflossen. — Durch Se. Maj. den König Karl wurde dem Gemeinderat, israel. Gemeinde- und Stiftungspfleger F. Hermann in Freudrnthal bei Stuttgart zu seinem 50 jährigen Dienstjubiläum die goldene Civilverdienstmedaille verliehen. — In Heilbronn standen sich bei der Gemeinderatswahl die deutsche- und Volkspartei gegenüber, die erste hatte den Rechtsanwalt Dr. Schloß, die Volkspartei den Rechtsanwalt Dr. Kosengart auf ihrem Wahlvorschlag, beide Israeliten; Herr Rechtsanwalt Dr. Rosengart wurde gewählt. — Herr Cand. med. Wilhelm Spitzer hat den vollen Preis für die von der medicinischeu Facultät der Universität Kresla« gestellte Jubiläumsausgabe: „Es soll experimental die Darmwirkung des Opiums und der Tinctura Opii simplex mit der des Morphiums verglichen werden^ zugesprochen erhalten. — Am 4. Dezember begierig Herr Lehrer K. Frank in Weickershrim sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum unter Teilnahme weiterer Kreise. — In Nr. 41 der „Gegenwart" in einem Aufsatze über „unsere Akklimatisation in den Tropen" wird mit Bezug auf die Forschungen Firchow's betont: daß die Semiten eine geradezu unerreichte Widerstandsfähigkeit, eine enorme Lebenskraft, und damit auch eine alle klimatische Widerwärtigkeiten überwindende Akklimatisationsfähigkeit besitzen, zeigen am deutlichsten die Juden, das Volk, das durch beispiellose Verfolgungen zu allen Zeiten so schwer zu leiden hatte, über die ganze Erde, .versprengt ist und das doch überall lebensfähig und lebenskräfttg ist. — Daß mit dem Austritte Treitschke's sich der antisemitische Charakter der „Preuß. Jahrbücher" nicht geändert hat, zeigt der Aufsatz Kob. Hefsen's: „Unsere Aufgabe gegenüber dem Judentum". Er schreibt ruhiger aber sachlich eben so scharf wie Treischke und wiederholt dessen Behauptungen. Auch er bezeichnet die 2000 Jahre in Deutschland wohnenden Juden als „ftemdes Element"; auch er spricht von der Masseneinwanderung, die durch Forschungen des Herrn Dr. Keumann in Kerlin längst in das Reich der Fabel verwiesen ist. — In Kresla« hat Herr Staatsanwalt Kobligk gelegentlich einer Betrugsverhandlung gegen den jüdischen Kaufmann Ehreufried, der freigesprochen wurde, in einer Rede eine neue Art „jüdischer Betrüger" entdeckt, von denen 50 Prozent freigesprochen werden. Der Vorsitzende des Gerichtshofes, Herr Landesgerichtsdirector Freytag, äußerte sich hierüber gar nicht, nur der Verteidiger drückte seine Verwunderung darüber aus, daß in einem Gerichtssaale Aeußerungen fielen, welche in antisemitische Volksversammlungen gehörten. — In der Klagesache des Herrn Dr. Sello contra Klüger, der in einem Briefe an ersteren, e;nen Christen, schrieb, t