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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-02-01 · Heft 2 (1.2.1890) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 2 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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— 39 — Haft und mu,tig trat er stets für die Emancipation der Juden nach außen und für ihre Organisation nach innen und oft mit Erfolg ein. Er war ein fruchtbarer Schriftsteller, der sich auf allen Gebieten des Wesens umsah und eine gute Feder führte. Hervorragend sind seine Leistungen als Kanzelredner, und hat er durch die Uebersetzung der Bibel, durch seine Schriften über Religionslehre und Religionsgeschichte für weite Kreise segensreich gewirkt. Er war Begründer und Leiter des jüdischen Litteratur-Vercins, dem wir sehr wertvolle wissenschaftliche Leistungen verdanken. Seine Lieblingsidee war schon vor Jahrzehnten die Gründung einer jüdischen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die er vor 17 Jahren erfüllt sah in der Eröffnung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, bei der er (6. Mai 1872) die Festrede hielt. Philippson's Leben und Wirken ist mit der Geschichte der Juden in die er mehr denn ein halbes Jahrhundert mächtig eingriff, eng verknüpft und sein Andenken wird stets ein anregendes und gesegnetes bleiben. Am 1. Januar fand das Leichenbegängnis des Heimgegangen unter großer Beteiligung statt. — Am 27. Dezember starb nach kurzem Krankenlager im fünfzigsten Lebensjahre das verehrte Mitglied des Mendelssohn-Vereins, Herr Zalomon Popper, Ca.ntor der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. Seine künstlerische Begabung, seine Begeisterung für das Judentum, sein humaner, wohltätiger Sinn und sein gutes Herz, dys sich gerne den Nothleidenden erschloß, werden in unserer Mitte nicht vergessen werden. Aus seinem letzten an Herrn Cantor A. Blaustein in Bromberg gerichteten Briefe voin 18. Dezember, abgedruckt im „Jüdischen Cantor" (Nr. 45. Jahrg 11.) heben wir zn seiner Charakteristik folgenden Satz hervor „Hat doch Jeder, der sich für eine gute Sache hergiebt nur Undank, Mißtrauen und Quälereien zu gewärtigen. Der, anerkannt gute Charakter und das edle Selbstbewußtsein muß uns in solchen Fällen unentwegt dem Ziele entgegenbringen." Wir werden dem edlen Heimgegangenen ein ehrendes Andenken stets bewahren! — Am 15. December starb in Kltoua Herr I. S. WiMowrr, bekannt durch eine von ihm herausgegebene Sammlung neuhebräischer Gedichte „^Zuäatli-Dsrardiin". Seine Tochter ist die unter dem Schriftstellernamen Witt bekannte Novellistin. — Am 24. November starb in Kreslan Herr Geh. Sani-' tätsrat Dr. Julius Griiher. Durch feine vielseitige, ersprießliche Thätigkeit in Wissenschaft und Leben hat er sich ein dauerndes Denkmal nicht nur als einer der besten Bürger der Stadt öreslau, sondern auch als hervorragender Gelehrter gesetzt. Noch in seinem zweiundachtzigsten Lebensjahre gab er ein vortreffliches Werk über die Geschichte der Medicin in Schlesien heraus. Gedächtnisreden hielten die Herren Rabbiner Dr. Joel und Dr. Rosenthal an seinem Grabe. — Am 13. Dezember starb in Dortmund Frau Eharlotte Moscheles, die Witwe nach dem berühmten Claviervirtuosen Ignatz Moscheles. Sie schrieb unter anderem auch eine Biographie ihres Mannes unter dem Titel: Aus Moscheles Leben. — Am 16. Dezember wurde Herr Commerzienrat Mar S. Neuburger in Stuttgart zur letzten Ruhe geleitet. An seinem Grabe sprachen die Herren Kirchenrat Dr. von Wassermann und Herr Conrad Haußmann Worte tiefempfundenen Nachrufes. — Aus dem Oberelsaß schreibt man uns: Am Montag, den 18. November lief die traurige Botschaft durch die Gemeinde Zieren; (Ober-Elsaß), daß der dortige greise Rabbiner Hirsch im 93. Lebensjahre seinen edlen Geist ausgehaucht Hat. Im Aufträge der Familie, die dem schriftlichen Wunsche des theuren Dahingeschiedenen nachgekominen war, wurden sämtliche Amtsbrüder des Entschlafenen, die im Konsistorial-Bezirke Kolmar fungiren, zur Trauerfeier geladen.

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