Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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35 das sogenannte Kreuz (crux) der Philosophen, die Schwierigkeit nämlich, den Uebergang vom geistigen Gott zur materiellen Welt zu finden, zu erklären, wie vom stofflosen, unkörperlichen Gott eine materielle Welt geschaffen werden, der geistlose und gegensätzliche Stoff ausgehen konnte. Der Stoff ist eben nicht geistlos, sondern vom Geist Gottes durchdrungen. In der ganzen Natur liegt geistiges Wesen.,bie Kraft, als das Göttliche des Einzelwesens, wie Gott die Kraft der ganzen Welt ist. Wäs Kraft ist! bleibt hier ebenso unerklärlich, wie das, was Gott ist. Kraft ist hier nur eine andere Bezeichnung, keine Erklärung, und durchaus nicht Stoffliches, sondern das Geistige, Göttliche der Dinge. Die Heiden nannten diese Kräfte der verschiedenen Einzelwesen Götter; auch sie erkannten schon, daß darin etwas Göttliches, nicht nur Stoffliches liege. (Fortsetzung folgt). Eine Meversehung der Sprüche Salomos ins Molapük. Das Judentum ist in Folge seiner Verbreitung über die ganze zivilisierte Welt zu einer Beteiligung an allen wahrhaft kosmopolitischen und die Gesellschaft im Allgemeinen bewegenden und umgestaltenden Fragen gleichsam verpflichtet. Von jeher war es der Ruhm jüdischer Gelehrten, sich nicht in ihrem Studium auf die engen Grenzen eines bestimmten Faches zu beschränken, sondern mit weit hinaus schauendem Umblicke alles in den Kreis ihrer! Betrachtungen hineinzuziehen, was die Menschheit als ein Ganzes angeht. Was nur unter die umfassende Rubrik „Humanität" fällt, ist nie dem Judentum fremd geblieben. Auch hierin bewährt sich die Lebens- und Assimilationsfähigkeit unserer Religion. So hat ein amerikanischer Rabbiner, Herr vr. Samuel Heubsch in New-Aork, bekannt durch seine rege Mitarbeiterschaft an dem „American Hebrew", ein Werk der Oeffentlichkeit übergeben, welches, so fern es auch der jüdischen Litteratur als solches stehen mag, doch seinesteils dazu beiträgt den Ruhm jüdischer Wissenschaft und Bibelkunde auch weiteren Kreisen zu bekunden, und, wie gesagt, einen Beweis zu geben, daß das Judentum sich jedem Fortschritte und allen wahrhaft humanen Erfindungen des Zeitgeistes anzuaccomodieren versteht. Die Erfindung I. M. Schleyers zu Constanz, das nun weltbekannte Volapük, die internationale Weltsprache, findet bereits über 2000(XX) Anhänger in allen Weltteile», und wird von über 30 Zeitschriften vertreten. Auch verschiedene Teile der heiligen Schrift sind in diese Sprache übersetzt worden. Da hat nun auch, der so rüstige und geistreiche amerikanische Rabbiner es gewagt die Sprüche Salomos in's Volapük zu übertragen. Und diese Uebersetzung eines der „best bekanntesten amerikanischen Volapükisten" ist eine so gelungene, daß sie von allen Seiten und allen Volapükorganen als vortrefflich gelungen bezeichnet wird. Mit Recht sagt der gelehrte Verfasser in seiner Vorrede, daß, „eine gute Bibelübersetzung keiner Litteratur mangeln darf, die irgend welchen Anspruch auf Kultur erhebt!" Die Thatsache, daß die in manchen ihren Teilen schwierig zu behandelnden und philosophisch angelegten Sprüche Salomos sich ganz geläufig und ohne Stockung ins Volapük übertragen ließen, legt ein gutes Zeugnis für die jetzige Entwicklung und Ausbildung dieser neuen Weltsprache ab, wie pe anderseits für die ausgezeichnete Sprachbildung des Verfassers spricht, welcher bei seiner Uebersetzung, wie von englischer Seite betont wird, den hebräischen