Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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M Lehre auf griechisches Denken und Leben. Eine derartige Wechselwirkung zwischen Juden und Hellenen tritt nach Alexander von Makedonien deutlich hervor- Der „geistige" Gottesbegriff ist somit festgcstellt; wir gehen zum Begriff der Seele über. Die Geistigkeit Gottes selbst, oder was gleichbedeulend ist, seine wirkliche Existenz ist weggezweifelt und von den Naturphilosophen des Altertums wie der Neuzeit geleugnet worden. Diese Schule ist kurzweg die Ähnle der Materialisten zu nennen, im Gegensatz zu derjenigen der Spiritnalisten; sie erkennt überall nur das Vorhandensein von Natnr und Stoff, Materie, an. Diese sei von Anfang an horhanden gewesen und sei das „Ewige" in der Welt. Es ist dabei gleichgültig^ ob man. wie die Alten, einen fertigen Stoff (Hylej für jene Gegenstände annimmt, oder mit den Neueren nur das Vorhandensein einer Urzelle (Monas, Arom), woraus sich das Einzelne und Ganze entwickelt hat. Die Bibel läßt jede Art von Gott besonders geschaffen werden, stimmt demnach mit dieser Entwicklungstheorie nicht überein Der Ursprung dieses Urstoffs und mehr noch die schaffende und entwickelnde Kraft, welche nach dieser Theorie dem Stoffe an sich inwohnen soll, bleibt dabei ein ungelöstes Rätsel. Denn es ist nicht wahr, daß eine stur mechanische Kraft, welche allein dem Stoff von selbst innewohnen kann, fstr die Schöpfung der Welt ausreicht. Da ist Ordnung und Gesetz, Einheit ustd Schönheit, Ziel und Absicht erkennbar, die nur von einem denkenden Verstastde herrühren können, welcher außerhalb des Stoffes vorhanden und wirksam was und ist. Die hellenistische Philosophie nannte diesen denkenden und schaffenden Weltgeist Nus d. i. „Verstand". Hierin liegt das Zugeständnis vom Doffein eines „Gottes". Der Name, wie dieser Gott genannt wird, ist gleichgültig; es ist hier zugestanden, daß die Denkkraft nicht dem Stoffe oder seiner Zusammensetzung oder Organisation eigen sein kann. Die neueren Materialisten beschäftigen sich nur mit der sicht- und greifbares Welt und Natur; sie leugnen oder ignpriren das Vorhandensein einer außerweltlichen und übernatürlichen Geisteskraft und Mitwirkung. Sie führen die sogenannte geistige Denkkraft und Thätigkeit auf die Naturkraft und die Organisation der Materie zurück, ohne dies erklären oder gar beweise» zu können. Sie beschränken sich auf Leugnung der entgegengesetzten Aufstellung ihrer abweichenden Meinung. Auch das Altertum hatte eme solche Schule, welche ebenfalls wie unsere Materialisten das Dasein Gottes leugnete und den Wert des Lebens in der Ausbeutung des sinnlichen und materiellen Genusses suchte. ,;Hedorw" „Vergnügen" nannte diese die sinnliche Lust und den materiellen Genuß. Es ist dies die Schule der „Epikuräer", welche äuch im späteren Judentum als die Vertreter des Materialismus und des Atheismus galten. Aehnlich verhält es sich auch mit der Lehre vom Dasein einer Seele und deni llnsterülichkeitsglauben. Geist und Materie sind gesonderte Gebiete. Die Schöpfung der Welt, auch der materiellen, ist eine geistige Arbeit. Nicht nur die Organisation des Stoffes, sondern l der Stoff selbst schließt einen Gedanken in sich und gibt Zeugnis von einer Geistes- und Gedanken-, nicht nur mechanischen Arbeit. Denn im Ganzen kann nicht liegen, was nicht in die einzelnen Teile gelegt worden ist. Die ganze Pflanze liegt im Samenkorn, der Eich- und Obstbaum ist in den verschiedenen Samenkernen eingeschlossen, nicht nur in der Organisation, sondern in der Art und Wahl des Stoffs. Also auch im Stoffe liegt Absicht und Ziel, etwas Vorbedachtes, eine geistige,, göttliche Arbeit. Hiermit schwindet auch